Samstag, 25. Mai 2013 18:01 Uhr
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Südkorea, Yeosu: In der aufstrebenden Industriestadt findet die Weltausstellung 2012 statt, bei der viele namhafte Schweizer Unternehmen vertreten sein werden.

Exportmarkt Südkorea

Grosses Potenzial

Der Aussenhandel mit Südkorea ist auf Kurs. Im vergangenen Jahr konnte ein ­starkes Wachstum verzeichnet werden. Der Markt ist auch für Schweizer KMU ­attraktiv. Im Bereich Cleantech sind grosse Investitionen geplant.

 

Text: Raphael Corneo

 

Südkorea hat in den letzten 50 Jahren eine unglaubliche Entwicklung erlebt: Vom isolierten Agrarland auf dem Niveau von armen Staaten in Afrika zu einer der bedeutendsten Volkswirtschaften weltweit. «Der Markt hat sich in einem rasanten Tempo entwickelt, von dem wir hier in Europa nicht einmal zu träumen wagen», sagt Dr. iur. Urs Lustenberger, Präsident der Wirtschaftskammer Schweiz-Asien. Und noch immer verzeichnet das Land hohe Wachstumsraten. 2010 betrug das Wachstum mehr als sechs Prozent und auch für die folgenden Jahre wird ein Plus um die vier Prozent erwartet.

 

Schweiz gut vertreten

Die Gründe dafür sind vielfältig. «Das südkoreanische Erfolgsrezept basiert auf einer hohen industriellen Produktionskapazität mit hochmoderner, innovativer Infrastruktur in diversen Branchen», sagt Daniel Cavegn, stellvertretender Missionschefs der Schweizer Botschaft in Seoul. Auch die Qualität und der Preis der koreanischen Produkte überzeugen die Kunden. «Zudem sind die Koreaner fast unschlagbar punkto Schnelligkeit. Also kein Wunder, dass sie kürzlich zur siebtgrössten Exportnation weltweit aufgestiegen sind», so Cavegn. Auch Schweizer Unternehmen haben Südkorea längst für sich entdeckt. Die Direktinvestitionen aus der Schweiz haben sich im Vergleich zum Vorjahr gar mehr als verdoppelt.

Fast alle grossen Schweizer Konzerne wie beispielsweise ABB, SGS, Novartis, Roche oder Nestlé sind in dem Land präsent – und auch immer mehr KMU aus den verschiedensten Branchen haben den Schritt gewagt. Dazu gehören unter anderem der Schuhhersteller MBT, das Logistikunternehmen Panalpina, das Cleantech-Unternehmen evatec, der Schokoladenfabrikant Teuscher oder das Pharmaunternehmen Geistlich. «Gerade bei den KMU besteht aber noch ein grosses Potenzial, das bei weitem noch nicht ausgeschöpft ist», sagt Cavegn.

 

Maschinen und...

Am stärksten vertreten ist die nicht elektrische Maschinenindustrie. Auf sie entfallen fast 30 Prozent aller Exporte, gefolgt von der pharmazeutischen Industrie, die einen Anteil von rund 22 Prozent hat. Positiv auf den Handel mit Südkorea hat sich dabei auch das Freihandelsabkommen ausgewirkt, das 2006 in Kraft getreten ist. «Dies führte unter anderem zu tieferen Preisen, Abschaffung technischer Handelsbarrieren sowie einheitlicheren Normen und besserem Schutz von geistigem Eigentum», erklärt Cavegn.

Daneben gibt es weitere Punkte, die für Südkorea sprechen: Das Land verfügt über gut ausgebildete Arbeitskräfte, Rechtssicherheit und eine tiefe Korruption. «Zudem ist das Land als Testmarkt für Asien geeignet», sagt Cavegn. Gleichzeitig sei der koreanische Markt selber mit 50 Millionen zahlungskräftigen Konsumenten nicht zu unterschätzen. Ein Wermutstropfen besteht darin, dass sich der Franken in den letzten Jahren auch gegenüber dem südkoreanischen Won aufgewertet hat. Dadurch können auch die Schweizer Produkte an Attraktivität einbüssen. «Die Südkoreaner sind überaus preisbewusst», sagt Lustenberger. In gewissen Branchen seien sie geradezu berüchtigt, immer die tiefsten Preise aushandeln zu wollen. Das müssen die Schweizer mit hoher Qualität wettmachen.

 

Grosse Investitionen geplant

Eine Chance für Schweizer Unternehmen könnte im Cleantech-Bereich liegen. Die Regierung möchte über die nächsten zehn Jahre über 30 Milliarden Dollar in die Förderung erneuerbarer Energien, effiziente Energienutzung und Reduktion von Treibhausgasen investieren. «Südkorea möchte eine Pionierrolle einnehmen und bis 2020 einen globalen Marktanteil von zehn Prozent im Bereich Clean Energy erreichen», sagt Cavegn. Im Fokus steht auch der verstärkte Einsatz von Smart Grids. Südkorea ist das erste Land, das derzeit über die gesetzlichen Rahmenbedingungen zum Aufbau eines landesweiten Smart-Grid-Systems verfügt.

Auch Lustenberger ist überzeugt, dass der Bereich in Zukunft eine herausragende Rolle spielen wird. «Ein brillantes Schweizer Nischenprodukt kann sicher erfolgreich sein», sagt er. Ein hier subventioniertes Unternehmen werde es aber in Südkorea schwer haben. «Es wäre wohl falsch, wenn ein Schweizer Unternehmen, das von einem solchen Förderprojekt Wind bekommt, denkt, dass es sich an diesem Futtertopf laben könnte», so Lustenberger. Denn die Industriepolitik ist in erster Linie darauf ausgerichtet, die lokale Industrie zu fördern.

 

Schweiz markiert Präsenz

Ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit steht auch die diesjährige Weltausstellung, die in der Küstenstadt Yeosu stattfinden wird und Mitte Mai ihre Tore öffnet. Auch die Schweiz wird mit einem Pavillon vertreten sein, der sich ganz dem Thema Wasser widmet. «Der Titel des Pavillons lautet ‹The Source. It‘s in your hands›. Die Nutzung, Reinigung und der Schutz der kostbaren Ressource Wasser liegen in unseren Händen», sagt Nicolas Bideau, Chef von Präsenz Schweiz.

Als Wasserschloss Europas sei sich die Schweiz ihrer Verantwortung, aber auch ihrer Kompetenz bewusst, das Wasser nachhaltig zu nutzen, zu erforschen, zu schützen und allenfalls zu reinigen. Dies möchte die Schweiz in Yeosu zeigen. «Der Pavillon bietet dabei den Besuchern ein interaktives, emotionales Besuchererlebnis», so Bideau. Dabei wird die Ausstellung von verschiedenen Unternehmen unterstützt.

Hauptpartner sind die Jungfraubahnen und der Uhrenfabrikant Hublot SA. In der Kategorie Supplier sind Mammut, DHL, Trunz Water Systems AG, Adnovum, Atelier Pfister und Wogg vertreten. Die Expo ist damit auch ein Schaufenster für Schweizer Firmen. «Mit der Schweizer Präsenz in Südkorea soll eine dynamische, wandelbare und vielseitige Schweiz repräsentiert werden», so Bideau. Die Organisatoren erwarten an der Expo rund acht Millionen Besucher, davon 500 000 aus dem Ausland.

 

Auch Stolpersteine

Südkorea bietet zweifellos viele Chancen für Schweizer Unternehmen. Trotzdem ist ein Einstieg in den Markt nicht ganz einfach. «Ein Unternehmen, das sich in Südkorea behaupten will, muss auf eine starke lokale Konkurrenz gefasst sein», sagt Lustenberger. Gerade in Sachen ­Qualität, Geschwindigkeit und Preis stellen sie oft ­Spitzenklasse dar.

So sind dann auch die Rückmeldungen der Unternehmen bei der Wirtschaftskammer gemischt. «Die Erfahrungen reflektieren das gesamte Spektrum. Im Grossen und Ganzen sind die Rückmeldungen jedoch positiv», sagt Lustenberger. Gerade weil es aber auch grosse kulturelle Unterschiede gibt, muss ein Einstieg gut überlegt sein. «Grundsätzlich ist Korea ein sehr lukrativer Markt, es bedarf aber zuerst - wie überall - einer gründlichen Vorbereitung und Planung», sagt Cavegn.

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VZH