Donnerstag, 19. Juli 2018 21:09 Uhr
Führungspersonen inspirieren und geben Orientierung – ob auf dem Fussballplatz oder im Büro. iStock/Sergey Khakimullin

Das Team als Vorbild führen

Führung – Führungskräfte können einiges von Fussballtrainern lernen. Ob auf dem Rasen oder im Büro – im Umgang mit der Generation Y gilt es, als Vorbild zu führen.

 

 

 

 

Von Ernst Holzmann

 

 

 

Die Generation Y erwartet loyale, offene, kommunikative und glaubwürdige Vorgesetzte, die auch den nötigen Rückhalt bieten. Dies zeigt die Studie «Was wird aus den Digital Natives?», welche die Hamburg Media School durchgeführt hat. Fussballmannschaften setzen sich heute vor allem aus Mitgliedern der Generation Y zusammen und sind somit ein modellhaftes Abbild dieser Generation. Die Weltmeisterschaft in Brasilien hat gezeigt, wie wichtig es für die erfolgreiche Führung dieser Generation ist, ein Vorbild zu sein – allen voran die deutsche Mannschaft mit Bundestrainer Jogi Löw.

 

 

Um die Generation Y als Vorbild zu führen, sollten Führungskräfte folgende Leitsätze verinnerlichen:

 

  • V  
Verantwortung übertragen
  • O  
Orientierung geben
  • R  
Respekt zeigen
  • B  
berechenbar sein
  • I  
Inspirieren
  • L  
Leidenschaft im Tun
  • D  
Demut zeigen

 

 

 

 

V wie Verantwortung übertragen

 

«Zeige der Welt, dass du besser bist als Messi!» So motivierte der deutsche Bundestrainer Jogi Löw seinen Spieler Mario Götze vor dessen Einwechslung im Final gegen Argentinien. Ob auf dem Rasen oder im Büro – gerade junge Teammitglieder wachsen an anspruchsvollen Aufgaben und brauchen das Vertrauen ihres Vorgesetzten getreu dem Prinzip «Fördern durch Fordern». Es wäre kontraproduktiv, wenn man Leistungsträger ständig kontrollieren und ihnen im Detail vorgeben würde, wie sie ihre Arbeit zu erledigen haben.

 


O wie Orientierung geben

 

«Wir wollen Weltmeister werden!» Nicht nur im Mannschaftssport, sondern gerade im Unternehmen wollen die Menschen das grosse Ganze sehen. Sie möchten verstehen, wohin die Reise geht und welche Rolle sie dabei spielen. Deshalb gilt es, ehrgeizige und motivierende Ziele zu setzen, eine wirkungsvolle Strategie zu entwickeln und dann die entsprechende Taktik bzw. die zielführenden Massnahmen festzulegen. Eine klare Festlegung der Positionen, Aufgaben und Schnittstellen in der Zusammenarbeit schafft Sicherheit und verhindert Reibungsverluste. Und auch wenn man nicht überall Weltmeister werden kann, schärfen ehrgeizige Ziele den Fokus und verhindern Nachlässigkeiten.

 


R wie Respekt zeigen

 

Für eine erfolgreiche Mannschaftsführung ist es entscheidend, alle Beteiligten für die gemeinsamen Ziele zu gewinnen. Jeder ist gleich wichtig und es darf keine Lieblingspieler geben. Für diese Haltung gibt es kein besseres Vorbild als den erfolgreichen Trainer Jupp Heynckes. Hermann Gerland, der viele Jahre Heynckes Co-Trainer war, beschrieb dessen Arbeitsstil einmal wie folgt: «Jupp hat eine unvorstellbar wichtige Fähigkeit: Er vermittelt jedem Mitarbeiter, dass er wichtig ist. Den Spielern und allen drum herum. Ob für den Platzwart, den Zeugwart oder die Angestellten auf der Geschäftsstelle, er hat für sie immer ein nettes Wort». Respektvoller Umgang bedeutet jedoch nicht, das Team in Watte zu packen. Bei Fehlverhalten oder mangelnder Leistung bedarf es klarer Worte.

 


B wie berechenbar sein

 

Ottmar Hitzfeld blickte mit folgenden Worten auf seine Karriere zurück: «Man musste sich auf mich und mein Wort verlassen können.» Nichts ist schlimmer und verunsichert die Beteiligten mehr, als wenn ein Vorgesetzter bei Aufgabenzuordnungen einen nicht nachvollziehbaren Zick-Zack-Kurs fährt und willkürliche oder nicht nachvollziehbare Entscheidungen trifft. Diese Handlungsweise lähmt die Organisation verhindert selbstständiges Denken und die Übernahme von Verantwortung. Die Teammitglieder müssen sich auf Absprachen verlassen können. Nur so können Höchstleistungen im Team erbracht werden.

 


I wie Inspirieren

 

«Ihr müsst heute so viel geben wie noch nie, dann werdet ihr das bekommen, was ihr noch nie hattet!» So schwor Jogi Löw sein Team vor dem Endspiel gegen Argentinien ein. Wie Fussballer arbeiten auch Nachwuchskräfte für Geld, aber nicht ausschliesslich. Die Sehnsucht nach etwas Aussergewöhnlichem, Teil eines grossen Ganzen zu sein und Beachtung zu finden, treibt Menschen oft mehr an, als das Monatsgehalt. Für die Verantwortlichen in Unternehmen bedeutet dies, die anvisierten Ziele greifbar zu machen und Anreize zu schaffen, um dadurch die Motivation und das Verantwortungsgefühl aller Beteiligten zu stärken.

 

 

L wie Leidenschaft im Tun

 

Die Leidenschaft im Tun ist neben dem Respekt die wohl wichtigste Eigenschaft eines echten Vorbilds. Das bedeutet, morgens der Erste und abends der Letzte zu sein, nicht vor dem Schlusspfiff aufzugeben, sich für seine Mannschaft, für die besten Arbeitsbedingungen, benötigte Ressourcen und zugesagten Budgets einzusetzen. Es gilt für das «Zuspiel» anderer Abteilungen – etwa die pünktliche Bereitstellung von Produkten oder Informationen – zu sorgen und das Team bei Rückschlägen nicht im Regen stehen zu lassen, sondern es neu zu motivieren.

 

 

D wie Demut zeigen

 

«Wir müssen jetzt Demut haben und uns mit aller Ruhe auf das Finale vorbereiten.» Dies war die Analyse des Kapitäns der deutschen Mannschaft, Philipp Lahm, nach dem triumphalen 7:1-Sieg im Halbfinal gegen Brasilien. So wünscht man sich geerdete Führungskräfte, die keine Selbstdarsteller sind, sich bei Erfolgen nicht in den Vordergrund drängen und bei Misserfolgen die Schuld nicht beim Team suchen. Jogi Löw, Jupp Heynckes oder Ottmar Hitzfeld werden als echte Führungspersönlichkeiten akzeptiert, weil ihre Autorität auf fachlicher Kompetenz und speziellen menschlichen Eigenschaften basiert und weniger auf ihrer Position und der damit verbundenen Macht.

 

Für den Weg zum Erfolg gibt es wahrscheinlich keine bessere Beschreibung als jene von einem einzigartigen Vorbild auf dem Fussballplatz – Pele: «Erfolg ist kein Zufall. Er kommt zu uns durch harte Arbeit, Ausdauer, Lernen, Aufopferung und vor allem Liebe zu dem, was wir tun oder lernen.» Und das gilt bestimmt nicht nur für die Generation Y.

 

 

 

Der Autor

Ernst Holzmann trug knapp 30 Jahre Verantwortung in Unternehmen der IT-Industrie und hat als Trainer und Vorstand bei verschiedenen Sportvereinen gewirkt. Aktuell gibt er seine Erfahrungen als Dozent an Hochschulen, als Referent bei Seminaren und als Redner bei Veranstaltungen weiter. 

 

 

www.ernstholzmann.com

VZH