Sonntag, 11. Dezember 2016 14:44 Uhr
Die Züger Frischkäse AG ist ein klassisches Familienunternehmen. Seit knapp 30 Jahren arbeiten Christof (links) und Markus Züger im Familienbetrieb und führen ihn in zweiter Generation. (Bildverweis: Stefan Walter)

Energieeffizienter Frischkäse

Züger Frischkäse AG  Der Ostschweizer Milchverarbeiter Züger Frischkäse AG nimmt seit 2005 am Energie-Modell der Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW) teil.

Text Janick Tagmann

 

Die Herstellung von Frischkäse ist ein energieintensiver Prozess. Wenn man wie die Züger Frischkäse AG rund 120 Millionen Liter Milch pro Jahr verarbeitet, werden gehörige Mengen Energie benötigt. Daher hat sich Markus Züger, stellvertretender CEO des Unternehmens, bereits früh mit Massnahmen beschäftigt, die den CO2-Ausstoss senken und die Energieeffizienz erhöhen. «Das Thema beschäftigt uns nicht erst seit gestern», so Markus Züger. «2005 sind wir auf die EnAW und ihre Dienstleistungen aufmerksam geworden. Wir hatten schnell das Gefühl, dass die EnAW der richtige Partner für uns ist. Auf der einen Seite hilft uns unser EnAW-Moderator Thomas Pesenti, Energieeffizienzmassnahmen für den Betrieb zu evaluieren. Auf der anderen Seite unterstützt er uns, bei der Fülle an gesetzlichen Vorgaben den Überblick zu behalten.»

 

Eine grosse und viele kleine Massnahmen

Herzstück der umgesetzten Massnahmen ist die neue Holzschnitzelheizung, die seit zwei Jahren im Einsatz steht und mit drei Millionen Franken eine grosse Investition für das Ostschweizer KMU war. Markus Züger erinnert sich: «Der Vorlauf für dieses Projekt betrug rund zwei Jahre. Der Entscheid forderte unternehmerischen Mut von uns. Jeder Betrieb hat andere Anforderungen an seine Infrastruktur. Da wir jedoch im Dreischichtbetrieb sieben Tage die Woche produzieren, erreichen wir eine gute Auslastung der Anlage. Das macht die Investition lohnenswert.» Und dank der vorausschauenden Planung fliesst die produzierte Energie nicht nur in die Herstellung von Mozzarella und Mascarpone, sondern auch in die benachbarten Betriebe im Oberbürer Industriequartier. Angesprochen auf die Herkunft des Rohstoffs zum Betrieb seiner Heizung kann sich Züger ein Schmunzeln nicht verkneifen: «350 Bauern melken für uns täglich. Fast jeder von ihnen bewirtschaftet ein Waldstück. Unseren Rohstoff bekommen wir daher ohne Probleme und auf ökologisch sehr sinnvolle Weise.»

 

Von vielen Einzelmassnahmen profitieren

EnAW-Moderator Thomas Pesenti, der den Betrieb von Anfang an betreut und die Energie Modell-Gruppe der Milchverarbeiter aufgebaut hat, weiss um die Bedeutung dieses Schrittes: «Die Holzschnitzelheizung ist im Hinblick auf die CO2-Reduktion eines der grössten Projekte, das innerhalb der Energie-Modell-Gruppe umgesetzt wurde. Ebenso hat Züger auch viele Massnahmen in der Abwärmenutzung und der Dämmung umgesetzt, die es verdienen, erwähnt zu werden.» Alleine die Dämmung von Rohrleitungen im gesamten Betrieb führt zu einer jährlichen Energieeinsparung von über 800 Megawattstunden.

 

Klimastiftung Schweiz gab Starthilfe

Dass der unternehmerisch mutige Entscheid überhaupt getroffen wurde, ist auch ein Verdienst der Klimastiftung Schweiz. Züger: «Das Ziel dieser Anlage ist nicht, günstig zu heizen, sondern nachhaltig unsere Zukunft zu gestalten. Die Klimastiftung Schweiz hat mit ihrer finanziellen Unterstützung diesen Entscheid natürlich begünstigt.» Angesprochen auf die neue Zielvereinbarungsperiode von 2013 bis 2020 ist Züger und Pesenti klar, dass Energieeinsparungen in der gleichen Grössenordnung aufgrund der fortgeschrittenen Optimierung kaum mehr möglich sind. Punktuell sieht Züger aber durchaus Potenzial: «Wenn man will, gibt es immer etwas zu tun. Momentan evaluieren wir ein Projekt bezüglich Rauchgaswärmerückgewinnung, das zu unserem Betrieb passen könnte. Ich bin überzeugt, dass wir hier eine interessante Einsatzmöglichkeit finden.»

 

 

 

 

Markus Züger, Stellvertretender CEO Züger Frischkäse AG

 

«Wir haben nicht Blut, sondern Milch in den Adern.»

 

Ihr Unternehmen macht 40 Prozent vom Umsatz im Export. Wie kam es dazu?

Markus Züger: Ausschlaggebend für unseren hohen Exportanteil war die Marktöffnung der sogenannten «gelben Linie». 2007 wurde der Käsemarkt zwischen der Schweiz und der EU liberalisiert. Wir wussten, dass die Grenze aufgeht und der Wettbewerb in der Schweiz härter wird. Da die Schweiz einen guten Namen hat und wir wiederum eine gute Produktpalette mit klarer Positionierung, begannen wir, die neuen Märkte zum richtigen Zeitpunkt zu erschliessen.

 

Und jetzt liefern Sie bis nach Südkorea. Ein interessanter Markt für Schweizer Milchprodukte?

Wir fokussieren uns vorwiegend auf Europa. Aber auch Drittländer wie Japan, Kuwait und Saudi-Arabien befinden sich nebst Südkorea auf unserer Kundenliste. Die Weltbevölkerung wächst stetig – auch in Ländern ohne eigene Milchwirtschaft. Das ist eine Chance für die europäische Milchwirtschaft. Es braucht aber besondere Anstrengungen, um hier seinen Platz zu finden, da wir trotz hohem Kostenniveau für den in Drittländern erzielten Preis eine noch höhere Qualität liefern müssen.

 

Ist die hierfür verwendete «Individual Quick Frozen»-Technik kein unnötiger Mehrverbrauch von Energie?

Nein, ganz im Gegenteil. Es handelt sich zwar um einen energieintensiven Prozess, bei dem wir unsere Produkte unter Einsatz von Flüssigstickstoff länger haltbar machen. So können wir aber unsere Produkte zugleich mit tiefgekühlten Containerschiffen statt mit dem Flugzeug transportieren. Ausserdem ­garantiert die längere Haltbarkeit, dass weniger Lebensmittel weggeworfen werden müssen.

 

Welche Überlegungen lagen der Teilnahme am Energie-Modell der Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW) zugrunde?

Wir denken in unserem Familienunter­nehmen wie ein Bauer: Wir machen nichts, was der nächsten Generation schadet. Weil auch wir den Betrieb in der Familie weitergeben möchten, treffen wir langfristige ­Entscheidungen. Die Teilnahme bei der EnAW ist eine davon. Seit 2005 sind wir nun bei der EnAW dabei, um unseren CO2-Ausstoss zu verringern und den Energieverbrauch zu reduzieren. Dank der fachlichen Unterstützung durch unseren EnAW-Moderator Thomas Pesenti konnten wir schon viel erreichen.

 

Seit 2013 setzt der Kanton St. Gallen den Grossverbraucherartikel um. Eine Mehrbelastung für Sie?

Nein, gar nicht. Der Kanton hatte uns angeschrieben und die verschiedenen Wege für die Zielerreichung dargelegt. Da wir bereits bei der EnAW dabei waren, mussten wir nichts weiter unternehmen, als unsere vereinbarten Ziele in der gleichen Art und Weise zu verfolgen wie bisher.


 

EnAW
Von der Wirtschaft. Für die Wirtschaft.
Die Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW) bietet ihren Teilnehmern einen Rundum-Service im Energie-Management mit von Behörden anerkannten Produkten, Dienstleistungen und Tools. In der Umsetzung setzt die EnAW auf wirtschaftliche Effizienzmassnahmen, die den Energieverbrauch und den CO2-Ausstoss jedes Unternehmens senken. Die EnAW ist eine Non-Profit-Organisation von der Wirtschaft für die Wirtschaft.
Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW)
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