Donnerstag, 17. Mai 2012 21:46 Uhr
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Ein Geheimnis des Erfolges der Plaston Holding AG ist das Geschäft mit ­industriellen Koffer­lösungen.

OTC-Börse

Auf Erfolgskurs

 

In der letzten UZ porträtierten wir drei KMU, deren Aktien erfolgreich an der Nebenbörse gehandelt ­werden. Unser Autor widmet sich diesmal zwei KMU mit Erfolg in Übersee und einer Bankenfusion in der Ostschweiz.


Text Fredy Gilgen

Diethelm Keller Siber Hegner (DKSH)

 

Dank Asien auf anhaltendem Wachstumskurs

Internationale Rohstoff- und Handelshäuser mit Domizil in der Schweiz gehören zu den umsatzstärksten, aber auch verschwiegensten Unternehmensgruppen unseres Landes. Erst vereinzelte dieser traditionell familiengeführten Firmen haben sich in den letzten Jahren dem Publikum geöffnet, wie jüngst der Rohstoffriese Glencore. Von einer eigentlichen Börsenöffnung noch weit entfernt ist das Zürcher Welthandelshaus Diethelm Keller Siber Hegner (DKSH). Bereits recht offen ist aber deren Informationspolitik. Und im ausserbörslichen Handel wird die DKSH-Aktie seit Mai dieses Jahres wenigstens gelegentlich gehandelt.

Verkäufe von über zehn Mrd. Franken
Entstanden ist die DKSH-Gruppe vor neun Jahren aus der Fusion der renommierten Handelshäuser Diethelm Keller Services Asia und Siber Hegner, die damals ihrerseits schon eine 140jährige Geschichte aufwiesen. Mit Verkäufen von über zehn Mrd. Franken zählt das Handelshaus mittlerweile zu den 20 umsatzstärksten Schweizer Unternehmen. In der Schweizer Konzernzentrale sind allerdings nur rund 130 Mitarbeiter tätig, in den 590 asiatischen Niederlassungen dagegen über 22 000.
Seit der Fusion im Jahre 2002 verzeichnet DKSH fast Jahr für Jahr deutlich zweistellige Zuwachsraten bei Umsatz und Gewinn. Einen kleinen Rückschlag gab es nur 2009, als der Welthandel den grössten Einbruch seit dem Zweiten Weltkrieg erlitt. Schon im vergangenen Jahr gelang dem Handelshaus aber die Rückkehr auf den Wachstumspfad. Im Durchschnitt betrug das Umsatzwachstum von 2002 bis 2010 trotz der Frankenstärke und des Rückschlages von 2009 gut neun Prozent. Der Betriebsgewinn (Ebit) stieg zweistellig um 17 Prozent. Im laufenden Jahr zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab. In den ersten sechs Monaten resultierten nämlich erneut auf fast allen Stufen Rekordresultate. Eindrücklich vor allem die Zuwachsrate beim Reingewinn, der um über 27 Prozent auf 65 Millionen Franken anstieg. Dies ist umso eindrücklicher, als diese Geschäftsperiode durch die grosse Katastrophen in Japan beeinträchtigt wurde.

Asien als Wachstumstreiber
Zu verdanken ist der anhaltende Erfolg der starken Positionierung des Handelshauses in der weltweit wachstumsstärksten Region Asien. Hier erzielt DKSH rund 97 Prozent ihres Umsatzes. Nach den Worten von Konzernchef Jörg Wolle werde diese Region auch in Zukunft der effektivste Wachstumstreiber für die dynamische Unternehmensgruppe bleiben. In der Tat ist die Wirtschaft in Asien in den letzten Jahren regelmässig um sieben bis acht Prozent gewachsen und dürfte auch in den kommenden Jahren kaum an Dynamik verlieren.

Prominente Aktionäre
Im Aktionariat der Gruppe haben sich in den vergangenen Jahren einige bedeutende Veränderungen ergeben. Mit von der Partie ist seit 2010 Pierre Mirabaud, der ehemalige ­Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung, der einen Teil der Aktien der Investorin Carolina Müller-Möhl übernommen hat. Zwei Jahre zuvor erfolgte der Einstieg des Hedgefund-Spezialisten Rainer-Marc Frey und der FFP-Gruppe (Holding der Industriellenfamilie Peugeot). Mehrheitsaktionärin ist mit einem Anteil von 65 Prozent die ­private Diethelm Keller Holding.
Ein Anteil von unter zehn Prozent ist sodann im Besitz von Stephan Schmidheinys Anova Holding. Insgesamt sind knapp 98 Prozent der Aktien in festen Händen. Hin und ­wieder ausserbörslich gehandelt werden also bloss zwei Prozent der Titel.

Täglich beliefert DKSH mehr als 120 000 Krankenhäuser, Apotheken, Doktoren und Drugstores in Hong Kong. Fotos: zVg
Plaston Führung: Markus Bormann (Mitte), Egon Hämmerle (l.), Jörg Frei (r.) CEO Markus Bormann.

 

Plaston Holding AG

 

Trotz Frankenstärke Exporterfolge in China und den USA


Die Unternehmensführung der Ostschweizer Industriegruppe macht sich keine Illusionen. Die extreme Frankenstärke wird nicht ohne Folgen für das Unternehmen bleiben. «Für ein grenznahes Unternehmen mit 70 Prozent des Lohnaufwandes in Franken ist die massive Überbewertung der helvetischen Währung eine echte Herausforderung», gibt Hansruedi Lanker, Finanzchef der Plaston-Gruppe, zu bedenken. Zudem könnten die steigenden Rohstoffpreise kaum in Form von Preiserhöhungen an Kunden weitergegeben werden.
Nach zwei sehr anspruchsvollen Jahren hat es das Widnauer Unternehmen im Geschäftsjahr 2010 (April 2010 bis März 2011) geschafft, wieder auf Wachstumskurs zurückzukehren. Der Gruppen-Umsatz konnte um über zehn Prozent auf 84,9 Millionen Franken gesteigert werden. Dies trotz der bereits in dieser Periode sehr negativen Währungseinflüsse. Der Nettogewinn erreichte mit 3,1 Millionen Franken annähernd das Vorjahres-Ergebnis.

Weltmarktleader in beiden Tätigkeitsbereichen
«Angesichts der stark gestiegenen Rohstoffkosten und der Währungseinflüsse darf das  Geschäftsergebnis 2010/11 als erfreulich bezeichnet werden», sagte Markus Bormann, CEO der Plaston-Gruppe, Ende Juli gegenüber den Medien. Mit stetigen Prozessverbesserungen und Produktivitätssteigerungen soll versucht werden, den extrem ungünstigen (Währungs-)Voraussetzungen entgegenzuwirken.
Die Ostschweizer Industriegruppe ist in den zwei Geschäftsbereichen Kofferlösungen (Industrial Plastic Systems IPS) und Luftbehandlungsgeräte (Air Treatment Systems ATS) tätig. In beiden Sektoren zählt Plaston zu den weltweit renommiertesten Herstellern. Ihre Kunststoffprodukte, darunter der berühmte rote Hilti-Koffer, werden vor allem an die  Elektro- und Vermessungsindustrie geliefert. Weltweit führend ist die Gruppe auch als Anbieterin von Luftbehandlungsgeräten (Luftreinigungsgeräte, Verdampfer, Entfeuchter usw.) für Privathaushalte.
Im Geschäft mit industriellen Kofferlösungen (IPS) konnte der Umsatz im letzten Geschäftsjahr um sechs Prozent gesteigert werden. Das grösste relative Wachstum gelang Plaston im Absatzmarkt China mit einem Plus von 33 Prozent. Im Geschäft mit Luftbehandlungsgeräten (ATS) erreichte das St.Galler Unternehmen im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz. Das Vorjahresniveau wurde um 16 Prozent übertroffen. Ausschlaggebend für diesen Erfolg war auch hier in erster Linie der chinesische Markt, wo eine Zuwachsrate von 77 Prozent gelang. Höchst beachtliche Absatzerfolge gelangen aber auch in Osteuropa mit einem Plus von 72 Prozent und in den USA mit neun Prozent. «Wir freuen uns sehr darüber, dass wir die üblichen Wege umkehren und wir erfolgreich in China verkaufen können, was wir in der Schweiz produzieren», zeigt sich der neue Konzernchef Markus Bormann zufrieden.
Die Plaston-Führung hat in den letzten Geschäftsjahren bewiesen, dass sie die Kosten gut im Griff hat. Die Finanzpolitik des Familienunternehmens kann als sehr konser­vativ und solide bezeichnet werden. Mit einer Eigenkapitalquote von 66 Prozent ist das Unternehmen auch für härtere Zeiten gut gewappnet. Dank der weltweit guten ­Positionierung in beiden Geschäftsbereichen sind die mittelfristigen Aussichten gut und die Risiken überschaubar. Zum aktuellen Kurs dürfte sich ein Investment mittel­fristig auszahlen.

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