Freitag, 17. August 2018 3:25 Uhr
Bild: iStock/Dmitrii_Guzhanin

Der analoge Chef

 

 

Von Martin Zenhäusern

 

 

Im Gegensatz zur Maschine braucht der Mensch Vertrauen und Empathie, Orientierung und Identifikation. Deshalb ist der Vorgesetzte in der Moderne ein analoger Chef, der die Möglichkeiten der neuen Technologien zum Vorteil der Mitarbeitenden und des Unternehmens nutzt. Und nicht ein digitaler CEO, der sich hinter der Technik verschanzt. Die digitale Transformation – richtig angewendet – bereichert die Möglichkeiten der Führung und Kommunikation.

 

Die Führung ist in den letzten zehn Jahren zweifelslos anspruchsvoller geworden. Wo gestern relativ starre Hierarchien gelebt wurden, ist heute eher Liquid Leadership angesagt. Ein CEO kann seine Mitarbeitenden wie ein Fussballteam führen (kollaborativer Wettbewerb) oder eher wie der Dirigent eines Orchesters (kompetitive Zusammenarbeit). Letztlich ist weniger das Führungsmodell entscheidend als vielmehr der persönliche Stil, der zuerst gefunden und dann entwickelt werden will. 

 

Wenn mir in Seminaren und Workshops die Frage gestellt wird: «Was ist der ideale Führungsstil in der digitalen Welt?», dann lautet meine Antwort: «Es gibt ihn nicht.» Unterschiedliche Situationen und Menschen erfordern unterschiedliches Führungsverhalten. Wir leben in einer Wirtschaft der Diversität. Deshalb sind moderne Führungskräfte gefordert, situativ zu führen, und dies basierend auf einer klaren Wertehaltung. Dabei ist es wichtig, dass wir den jeweiligen Reifegrad der einzelnen Mitarbeiter berücksichtigen und sie dort abholen, wo sie aufgrund ihrer Entwicklung gerade stehen.

 

Hier folgt meistens der Einwurf: «Ich kann doch nicht jeden Einzelnen individuell führen!» Doch, das geht. Denn in der Regel führen wir nur eine gute Handvoll Menschen direkt. Nachdem die wesentlichen Informationen über die geeigneten Kanäle vermittelt worden sind, stellt eine kluge Führungskraft sicher, dass seine Botschaft auch bei jedem einzelnen Direktunterstellten richtig ankommt. Wer sich die Zeit für diese Einzelgespräche nimmt, gewinnt viel Zeit, weil er damit Missverständnisse vermeidet.

 

Egal, welchen Führungsstil wir pflegen oder welche Mischformen wir anwenden – entscheidend für den Erfolg sind folgende Faktoren:

 

  • Erstens: Authentisch sein und bleiben. Dazu gehört, dass wir als Mensch und Führungskraft transparent und berechenbar sind.
  • Zweitens: Wertebasiert führen. Die gemeinsam definierten Werte bilden die Leitplanken für eine erfolgreiche Zusammenarbeit und eine nachhaltige Führung. 
  • Drittens: Alle wesentlichen Informationen rasch, verständlich und stufengerecht vermitteln.

 


Was gute Chefs ausmacht – gerade in der digitalen Welt – und damit 

 

 

  • Viertens: Sie sind präsent. Sie zeigen sich. Sie sprechen die Menschen an. Sie loben (vor allen). Sie kritisieren (unter vier Augen). Sie richten auf. Sie leben vor. Sie haben und nehmen sich Zeit. 

 


Mit Social Media, Twitter und E-Mails kann man vielleicht versuchen, eine Nation zu führen – nicht jedoch ein Unternehmen. Die neuen Technologien unterstützen. Der Mensch entscheidet.

Der Autor

Martin Zenhäusern ist Inhaber der Zenhäusern & Partner AG sowie der Zenhäusern Akademie AG, bei der über 3000 Führungskräfte Seminare, Intensiv-Workshops und Vorträge in Leadership, Kommunikation, Change- und Krisen-Management besucht haben. Seine Erfahrung beruht auf mehr als 30 00 Beratungsgesprächen in Führung und Kommunikation. Zenhäusern ist Autor diverser Publikationen, Verwaltungsrat mehrerer KMU und Vorstandmitglied der Chief Digital Community CDC. In regelmässiger Folge schreiben Mitglieder der 2017 gegründeten Plattform in der Unternehmerzeitung über Themen der digitalen Transformation.

  

Weitere Informationen zur Plattform unter www.chiefdigital.ch

VZH