Montag, 22. Januar 2018 3:39 Uhr

Auf dem Weg zum Trip-Advisor für Berater

Cardea  Fehlt das Know-how intern, wählen Unternehmen gerne externe Berater, um das Problem zu lösen. Was eine neue Herausforderung bringt: Welcher Berater ist der richtige für mich? Eva Manger-Wiemann hat sich auf die Beratung über die Beratung spezialisiert. Sie sagt, wie es geht. 

 

 Interview Matej Mikusik

 

 

Eva Manger-Wiemann, braucht es überhaupt noch Berater in der heutigen Zeit?  

Stellen Sie sich vor, Sie besitzen oder führen eine mittelgrosse Firma. Was haben Sie in den letzten zehn Jahren getan? Wahrscheinlich die Kosten optimiert, vor allem wenn Sie im Export tätig waren. Sie haben vielleicht reorganisiert, und möglicherweise etwas digitalisiert. Jedes Projekt stand ziemlich sicher für sich selbst. Doch in Zukunft werden Sie alle drei Dinge parallel und erst noch vernetzt tun. Und das schaffen die Unternehmen nicht mit dem im Betrieb vorhandenen Know-how alleine.

 

follow site Können mir denn die klassischen Berater helfen? Die sind ja in der Regel auch so ­organisiert: jeder schön in seinem Silo.

Tatsächlich drängen neue Anbieter von solchen Dienstleistungen auf den Markt, auch aus fremden Branchen, oft technologie­basiert. Das bringt die ganze Branche unter Druck. Kleine und mittlere Berater fusionieren, die Grossen reorganisieren sich selbst und kaufen spezialisierte Kleine auf. Die grossen Revisionsgesellschaften möchten nun auch noch beraten usw. Das macht den Markt nochmals unübersicht­licher.

 

go Haben sich die Gründe, einen externen ­Berater zu suchen, verändert?

Nun, die Herausforderungen werden immer grösser, die Veränderungen passieren immer schneller. Wie schaffe ich den Schritt in Richtung Industrie 4.0? Also den Wandel Richtung Vernetzung und Big Data? Wie muss ich meine Organisation anpassen? Wie gehe ich mit neuen Konkurrenten aus dem digitalen Raum um? Das sind alles Fragen, die Unternehmen heute herausfordern.

 

watch Wie finde ich denn den Berater, der mir wirklich helfen kann?

Zuerst einmal müssen Sie selber wissen, was Ihre Herausforderung ist und schon mal über die Richtung nachgedacht haben, in die Sie gehen möchten. Sie können kein gescheites Briefing machen, wenn Sie keine Ahnung haben, wohin Sie in Zukunft wollen. Das heisst aber auch, dass Sie möglicherweise an verschiedenen Orten Hilfe holen müssen. Zuerst vielleicht eher einen Sparringpartner, der mit Ihnen zusammen die Optionen auslotet. Und dann einen anderen Berater, der mit Ihnen die Umsetzung plant.

 

Ist das allen Auftraggebern klar?

Na ja, mittelständische Unternehmer erwarten – das zeigen unsere Umfragen – von den Beratern, dass sie Problemlösungen  erkennen, ihre Erfahrung einbringen und dann Schritt für Schritt zur Umsetzung kommen. Aber manchmal fehlt – wie gesagt – der erste Denkschritt, nämlich die Analyse, wo man steht und wohin man gehen könnte. Deshalb steht auch Analyse ganz oben auf der Wunschliste. Dazu kommen Fragen nach der IT, klar, denn durch die Digitalisierung braucht es immer grösseres Know-how in diesem Bereich.

 

go here Wie wähle ich denn in der jeweiligen Phase den richtigen Berater?

Wenn es nur um Prozessoptimierungen geht, finden die Unternehmen eigentlich ohne grosse Probleme einen Berater. Da geht es meist nur noch um Preis und Leistung und wer davon das beste Verhältnis hat. Anders sieht es bei den neuen, sehr komplexen Transformationsprojekten – wie gesagt ist die Digitalisierung ein grosses Thema – aus oder bei Themen, bei denen man eben nicht auf frühere Erfahrung zurückgreifen kann. Da geht es nicht mehr nur um Fachwissen, da kommen von Umsetzungsmethoden über Umsetzungs-erfahrungen bis zur kulturellen Transformation neue Aspekte dazu.

 

Wie meinen Sie das?

Was viele unterschätzen, ist der menschliche Bezug: Was nützt Ihnen der beste Berater, wenn er zu den am Projekt beteiligten Mitarbeitern des Unternehmens keinen Draht findet? Oder der Beratungsansatz Nullachtfünfzehn ist und nicht individuell auf das Unternehmen, seine Kunden und die Branche zugeschnitten ist? Da kann schon vor dem eigentlichen Start vieles schief gehen. Kommt dazu, dass bei den neuen Themen vielfach auch neue, andere, mutige Wege beschritten werden müssen. Da müssen Sie als Berater die Betroffenen nicht nur fachlich, sondern auch menschlich überzeugen, damit Sie Ihnen auch wirklich folgen!

 

Heute finde ich doch im Netz viele Informationen selber!

Es gibt leider noch keinen Tripadvisor für Transformationsreisen (lacht). Aber wir sind auf dem Weg: Firmen wie Cardea beraten schon länger potenzielle Kunden von Beratungsfirmen. Es gibt auch die Plattform consultingsearcher.com. Beide können helfen, den richtigen Berater für die jeweilige Aufgabe zu finden, gerade auch, wenn die Aufgabe neuartig und noch wenig Erfahrung abrufbar ist. Es geht dabei nicht nur um die harten Faktoren Erfahrung, Fachwissen und Arbeitskraft, sondern insbesondere auch um weiche Faktoren: Wird eingehalten, was versprochen wird? Wie flexibel und einfühlsam sind die Berater? Oder verkaufen sie nur ihre Standardlösungen? Das heisst, als Unternehmer oder Manager brauche ich Hilfe, um zu wissen, ob das Beratungsunternehmen auch wirklich über die benötigten Kompetenzen und Erfahrungen verfügt.

 

Und für die Beratungsfirmen selbst? Wie müssen sie vorgehen?

Diese müssen sich wie ein Hotelier oder Restaurateur darauf einstellen, dass sie in Zukunft von ihren Kunden öffentlich bewertet werden. Das heisst, man kann nicht nur von der Marke und dem Image leben, sondern muss die Leistung wirklich erbringen. Und zwar individuell für jeden Kunden, zugeschnitten auf seine Problemstellung. Die Beratungsunternehmen müssen also genauso einen Entwicklungsprozess machen, wie sie es ihren Kunden empfehlen. Oder anders gesagt: Die Berater müssen sich zuerst einmal selbst beraten.

 

 

here Zur Person

Eva Manger-Wiemann ist Managing Partnerin bei Cardea. Als Expertin in der Vermittlung von Beratern beschäftigt sich die Cardea AG seit der Gründung 1999 damit, Transparenz in den Beratungsmarkt zu bringen und Kunden in ihrer Entscheidungsfindung bei der Beraterwahl sachlich zu unterstützen. In vielen Führungsetagen mittelständischer und grosser nationaler und internationaler Unternehmen wie auch in der Presse ist Cardea AG seit vielen Jahren ein anerkannter Experte und Gesprächspartner in Fragen rund um den Beratungsmarkt und den Einsatz externer Berater. Seit vier Jahren betreibt Cardea auch erfolgreich die Berater-Plattform consultingsearcher.com, die eine Unterstützung für Kunden in der Screening-Phase anbietet.

 

www.cardea.ch

www.consultingsearcher.com

VZH