
BUSINESS-SOFTWARE-STUDIE 2011
Die Software im Unternehmen
Die Business-Software-Studie 2011 der Fachhochschule Nordwestschweiz zeigt auf, wie KMU und andere Schweizer Organisationen ihre zentralen Geschäftsprozesse mit Software unterstützen. Auch die Einstellungen zu Cloud Computing und Mobile Computing wurden untersucht.
TEXT UWE LEIMSTOLL UND MICHAEL H. QUADE
Die Unterstützung zentraler Geschäftsprozesse mit geeigneter Software ist heute auch in kleineren Unternehmen von immenser Bedeutung. Die Qualität, die Geschwindigkeit und natürlich auch die Kosten der betrieblichen Abläufe werden entscheidend von der Software beeinflusst. Und damit fallen Entscheidungen nicht leicht: Welche Tätigkeitsbereiche sollen mit spezialisierter Software unterstützt werden? Welches Softwareprodukt passt optimal zu unserem Unternehmen? Welcher Anbieter ist der optimale Partner für uns?
Die Business-Software-Studie 2011 der Fachhochschule Nordwestschweiz kann auf diese Fragen natürlich keine Antwort geben. Aber sie hat sich mit der Softwareausstattung von KMU mit zehn bis 250 Beschäftigten und auch von Kleinstunternehmen mit einem bis unter zehn Beschäftigten auseinandergesetzt. Mit fundierten Zahlen aus einer Befragung von 1.024 Personen in leitender Funktion liefert die Studie eine Übersicht über die am weitesten verbreiteten Softwareprodukte und über die Abdeckung verschiedener Tätigkeitsbereiche. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem speziellen, aber umfassenden Gebiet der Business-Software. Business-Software – auch betriebswirtschaftliche Software genannt – deckt sowohl die klassischen Bereiche wie Finanzbuchhaltung, Lohnbuchhaltung und Auftragsabwicklung ab als auch die neueren Konzepte wie Kundenbeziehungsmanagement (CRM) und Lieferantenbeziehungsmanagement (SRM). Die Studie untersucht ausserdem die künftige Entwicklung der Investitionen im Bereich der Business-Software sowie die Einstellung der Schweizer KMU zum Cloud Computing und den Stand des Mobile Computing.
Umfassende Unterstützung
Die Softwareunterstützung in den klassischen betriebswirtschaftlichen Prozessbereichen erreichte in Schweizer KMU schon vor einigen Jahren ein sehr hohes Niveau. Im Vergleich dazu kann in der aktuellen Business-Software-Studie 2011 kein nennenswerter Anstieg in der Softwareabdeckung mehr erkannt werden. Die sekundären Prozessbereiche Finanzbuchhaltung und Personalwesen/Lohnbuchhaltung werden praktisch in allen KMU mit Software unterstützt. Rund 90 Prozent der KMU tun dies selbst, die übrigen zehn Prozent überlassen es externen Dienstleistern (z.B. einem Treuhänder). Zu den am häufigsten unterstützten Tätigkeiten zählt ausserdem der primäre Prozessbereich Auftrags- und Projektabwicklung. Rund 85 Prozent der KMU unterstützen ihn mit betriebswirtschaftlicher Software oder auch mit Office-Anwendungen. Zu den Prozessbereichen, die nicht so häufig unterstützt werden, zählen einerseits Einkauf, Beschaffung und Lieferantenbeziehungsmanagement und andererseits Marketing und Vertrieb. Nur rund 60 Prozent der KMU sagen aus, diese Bereiche mit Software zu unterstützen.
Deutlich niedriger ist die Softwareabdeckung in den Kleinstunternehmen. Der Abdeckungsgrad mit Software erreicht dort nur 40 bis 80 Prozent. Der Prozessbereich, den Kleinstunternehmen am häufigsten selbst unterstützen, ist die Auftrags- und Projektabwicklung, gefolgt von Finanzbuchhaltung und Personalwesen/Lohnbuchhaltung.
Bei letzteren betreibt und nutzt ausserdem in 20 Prozent der Fälle ein Treuhänder oder ein anderer externer Dienstleister die Software. Zu den am wenigsten unterstützten Tätigkeitsbereichen zählen auch in den Kleinstunternehmen Einkauf, Beschaffung und Lieferantenbeziehungsmanagement sowie Marketing und Vertrieb.
Wenige grosse und viele kleine Anbieter
Auf dem Schweizer Markt sind 300 bis 400 verschiedene Business-Software-Produkte verfügbar. Im Bereich der Finanzbuchhaltung kommt ABACUS in den KMU auf einen Anteil von rund 20 Prozent. Bei den Kleinstunternehmen sind Produkte aus dem Hause Sage mit knapp 20 Prozent führend. Auf den weiteren Plätzen folgen SAP und Microsoft Dynamics. Bei den kleineren Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten kommen neben Sage und ABACUS auch Banana, WinBiz, BusPro und Crésus auf beachtliche Marktanteile. Im Bereich der Auftragsabwicklung dominieren bei den Firmen mit weniger als 50 Beschäftigten Microsoft-Office-Anwendungen und bei den grösseren KMU ab 100 Beschäftigten SAP, ABACUS und Microsoft Dynamics.
Investitionen
Für die Beschaffung betrieblicher Software gaben Schweizer KMU im Geschäftsjahr 2010 im Durchschnitt zwischen 2.342 und 3.152 Franken pro Mitarbeitende/n aus (eingeschlossen sind Ausgaben für Lizenzen, Schulung und Beratung). Diese Werte werden allerdings von einzelnen Unternehmen stark nach oben beeinflusst, die grössere Investitionen tätigten, wie zum Beispiel die Ablösung oder Neubeschaffung von Softwaremodulen oder gar kompletten ERP-Systemen. Der Median, das ist der Wert in der Mitte aller Nennungen, liegt zwischen 1.071 und 1.250 Franken, also deutlich niedriger. Die dicht beieinander liegenden Werte zeigen ausserdem an, dass die durchschnittliche Höhe der Investitionen pro Mitarbeitende/n sich kaum zwischen den kleineren und den grösseren Unternehmen unterscheidet.
Cloud-Computing
Um Cloud-Computing-Dienste nutzen zu können, müssen Unternehmen bereit sein, Rechnersysteme ausserhalb des Unternehmens zu nutzen oder Daten ausserhalb des Unternehmens zu speichern. Ein Blick auf die aktuelle Situation macht deutlich, dass Schweizer KMU noch zurückhaltend gegenüber Cloud Computing sind. Mehr als 80 Prozent der untersuchten Kleinstunternehmen und KMU betreiben ihre Business-Software ausschliesslich auf internen Rechnersystemen. Immerhin wären künftig knapp 40 Prozent der KMU bereit, betriebliche Software zu nutzen, die auf Rechnersystemen im Internet betrieben wird. Für die Zukunft kündigen die Ergebnisse also ein gewisses Potenzial an. Aber mit einem Ansturm auf Cloud Computing kann – zumindest im Bereich von Business-Software – in naher Zukunft nicht gerechnet werden.












