Auf der Suche nach der richtigen Business Software
«Die Finanzbuchhaltung auf dem iPhone? Im Prinzip ja . . .»
«Wir verkaufen Computer, keine Spielzeuge.» Das hat nicht Steve Jobs gesagt, sondern Heinz Nixdorf. Anlass war der Versuch von IBM, einen Personal Computer mit dem neuen Betriebssystem MS DOS auf den Markt zu bringen. Wenn er wüsste, dass sich heute einer seiner ehemaligen Mitarbeiter mit der Frage befasst, ob man auf dem iPhone Projektstunden erfassen kann, würde er sich im Grab umdrehen.
Text Ruedi Stricker
Heute beschäftigt uns nicht mehr die Frage, ob sich der PC durchsetzen wird, sondern ob sich Apple als Anbieter von Businesslösungen etablieren wird. Apple, 1997 nah am Abgrund, ist heute eine der erfolgreichsten Marketingmaschinen der Welt: Wenn wir heute aus dem Haus gehen, vergessen wir eher den Schlüsselbund oder die Geldbörse als das iPhone, und während der Meetings wird es nicht mehr ausgeschaltet.
Apple ist aber nicht nur iPhone, sondern auch iMac. Die grossen Bildschirme sind so beliebt, dass sie nicht mehr nur bei Grafikern auf dem Tisch stehen. Die Leute kaufen sich diesen Bildschirm, weil sie ihn haben wollen. Und wenn sie dann merken, dass ihre Programme vom PC darauf nicht lauffähig sind, installieren sie ein virtuelles Windows, um ihre Programme trotzdem benützen zu können.
Warum verhalten sich Mensch so? Die einfachste Antwort lautet: Die Apple Story beweist auf der ganzen Linie die Emotionalität von Kaufentscheiden. Wir wollen Gefühle, Farben, Musik, Spass. Und wenn wir das gefunden haben, rechtfertigen wir den heimlich bereits gefällten Entscheid mit rationalen Argumenten.
Die Situation in den KMU
Massgebend für Investitionen in die Informatik sind im Wesentlichen zwei Kräfte. Einerseits das Unternehmen mit der Führungsmannschaft, die versucht, Prozesse besser abzubilden und Kosten zu sparen. Typischerweise erhält also der IT-Manager den Auftrag, ein System zu beschaffen, das die Anforderungen eines Pflichtenheftes erfüllt. Am Schluss der Einführung des neuen Systems erfolgt dann die Schulung jener Leute, die damit arbeiten.
Auf der anderen Seite wirken Energien, die oft unterschätzt werden: Der Mitarbeiter mit seinem persönlichen (und das in sehr wörtlichem Sinn) Gerät, das dank der zahllosen Applikationen unverzichtbar geworden und in der täglichen Arbeit zunehmend zum universalen human interface geworden ist. Da dieser Mitarbeiter andere Prioritäten als die Geschäftsleitung hat, treffen sich nun zwei Welten in der Firma: Die etablierte Windows Plattform und die «junge» Apple Welt.
Die meisten Firmen lösen diese Konfrontation vorerst pragmatisch: Windows bleibt, Exchange ebenfalls. Einzelne Arbeitsplätze haben iMacs, unter Umständen mit einer virtuellen Maschine windowsfähig gemacht, wenn auch um den Preis von Mehrkosten, schlechterer Performance und dem Risiko von grösseren Problemen beim Zugriff auf die Drucker.
Angesichts der nach wie vor aktuellen Problematik mit Viren und nicht zuletzt nach dem Erlebnis mit Windows Vista stellt sich vor allem für kleine Firmen jedoch auch die Frage: Könnten wir alles mit Apple machen und auf Windows verzichten? Gibt es eine Business Software, die unsere Anforderungen erfüllt? Die Antwort ist derzeit durchzogen und bedingt auch die Klärung der Frage «Was ist Business Software?»
Was ist überhaupt Business Software?
Vor gut zwanzig Jahren hätte die Antwort gelautet: Ein ERP (enterprise resource planning)- System, das die Wertschöpfung kontrolliert, sich also an den klassischen Ressourcen orientiert.
Nachdem sich nicht nur in der Marketing- und Verkaufsabteilung die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass ein Kunde eine wichtigere Ressource als eine Schachtel Schrauben ist, zählt auch CRM (Customer Relationship Management) zur elementaren Ausrüstung des Unternehmens. Und seit die Datenflut nicht mehr von der Festplattenkapazität, sondern von der Fähigkeit zu Ordnung und Übersicht limitiert wird, gehört auch Document Management dazu. Aus rechtlicher Sicht müssten wir jedes geschäftsrelevante E-Mail zehn Jahre lang aufbewahren. Aus praktischer Sicht sollte ein Team Zugriff auf die aktuellste Version eines Projektplans oder einer technischen Zeichnung haben.
Wir haben uns auf die Suche nach der Business Software gemacht, die auf iMac läuft und mit einigen Anbietern gesprochen.
«Die modernste CRM Software der Welt»
Ein hoher Anspruch, der da im appenzellischen Teufen gestellt wird. Eingelöst wird er mit einem neuen, JavaFX basierten Programm, das sehr einfach bedient werden kann. Da es webbasiert ist, entfallen Fragen des Standorts, der Datensicherung und der Installation. Es beinhaltet eine komfortable Adressverwaltung, Aktivitäten, Mail, Kalender und ein komplettes Dokumentenmanagement mit Volltextsuche. Auch die Integration mit Office, Outlook und Telefonie mit Anruferkennung ist gelöst. Für das laufende Jahr plant das Unternehmen eine mobile Applikation für den Zugriff via iPhone/Handy sowie die Synchronisation mit Mac-Kalender und Mac-Adressbuch. Gerade diese Synchronisation ist ein Thema, das verschiedenen Anbietern noch Kopfzerbrechen zu verursachen scheint. Jedenfalls haben wir 2010 in der Schweiz niemand gefunden, der ein Mac-basiertes CRM System (das diese Bezeichnung verdient) mit iPhone Integration im Portfolio hat. In unserem Test hat twentyone von swoffice die Anforderungen an ein modernes, zukunftsgerichtetes CRM-System am besten erfüllt, auch hinsichtlich Design. (www.swoffice.ch)
«. . . einziger ERP Anbieter mit Plattformunabhängigkeit»
Gemäss Marc André Theytaz, dem CEO von XTND (letec Gruppe), ist Abacus derzeit in der Schweiz der einzige Anbieter eines kompletten ERP Systems, das auf beiden Plattformen läuft. XTND ist Apple Solution Expert und vertreibt neben dem Apple Sortiment auch die erfolgreiche Abacus Software (Bericht in der letzten Oktoberausgabe). Bei der Kundschaft kommt der Support von XTND offensichtlich gut an. Die Betreuung ist professionell, die Stundensätze sind dank der Ostschweizer «Randlage» moderat. Und was für viele Kunden nicht minder wichtig ist: Hier kaufen sie alles aus einer Hand. Kein Schwarz-Peter-Spiel, keine unklaren Zuständigkeiten. (www.xtnd.ch
«Picasa von Google. Das ist für uns auch Business Software»
Thorsten Treppke leitet die Schweizer Niederlassung von OSO. OSO arbeitet mit Vmware Vsphere, um für Kunden Windows Software auf dem Mac zu testen. Neben Adobe Indesign wird auch Coda (kleiner, feiner Texteditor mit Highlighting Funktion) sowie Omni Graffle Pro für Diagramme verwendet. Als CRM System wird SUGAR CRM (modifizierte Freeware) gehostet, ein iPhone Client ist in hauseigener Entwicklung. Und dann eben Picasa: «Wir haben in der Zwischenzeit mehrere hunderttausend Fotos, Illustrationen, Webseiten, Visuals etc. gemacht. Picasa hilft uns durch Tagging und Sortiermöglichkeiten in diesem vermeintlichen Durcheinander den Überblick zu behalten. Auch unsere Kunden setzen Picasa ein, um z.B. Marketing-Unterlagen zu bewirtschaften.» (www.oso24.com)
Was heisst das jetzt?
Ja, es ist möglich, ein KMU auf der Plattform Apple/Snow Leopard zu führen. Vorderhand machen Viren weniger Sorgen, mit Mac OS fällt weniger «Datenschrott» an, die aus massiven Leichtmetallplatten gefrästen Notebooks, neuerdings ohne Festplatte, sind eine wahre Freude. Auf der anderen Seite ist das Angebot an Software eher mager, und guter, lokaler Support ist auch hier nötig. Wovon aufgrund konkreter Erfahrung dringend abgeraten werden muss: Mit der Apple-eigenen Lösung MobileMe Mail, Kalender und Dokumente verwalten zu wollen, kann für Private reizvoll sein, für ein Unternehmen ist es angesichts des schlechten Supports viel zu riskant.








