
- Die Giesserei von Cendres+Métaux ist ein entscheidender Zulieferer in der Dental-, Medizin-, Uhren- und Schmuckbranche.
Die OTC-Börse ist auf gutem Kurs: Unser Autor Fredy Gilgen porträtiert diesen Monat wieder drei ganz unterschiedliche Gewinner an der Nebenbörse.

Cendres+Métaux
Mit Präzision zum Erfolg
Cendres+Métaux. Sogar in ihrer engeren Heimat ist die Bieler Unternehmensgruppe ausserhalb von Fachkreisen nur wenig bekannt. Mit dem im Geschäftsjahr 2010/11 erreichten Umsatz von 344 Mio. Franken und der Mitarbeiterzahl von 437 Beschäftigten hat das traditionsreiche Unternehmen aber eine stattliche Grösse erreicht, mit der es etliche deutlich renommiertere Unternehmen locker übertrumpfen kann.
Die Bieler Edelmetallschmelze und feinmechanische Unternehmung ist als Zulieferer der Dental- und Medizinaltechnik- sowie der Schmuck- und Uhrenbranche tätig. Wie viele Unternehmen des Jurabogens baut Cendres+Métaux, auf Genauigkeit, Sorgfalt und Präzision. Das fängt bei der Reinheit der raffinierten Edelmetalle an und setzt sich bis in die hochgenaue Produktfertigung nach Kundenspezifikation fort.
Im vergangenen Geschäftsjahr stieg der Gruppenumsatz, nicht zuletzt wegen höherer Edelmetallpreise, deutlich um fast 20 Prozent auf 344 Mio. Franken. Deutlich höher war auch die Abschreibungen mit 21,1 (Vorjahr: 12,2) Mio. Franken. Ursachen waren der starke Franken und Goodwillabschreiber auf die 2009 gekaufte Metalor Dental. Trotzdem konnte der Reingewinn von 2,8 auf 3,5 Mio. Franken gesteigert werden, was auch eine leicht erhöhte Dividende von 310 Franken (+ 10 Franken) möglich macht.
Die langfristig ausgerichtete Strategie zielt darauf ab, sowohl in zyklischen wie nicht zyklischen Branchen verankert zu sein. Dies hat sich bezahlt gemacht, weist der Bieler Industriezulieferer doch ein kontinuierliches operatives Wachstum aus. In den vergangenen 20 Jahren ist es dem Unternehmen regelmässig gelungen, die Dividende zu steigern und ein solides Finanzpolster aufzubauen. Die Bilanz weist einen Eigenkapitalanteil von fast 60 Prozent aus.
Dank dieser soliden finanziellen Basis wird C+M das aktuelle Ausbauprojekt am Hauptsitz in Biel-Bözingen weitgehend aus eigenen Mitteln bestreiten können. Geplant ist ein mehrgeschossiger Neubau, mit dem das Unternehmen seine Produktionsfläche um gut die Hälfte erweitern kann. Investiert werden nach Angaben von Unternehmensleiter Freddy Lei rund 20 Mio. Franken. Der Neubau sollte Ende 2013 fertig erstellt sein und dem Bieler Unternehmen ein weiteres stetiges Wachstum sichern.
In den letzten Jahren lief besonders die Zuliefertätigkeit für die Uhren- und Schmuckindustrie auf Hochtouren. Die Aussichten für diese Sparte sind angesichts der aktuellen Branchenhochs unverändert gut, das rasche Wachstum dürfte hier anhalten. Schon im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte die Bedeutung dieser Sparte deutlich zugenommen. Der Anteil am Gruppenumsatz war von 25 auf 32 Prozent gestiegen. Die Sparte Dental leidet dagegen etwas unter den hohen Edelmetallpreisen und der Verbreitung nichtmetallischer Werkstoffe. Mit einem neu entwickelten Produkt wollen die Bieler hier Gegensteuer geben.
Der Aktienkurs von Cendres+Métaux hat im Verlauf des Jahres der letzten zwölf Monate etwas nachgegeben. Für Anleger mit dem Wunsch nach einer langfristigen Wertἀstabilität und einer attraktiven Dividendenrendite ist der Titel aber eine Überlegung wert.

Privatbank Lienhardt & Partner
Sicherheit vor Rendite
«Wir unterscheiden uns von herkömmlichen Bankern: Wir haben auf dem Golfplatz ein hohes Handicap, dafür in der Bank ein tiefes». «Weil unsere Bank in den letzten 143 Jahren nie in den Schlagzeilen war, müssen wir sie eben selber schreiben.» So frech ist die Zürcher Privatbank Lienhard & Partner allerdings nur in der Werbung. Sonst setzt sie auf die klassischen Werte des Bankgeschäfts. Sie will gradlinig, verlässlich und topseriös sein. In der Anlagestrategie folgt sie dementsprechend einer defensiven Grundhaltung nach dem Grundsatz «Sicherheit vor Rendite».
In der Vergangenheit hat sich das Institut durch eine unspektakuläre, aber stetige Aufwärtsentwicklung ausgezeichnet. Bemerkenswert: In den an den Finanzmärkten äusserst schwierigen Jahren 2007 bis 2009 erreichten die Zürcher Jahr für Jahr ein neues Rekordergebnis. Nicht zuletzt wegen der Investitionen in eine neue Informatikplattform ist der Gewinn in den letzten beiden Jahren zwar jeweils leicht gefallen, er kann aber immer noch als solide bezeichnet werden. Umso mehr als ab dem neuen Geschäftsjahr dank diesen Investitionen nun mit Einsparungen bei den Sachkosten gerechnet werden kann.
Die Grundlage des Erfolgs des bereits 1868 gegründeten Instituts: Die Erträge der Bank sind breiter diversifiziert als bei vergleichbaren Instituten. Wichtigster Ertragspfeiler ist das Private Banking für die nationale und internationale Kundschaft, die Anlageberatung oder Vermögensverwaltung wünscht. Das Finanzierungsgeschäft ist eine zweite wichtige Ertragsquelle. Darunter fallen vornehmlich Hypotheken, kommerzielle Kredite sind die Ausnahme. Diese Aktivität der Bank ist auf den Grossraum Zürich beschränkt. Das Immobiliengeschäft ist die dritte Ertragsquelle. Lienhardt ist in der Vermittlung von Wohn- und Anlageobjekten tätig. Ausserdem werden mehrere tausend Mietobjekte verwaltet und bewirtschaftet. Die Bank richtet sich mit ihren Leistungen an Privatpersonen, aber auch an institutionelle und unabhängige Vermögensverwalter. Diese machen rund 20 Prozent der von Lienhardt verwalteten Kundengelder aus. Im Herbst ist Lienhardt & Partner zudem in den Handel mit nichtkotierten Aktien eingestiegen, der zuvor hauptsächlich von der Berner und der Zürcher Kantonalbank betrieben worden ist.
Das Eigenkapital pro Aktie beläuft sich auf 1938 Franken. Rechnet man die übrigen Rückstellungen dazu, beträgt der Buchwert pro Aktie rund 2200 Franken, das entsprechende Kurs-Buchwert-Verhältnis günstige 1,2. Weniger attraktiv erscheint die Aktie bezüglich Dividendenrendite, die nur rund anderthalb Prozent beträgt und bezüglich Kurs-Gewinn-Verhältnis. Doch der Markt traut dem Unternehmen offenbar weitere stetige Fortschritte zu. Wohl zu Recht.

Schützengarten
Erfolg im schrumpfenden Biermarkt
Die St. Galler Brauerei Schützengarten ist mit 230 Jahren die älteste Brauerei der Schweiz und die grösste selbständig gebliebene. Sonst dominieren im diesem Markt bekanntlich grosse ausländische Konzerne wie Heineken oder Carlsberg.
Seit Jahren gelingt es den St. Gallern aber, sich im schrumpfenden inländischen Biermarkt zu behaupten und Marktanteile zu gewinnen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/11 erreichte Schützengarten das zweitbeste Ergebnis ihrer Geschichte: Der Absatz bei den Markenbieren ging im Vergleich zum Rekordjahr 2009/2010 nur marginal zurück. Insgesamt stiess die St. Galler Brauerei im vergangenen Braujahr 170 100 Hektoliter eigen gebrautes Bier aus; das sind 3,5 Prozent weniger als 2009/2010. Hinzu kamen 127 800 verkaufte Hektoliter Handelsprodukte. Unter dem Strich resultierte ein Getränkeabsatz von 297 000 Hektoliter, was 1,3 Prozent weniger war im Jahr zuvor. Der Umsatz konnte dagegen erneut leicht auf 76,5 Mio. Franken gesteigert werden. Ein neues Rekordresultat.
Noch besser sieht es unter dem Strich aus: Der Gewinn kletterte um 10 Prozent auf 3,2 Mio. Franken. Zur Freude der Aktionäre der Brauerei Schützengarten. Die Dividenden wurden von 570 auf 600 Franken pro Namenaktie und von 114 auf 120 Franken pro Partizipationsschein erhöht.
Die Brauerei Schützengarten verdankt diesen Erfolg der rechtzeitigen Ausrichtung der Verkäufe auf den Detailhandel. Dem sinkenden Bierabsatz begegnete sie mit der Ausrichtung auf Spezialitäten wie das Klosterbräu oder das neuen Gallus-Bier. Der Anteil an margenträchtigen Spezialbieren ist bei Schützengarten heute rund doppelt so hoch wie bei anderen Schweizer Grossbrauereien. «Es ist für unser Image wichtig, uns im Detailhandel als Brauerei zu positionieren, die verschiedene Biere anbietet», sagt der im Herbst abtretende langjährige Vorsitzende der Geschäftsleitung Christoph Kurer. Das ist den St. Gallern offensichtlich gelungen. Während die Bierverkäufe in den letzten zehn Jahren in der Schweiz gesamthaft und inklusive der stark gestiegenen Importe um knapp 9 Prozent zugenommen haben, legten jene der Schützengarten-Biere dagegen um beachtliche 34 Prozent zu.
Erste Erfolge kann Schützengarten aber auch im Ausland verbuchen. Die Deutsche Landwirtschafts Gesellschaft (DLG) hat im letzten Jahr Schützengarten Lager, Edelspez Premium und St. Galler Klosterbräu mit Goldmedaillen ausgezeichnet. Ein weiterer Erfolg war der Gewinn der Bronzemedaille am European Beer Star in München in der Kategorie «German Style Kellerbier hell» für das Schützengarten Säntisbier.
Die PS Schützengarten werden vergleichsweise häufig ausserbörslich gehandelt. Derzeit sind die Liebhaberwerte zu 5120 Franken Geld bzw. 5450 Franken Brief gestellt.







