Montag, 10. Dezember 2018 7:55 Uhr
06.06.2018

„Financial Times“ wirbt für Vollgeld

Kategorie: News

London - Martin Wolf, der Chefkolumnist der „Financial Times”, wirbt in einem Leitartikel für die Annahme der Vollgeldinitiative. Die Finanzwirtschaft brauche Experimente

Die Finanzwirtschaft hätte nach dem Zusammenbruch 2008 ein radikal neues Denken benötigt, sei stattdessen aber nur notdürftig repariert worden, schreibt Martin Wolf in seinem Leitartikel. „Deshalb hoffe ich, dass die Schweizer am 10. Juni dem Vollgeld-Vorschlag zustimmen“, so der Chefkolumnist der „Financial Times“. Heute sei Geld ein Nebenprodukt der Kreditvergabe durch Banken. Geld sei also auf den Risiken der Banken aufgebaut. „Die Bereitschaft der Öffentlichkeit, Bankverbindlichkeiten als sichere Kaufkraft anzusehen, macht eine stabile Finanzierung möglich – bis die Panik beginnt.“ Die heutigen Sicherheitsmechanismen, etwa die staatliche Absicherung von Bankeinlagen, mache Krisen zwar seltener, dafür aber auch gefährlicher. 

Das Finanzsystem könne sicherer gemacht werden, wenn Bankeinlagen zu Staatsgeld würden, so wie es die Vollgeld-Initiative fordere. Das wäre ein „Mini-Erdbeben“, wie dies Thomas Jordan richtig gesagt habe, der Präsident der Schweizerischen Nationalbank. Es stelle sich auch die Frage, zu welchen Zwecken das neue Staatsgeld genutzt würde. „Aber diese Herausforderungen sind nicht annähernd so grundsätzlicher Art wie der Transfer der Verantwortung für eine Kernaufgabe des Staates – die Schaffung von gesundem Geld – zu einer privilegierten Gruppe von profitorientierten Privatunternehmen, die von einer preissetzenden staatlichen Einrichtung, der Zentralbank, koordiniert wird.“

Der Vorteil der Vollgeld-Initiative liege darin, dass sie ein glaubwürdiges Experiment sei, um die nötige Sicherheit des Geldes von den Risiken privater Banken zu trennen. „Mögen die Schweizer es wagen“, so Wolf. stk


VZH