Sonntag, 21. Oktober 2018 23:18 Uhr
Hauptsitz der Credit Suisse am Zürcher Paradeplatz. Bild: zVg/Credit Suisse

Schweizer Banken zehn Jahre nach der Finanzkrise

EY - Zehn Jahre sind seit der Finanzkrise 2008 vergangen. Die seither eingeführten Regulierungen am Finanzmarkt waren für  Schweizer Banken mit einigen Kosten verbunden. Trotzdem blicken 82 Prozent zuversichtlich in die Zukunft. Dies zeigt die neuste Studie von EY.

 

Viele Banken sind seit der Finanzkrise vom Markt verschwunden, auch weil sie von der Politik gezwungen worden seien, zahlreiche neue und teilweise sehr weitgehende Regulierungen umzusetzen. Hinzu kommen für die Institute neue Herausforderungen wie Negativzinsen, branchenfremde Konkurrenz sowie die zahlreichen fundamentalen Veränderungen aufgrund der Digitalisierung.



Trotz all dieser Schwierigkeiten und Unsicherheiten blicken die Schweizer Banken zuversichtlich in die nähere Zukunft. 82 Prozent (Vorjahr 68 Prozent) der in einer Studie von EY befragten Banken erwarten steigende operative Ergebnisse für das anstehende Jahr – das ist der höchste Wert seit mehreren Jahren. «Viele Banken haben in den letzten anspruchsvollen Jahren eine relativ hohe Widerstandsfähigkeit an den Tag gelegt und daraus ein neues Selbstbewusstsein entwickelt», sagte Patrick Schwaller, Managing Partner, Audit Financial Services, bei EY in der Schweiz, an der heutigen (11. Januar 2018) Medienkonferenz.

 


Finanzmarkt heute stabiler 
Im Nachgang zur Finanzkrise haben die Regulatoren weltweit strenge Auflagen durchgesetzt, insbesondere hinsichtlich Kapital, Liquidität, Derivatehandel sowie Anlegerschutz und Steuertransparenz. Heute sind die Finanzinstitute klar der Meinung, dass die verschärfte regulatorische Agenda ihre gewünschte Wirkung entfaltet hat: 87 Prozent der Banken sind der Überzeugung, dass der Finanzmarkt heute stabiler ist als vor der Finanzkrise.


Die letzten Jahre waren die Banken stark mit der Umsetzung der neuen Regulierungsvorschriften beschäftigt. Entsprechend war der Fokus stark auf die dadurch entstehenden Kosten und die rückläufigen Margenentwicklungen gerichtet.


Wohl darum sollen 43 Prozent (Vorjahr 27 Prozent) der befragten Institute den strategischen Fokus wieder vermehrt auf Innovation und Wachstum legen. Der Wandel der Digitalisierung mache diese Entscheidung umso wichtiger. Neben Investitionen in neue Vertriebskanäle sowie neue Technologien stehen dabei vermehrt auch Partnerschaften mit Nicht-Banken, beispielsweise Fintech-Unternehmen, im Vordergrund.

 


Banken leiden unter Negativzinsen
Die Banken beurteilen die Negativzinsen weiterhin als problematisch – 86 Prozent (Vorjahr ebenfalls 86 Prozent) der befragten Banken erkennen negative Folgen aus der Tiefzinspolitik der SNB für ihr Institut. Als weitaus häufigste Folge wird in diesem Zusammenhang die Margenverengung im klassischen Bankgeschäft (59 Prozent) genannt. Der sich verstärkende Margendruck führt mitunter dazu, dass zwischenzeitlich die Mehrheit der Banken (57 Prozent) eine Weitergabe von Negativzinsen an Privatkunden nicht mehr kategorisch ausschliesst.

 


KMU-Kredite sind weiterhin attraktiv  
Das Kreditgeschäft bleibt für die Schweizer Banken – trotz des Negativzinsumfelds – attraktiv und wird im Vergleich zu den Vorjahren sogar noch etwas attraktiver eingeschätzt. Nur noch 25 Prozent der befragten Institute gaben an, für das laufende Jahr eine restriktivere Kreditpolitik zu verfolgen. «Die Banken sind deutlich optimistischer als noch in den Vorjahren. Dies gilt insbesondere für KMU-Kreditfinanzierungen. Die schweizerischen KMU haben die Herausforderungen des Frankenschocks gut gemeistert und sind in guter Verfassung», stellt Schwaller fest.

 


Cybersecurity ist das Thema der Stunde 

Die im Eiltempo voranschreitende Digitalisierung führt zu einer höheren Verwundbarkeit der Banken bei der IT-Sicherheit. Zahlreiche Cyberangriffe auf private Mailkonten von Politikern, Geheimdiensten, Unternehmen, Zentralbanken und das Zahlungsnetzwerk SWIFT haben die immensen Gefahren rund um die Datensicherheit deutlich gemacht. Vor diesem Hintergrund ist es nur wenig verwunderlich, dass die Banken das Thema «Cybersecurity» als das wichtigste Fokusthema für das laufende Jahr genannt haben.

 

 

 

Die vollständige Studie unter https://www.eycom.ch/de/Publications/

Zur Studie

 

Das EY Bankenbarometer basiert auf der Befragung von 100 Führungskräften (Mitglieder der Geschäftsleitung) von verschiedenen Banken in der ganzen Schweiz. Auch die Schweizer Einheiten der zwei Grossbanken wurden befragt; ihre Einschätzungen sind in die generellen Auswertungen eingeflossen, wurden aber in den Auswertungen nach Bankentyp nicht berücksichtigt. Bei 33 Prozent der befragten Institute handelt es sich um Auslandsbanken, bei 31 Prozent um Privatbanken, bei 22 Prozent um Regionalbanken und bei 14 Prozent um Kantonalbanken. 70 Prozent der Institute stammen aus der Deutschschweiz, 23 Prozent aus der Westschweiz und 7 Prozent aus dem Tessin. Die Befragung wurde im November 2017 durchgeführt. Die Erhebung und Auswertung der Daten erfolgte durch EY in der Schweiz.

VZH