Samstag, 25. Mai 2013 17:12 Uhr
Zürich,
bewoelkt 5°C

Die Drei Rechnungslegungsstandards für KMU

 

Internationale Rechnungslegung 

 

Mit der Internationalisierung der Wirtschaft verändern sich auch die Normen der Rechnungslegung. ­Welche Konsequenzen dies für Schweizer Unternehmen hat, zeigt der Experte Martin Eltschinger in ­einem kurzen Überblick. 


Text Martin Eltschinger

Das Geschäftsjahr 2010, in welchem die Hauptwährungen Euro und Dollar gegenüber dem Franken Einbussen hinnehmen mussten, ist abgeschlossen und die Prüfung der Jahresrechnungen steht vor der Tür. Dabei stellt sich insbesondere bei exportorientierten KMU eine zentrale Frage: Welche Rechnungslegung soll zu Vergleichszwecken angewendet werden? Soll künftig die Jahresrechnung nach handelsrechtlichen bzw. obligationenrechtlichen Werten, oder aber nach den tatsächlichen Werten Swiss GAAP FER oder den International Financial Reporting Standards (IFRS) dargestellt werden?

 

Die Standards

Obligationenrecht (OR): Die schweizerischen KMU legen ihre Rechnung mehrheitlich nach OR-Grundsätzen ab. Diese Grundsätze erlauben die Bildung von stillen Reserven. Wesentliche Veränderungen bzw. deren Auflösung sind jedoch seit Einführung der Aktienrechtsreform von 1992 offen zu legen. Der Entwurf des neuen Rechnungslegungsrechts wird in Hinblick auf mehr Transparenz derzeit im eidgenössischen Parlament beraten. In diesem Zusammenhang wurde auch die Harmonisierung der in vier Gesetzestexten (Rechnungslegung, ordentliche Revision, Fusion und Konsolidierung) verankerten Schwellenwerte von beiden Räten behandelt. Die Einführung der harmonisierten Werte (Bilanzsumme CHF 20 Millionen, Umsatzerlös CHF 40 Millionen und 250 Mitarbeitenden) die für KMU eine Entlastung mit sich bringen sollte, ist zur Zeit jedoch noch offen.

Swiss GAAP FER: Nachdem die Swiss GAAP FER der Stiftung für Fachempfehlung und Rechnungslegung seit dem Jahre 2005 nicht mehr für Firmen am Haupttableau der Schweizer Börse zugelassen sind, wurden diese schweizerischen Standards auf den 1. Januar 2007 komplett überarbeitet und sind seither modular aufgebaut. Dabei wird unterschieden zwischen den Kern-FER und dem gesamten FER-Regelwerk. Unternehmen, die einen Jahresabschluss nach den tatsächlichen Werten erstellen wollen und die Grössenkriterien einer ordentlichen Revision von derzeit noch CHF 10 Mio. Bilanzsumme, CHF 20 Mio. Umsatzerlös und 50 Mitarbeitende erfüllen, haben das gesamte FER-Regelwerk (Umfang 197 Seiten) anzuwenden. Betriebe, die unter diesen Schwellenwerten liegen aber freiwillig mehr Transparenz gewährleisten wollen, erstellen ihre Jahresrechnung nach den 6 Kern-FER (Umfang 34 Seiten), welche sich schwergewichtig auf die Kriterien Bewertung, Darstellung, Gliederung, Geldflussrechnung, Ausserbilanzgeschäfte und Anhang beziehen.

IFRS: Die internationale Rechnungslegung ist im Vormarsch und die IFRS haben sich inzwischen bei grösseren Gesellschaften ausserhalb der USA weltweit durchgesetzt. Konzernabschlüsse kapitalmarktorientierter Unternehmen müssen seit 2005 die IFRS (Umfang über 3’000 Seiten) anwenden. Die IFRS wurden in den letzten Jahren massiv ausgebaut und verfeinert. Im Sommer 2009 publizierte das International Accounting Standards Bord (IASB) einen schlankeren IFRS für nicht börsenkotierte KMU den sogenannten IFRS for Small and Medium-sized Entities (IFRS SME). Mit diesem IFRS SME (Umfang 346 Seiten) beabsichtigt, dass IASB auch KMU für die Anwendung dieser Standards zu gewinnen, um international vergleichbar sein. 

 

Würdigung der Standards

Grundsätzlich geht es um die Frage, ob ein Unternehmen die Jahresrechnung nach handelsrechtlichen Werten mit Bildung von stillen Reserven oder nach Fair Presentation bzw. true and fair view erstellen will. Bei der Aufstellung nach tatsächlichen Werten ist jedoch die Auflösung der stillen Reserven aus steuerlicher Sicht für den Einzelabschluss noch nicht gelöst, da das Steuerrecht sich nach dem Massgeblichkeitsprinzip bzw. nach dem Obligationenrecht orientiert. Das gesamte IFRS-Regelwerk ist sehr detailliert und gestaltet sich in der Anwendung sehr aufwändig. Die umfangreichen IFRS gehen im Detaillierungsgrad der Rechnungslegung sehr viel weiter als die Swiss GAAP FER. Zudem werden die IFRS laufend geändert, was der Kontinuität nicht förderlich ist. Es erstaunt deshalb nicht, dass sich einige Schweizer Gesellschaften vom Haupttableau der Schweizer Börse zurückzogen und heute wieder Swiss GAAP FER anwenden. Der IFRS SME verweist an verschiedenen Stellen auf das gesamte IFRS-Regelwerk und geht klar über das hinaus, was für KMU zumutbar ist und auch bewältigt werden kann. Bezüglich Bankfinanzierungen ergeben sich durch die Anwendung von Swiss GAAP FER gegenüber IFRS SME keine Nachteile. Die IFRS SME dürften daher kein Konkurrenzprodukt zu den Swiss GAAP FER darstellen.

 

Bedeutung für die KMU

Die KMU bilden das Rückgrat der Schweizerischen Wirtschaft. Sie sind flexibel und schaffen auch in schwierigen Zeiten Arbeitsplätze. Die nächsten Jahre dürften angesichts der internationalen Schuldenkrise und den Währungs­turbulenzen auch für unsere Wirtschaft anspruchsvoller werden. Daher sind schlanke Lösungen, die dennoch als Führungsgrundlage tauglich sind, gefragt. Von Über­regulierungen ist hingegen zu warnen und Abstand zu ­nehmen. Unternehmenskrisen entstehen hauptsächlich nicht durch die fehlende Anwendung eines detaillierten Rechnungslegungsstandards, sondern durch Führungsschwäche und fehlende Marktorientierung. Wichtig ist, dass das Rechnungswesen à jour geführt ist, damit Schwachstellen früh genug und unabhängig vom Standard erkannt werden.

Die meisten KMU dürften auch in Zukunft ihre Rechnung nach obligationenrechtlichen Gesichtspunkten ablegen. In diesem Zusammenhang ist auch das Parlament im Wahljahr 2011 bei den Beratungen des Rechnungslegungsrechtes gefordert, die Vereinheitlichung der neuen Schwellenwerte für die Rechnungslegung, die ordentliche Revision, die Konsolidierung und die Fusion nicht auf die lange Bank zu schieben. 

Sofern eine Unternehmung dennoch mehr Informationen in der Jahresrechnung zeigen will, soll sie dies freiwillig ohne gesetzlichen Zwang anwenden können. In diesem Zusammenhang bieten die Swiss GAAP FER eine echte Alternative. Durch die geplante Erhöhung der Schwellenwerte kommen viele KMU in den Bereich der Kern-FER und könnten mit geringem Aufwand freiwillig die Kern-FER einführen und eine Rechnungslegung nach true and fair view anwenden. Damit würde von den oftmals willkürlichen stillen Reserven Abschied genommen und nach erfolgter Umstellung – ein getreues Abbild der Geschäftstätigkeit zu vernünftigen Kosten vermittelt, welches auch dem Bilanzleser mehr Transparenz geben würde. Insbesondere die finanzierenden Banken könnten einen freiwilligen Kern-FER-Abschluss mit einem besseren Rating belohnen, was möglicherweise die Finanzierungskosten verminderte.

 

 

Anzeige

VZH