Donnerstag, 16. August 2018 2:17 Uhr
Zur Person: Vincent Eckert ist Geschäftsführer der Klimastiftung Schweiz und gleichzeitig Leiter des internen Umweltmanagements der Swiss Re. Vorher war er beim Mischindustriehändler Eaton und bei der Autozuliefererabteilung von Rieter Automobile für Umwelt und Gesundheit verantwortlich. Eckert hat an der ETH Zürich Umweltphysik studiert.

Vincent Eckert, Geschäftsführer Klimastiftung

Ein Zustupf zur Energieeffizienz

 

Schweizer KMU, die ihre Energieeffizienz erhöhen oder den CO2-Ausstoss senken wollen, können dafür bei der Klimastiftung Fördergelder beantragen. Auch klimarelevante Innovationen werden unterstützt. Fördergelder werden schnell gesprochen, sagt Geschäftsführer Vincent Eckert.

 

Interview Steffen Klatt

 

Der Bundesrat hat den Atomausstieg beschlossen, der Nationalrat hat dem zugestimmt. Ohne Energie­effizienz ist das nicht möglich. Was heisst das für die ­Klimastiftung?

Vincent Eckert: Die Energieeffizienz ist für die Klimastiftung ein wichtiges Thema. Wir unterstützen sie ebenso wie CO2-reduzierende Massnahmen. Die Entscheidung zum Atomausstieg macht unser Wirken noch wichtiger und ­relevanter. Wir unterstützen KMU dabei, die Energie­effizienz zu erhöhen. Das dient dem Klima ebenso wie der Energiediskussion. 

 

Wie tun Sie das?

Wir wissen, dass Potential für die Steigerung der Energieeffizienz und die Senkung des CO2-Verbrauchs vorhanden ist. Die Klimastiftung kann Projekte unterstützen, die dieses Potential nutzen. 
Wir finanzieren etwa den Ersatz von Ölheizungen durch Biomasse oder Effizienzmassnahmen wie Isolation oder den Ersatz von alten Motoren oder Maschinen durch ­effizientere.

 

Kommen die KMU zu Ihnen und reichen einen Antrag ein?

Wir haben ein Antragsprozedere, das einfach und unbürokratisch funktioniert. Es gibt dabei verschiedene Projekt-Typen. Neben Effizienzprojekten- unterstützen wir auch die Entwicklung von Produkten, die klimarelevant sind, so genannte Innovationsprojekte. 

 

Was sind das für Produkte?

Grundsätzlich sind das Produkte, die helfen, den Energieverbrauch zu senken oder den CO2-Ausstoss zu reduzieren. Zum Beispiel die Entwicklung eines Ventils, das Energieverluste bei Lüftungsöffnungen einschränkt. Heute verbraucht jede Belüftungsöffnung, etwa für ein Badezimmer, 50 bis 70 Liter Öl. Das ist unnötig. Wenn man dieses Ventil in der ganzen Schweiz installieren kann, werden eine halbe Million Tonnen CO2 pro Jahr vermieden. Das Ventil wird von OekAG in Luzern entwickelt.

 

Wie hoch ist die Förderung?

In diesem Fall sind es 200 000 Franken. Das ist relativ hoch. Unser Ziel ist es aber, auch ganz kleine Projekte zu fördern. Deshalb haben wir im Bereich Effizienzmassnahmen eine Liste von rund 25 vordefinierten Massnahmen zusammengestellt. Mit ein paar Klicks kann man sich da Beiträge von ein paar hundert Franken bis zu mehreren tausend Franken sichern. Solche Standardanträge können jederzeit eingereicht werden.

 

Welche «kleinen» Massnahmen sind das?

Das kann der Ersatz von Umwälzpumpen, die Isolation von Röhren, der Ersatz von ineffizienten Geräten oder auch der Einsatz von Holzfeuerungen sein. 

 

Wie wird die Förderung bemessen?

Bei den Effizienzmassnahmen richtet sich die Förderung danach, wieviel eingespart wird. Pro vermiedener Tonne CO2 zahlen wir 30 Franken, pro Megawattstunde zahlen wir 10 Franken, und das über die Lebenszeit der Massnahme, maximal über zehn Jahre. 

 

Wie hoch ist das Interesse seitens der KMU?

Die Stiftung hat bereits rund zweieinhalb Million Franken vergeben. Gesamthaft wird sie bis 2014 zehn bis zwölf Millionen Franken ausgeben können. Wir haben das Potential aber bei weitem noch nicht ausgeschöpft.

 

Welche Unternehmen sind genau angesprochen?

Die Klimastiftung fokussiert sich auf KMU in der Schweiz. Denn die KMU stehen für zwei Drittel des industriellen Energieverbrauchs, haben aber oft nicht die Ressourcen, ihre Energieeffizienz zu erhöhen und den CO2-Ausstoss zu senken. Dieses Potential liegt brach. Wir wollten die Mittel, die von grossen Dienstleistungsfirmen gestiftet werden, in den Standort Schweiz investieren .

 

Zu Ihnen kann also das typische KMU kommen, ein kleiner Industriebetrieb oder ein Handwerksbetrieb?

Genau. Wir haben das kleine Restaurant, das seine Geräte verbessert, über die Gärtnerei zu Käsereien – alle verbrauchen Energie. Und wer Energie verbraucht, hat grosse Chancen, auch Energie einsparen zu können.

 

Warum spenden die Partner der Klimastiftung ihre ­Rückzahlung aus der CO2-Abgabe?

Die CO2-Abgabe, die an die Wirtschaft rückvergütet wird, bringt besonders den Dienstleistungsunternehmen ein Plus. Denn sie wird proportional zur Lohnsumme rückvergütet. Dienstleistungsunternehmen haben eine grosse Lohnsumme, verbrauchen aber wenig Energie. Damit stellte sich die Frage, was man mit diesem Geld macht. Einige Firmen wollten damit ausgehend vom Energiemodell Zürich etwas für das Klima in der Schweiz machen. Inzwischen sind es 21 Firmen, die diese Nettorückvergütung einzahlen.

 

Es sind vor allem Finanzdienstleister. Sind auch andere Unternehmen willkommen?

Absolut. Die Klimastiftung Schweiz bietet die Möglichkeit, gemeinsam effizient für den Standort Schweiz zu agieren. Weitere Partnerfirmen sind natürlich willkommen.

 

 

VZH