Sonntag, 23. September 2018 17:51 Uhr
Anna Katharina Laederach ist Managing Partner und Mitglied des Verwaltungsrats der Leaders Solutions AG.

«Es geht um Befriedigung, Anerkennung und Respekt»

Executive Search – Anna Katharina Laederach ist Partnerin und Gründerin von Leaders Solutions AG. Das Beratungsunternehmen bietet verschiedene Dienstleistungen aus dem Bereich Executive Search an. Wir haben Frau Laederach gefragt: Was zeichnet eine gute Führungskraft aus?

 

 

 


Interview Roman Brauchli

 

 

Frau Laederach, 2005 haben Sie Leaders Solutions AG gegründet. Was braucht es, um in Ihrer Branche als Unternehmerin erfolgreich zu sein?

Das ist in allen Branchen gleich: Man muss zu hohem Engagement und grosser Flexibilität bereit sein. Idealerweise sollte man eine Kultur prägen wollen und willens sein, die Extrameile zu gehen. Ein Unternehmer ist zudem auf motivierte Mitarbeitende angewiesen und nimmt an deren Leben teil. Hin und wieder muss man sich disziplinieren und es gilt, mit Misserfolgen umgehen zu können. Unternehmertum zeichnet sich dadurch aus, dass man auch in schlechten Zeiten kreativ bleibt und sich über die Erfolge freut.


Leaders Solutions unterstützt Unternehmen bei der Rekrutierung von Spitzenleuten. Was zeichnet eine gute Führungskraft aus?
Sie muss eine gestandene Persönlichkeit sein. Das ist jedoch ein flexibler Begriff. In einem Start-up braucht es andere Qualitäten als in einem Grossunternehmen. Eine Führungskraft sollte auf jeden Fall eine gute Ausbildung mitbringen und über hohe Sozialkompetenz verfügen. Sie muss sehr gut zuhören und kommunizieren können. Und konsequent sein.


Was ist eine gestandene Persönlichkeit?
Gestandene Persönlichkeiten haben Lebens- und Berufserfahrung und mussten im privaten wie im geschäftlichen Umfeld verschiedene Höhen und Tiefen meistern. Gestanden heisst für uns innerhalb der Executive Search auch internationale Erfahrung in verschiedenen Kulturen gewonnen zu haben. Der Vorteil ist dabei, dass durch den Einblick in andere Führungswelten Erfahrungswerte gesammelt und Vergleiche angestellt werden konnten. Daraus resultieren wichtige Hinweise und Folgerungen für den eigenen Führungsstil, die deutlich aufzeigen, welche Konsequenzen die eine oder andere Art der Führung auf die Zufriedenheit der Mitarbeitenden oder auch des weiteren Managements haben kann. Dies ist sehr wichtig, da Zufriedenheit ein wesentlicher Aspekt des unternehmerischen Erfolgs ist.


Worin bestehen die Herausforderungen bei der Suche nach Spitzenleuten?
Es braucht in erster Linie ein grosses Netzwerk. Und zwar ein persönliches wie auch berufliches. In unserem Geschäft ergeben sich unweigerlich Überschneidungen dieser Verknüpfungen. Das ist nachvollziehbar. Eine weitere Herausforderung ist die neue, dynamisch digitale Welt. Dann gilt es festzuhalten, dass sich der Executive Search Markt verändert hat. Die Schweiz ist nicht mehr die Schweiz von einst. Die Suche endet nicht an der Schweizer Grenze. Es ist ein globaler Markt geworden. Schweizer Firmen sind in Asien, Südamerika, auf allen Kontinenten. Interessanterweise aber suchen Schweizer Unternehmen dennoch Führungskräfte für ihre ausländischen Niederlassungen in der Schweiz. Zusammengefasst heisst das: Wir müssen flexibler, dynamischer und globaler agieren als früher – und zwar on- und offline. Doch im Grunde beginnt die Herausforderung bei der Analyse. Und zwar nicht im technischen Teil, sondern dann, wenn es gilt, das Unternehmen kennenzulernen, zu verstehen und zu erleben.


Wie wichtig ist Ihr internationales Partnernetzwerk?
Es ist unerlässlich, ein Partnernetzwerk zu haben. Wir arbeiten in der Schweiz und aus der Schweiz heraus. Wir suchen für Schweizer Unternehmen wie auch für ausländische in der Schweiz. Viele Firmen wollen Swissness oder suchen die Tugenden, die unser Land stark gemacht haben. Eine spannende Bewegung ist auszumachen: So sind zurzeit im hiesigen Markt sogenannte Heimkehrer, also Personen, die im Ausland Erfahrungen gesammelt haben und nun zurückkommen, sehr gesucht.


Wie verändert sich Ihr Geschäft durch die Digitalisierung?
Es hat sich bereits stark verändert. Vor zehn Jahren haben wir lediglich im weltweiten Netz gesucht. Heute nutzen wir alle Social-Media-Kanäle und Plattformen. Wenn wir ein Mandat starten, beginnt der Research parallel, also auf allen Kanälen gleichzeitig. Dabei suchen wir auf nationalen und internationalen Feldern. Doch trotz oder auch mit Hilfe der Digitalisierung: Der Umgang mit den Menschen ist immer noch der gleiche und der persönliche Kontakt wird immer wichtiger.


Über die sozialen Netzwerke könnten Personen mehr und mehr über diejenigen der Mitarbeitenden gesucht und rekrutiert werden. Können Sie einen solchen Trend feststellen?
Für den Start ins Berufsleben mag dies sicher zutreffen. Junge Leute sind ja viel auf diesen Netzwerken unterwegs. Doch man muss davon ausgehen, dass der Streuverlust auf diesen Plattformen und Kanälen sehr hoch ist. Viele junge Leute suchen aber tatsächlich selber. Doch dies ist ja nicht unser Geschäft. Als Executive Search Unternehmen arbeiten wir ausschliesslich im Auftrag unserer Kunden.


Wer sucht im Moment wen?
Wie erwähnt sind von Unternehmensseite sogenannte Heimkehrer sehr gesucht. Auf der Kandidatenseite stellen wir einen Anstieg bei den 40- bis 50-Jährigen fest. Diese kommen häufiger mit Anfragen auf uns zu, teilweise sogar persönlich, um bei uns ihr Dossier abzugeben.


Warum?
Der Arbeitsmarkt ist umkämpft. Speziell für die Altersgruppe der 50-Jährigen ist es trotz Führungserfahrung nicht einfach, Fuss in einem neuen Unternehmen zu fassen. Es gilt, auf anderen, auch kreativen Wegen auf sich aufmerksam zu machen. Mit dem persönlichen Kontakt kann eine erste Brücke geschlagen werden. Das war früher Gang und Gäbe und erlebt jetzt eine Renaissance.


Die Nachfrage nach Executive-Search-Dienstleistungen nimmt zu. Warum?
Zum einen ist Executive Search sehr aufwendig und bedingt ein dicht gewebtes Netzwerk. Viele HR-Spezialisten haben aber nicht die Zeit für diese zeitraubende Arbeit, denn ihre Aufgabe besteht primär darin, sich um die unternehmenseigene Belegschaft zu kümmern und sie weiterzuentwickeln.


Sie bieten auch Coachings für Führungskräfte an. In welchen Situationen fragen CEOs danach?
In erster Linie wenn ein CEO ein dringendes Problem in seinem Unternehmen aufarbeiten will, für deren Ursache oder Lösung er als Person verantwortlich sein kann. Andere tendieren auf eine berufliche oder persönliche Veränderung und suchen professionelle Beratung. Wieder andere benötigen Support im Rahmen einer externen Analyse, da sie ihren Führungsstil hinterfragen oder für sich eine berufliche Perspektive erarbeiten wollen.


Sind die Anforderungen an Führungskräfte gestiegen?
Vielleicht nicht die Anforderungen, aber die Herausforderungen. Anforderungen betreffen jene Bedingungen, die erfüllt sein müssen, um eine Unternehmung führen zu können. Herausforderungen betreffen beispielsweise den Umgang mit der nächsten Generation, den neuen Lehrlingen, neuen Geschäftsmodellen und der digitalen Welt im Allgemeinen. Da verändert sich sehr viel.


Sind die Herausforderungen gestiegen?
Ja, und zwar auf der persönlichen Ebene. Die Mitarbeitenden werden anspruchsvoller. Sie kommen nicht mehr einfach zur Arbeit, damit sie am Ende des Monats einen Lohn erhalten.


Um welche Ansprüche geht es?
Es geht um Befriedigung, Anerkennung und Respekt. Heutige Mitarbeitende wollen in einem Team arbeiten, in dem man Lösungen finden kann, Krisen zu überstehen versucht und Konflikte sachlich austrägt. Mitarbeitende verdienen es, als Partner geschätzt zu werden.


Welche Führungsprinzipien setzen Sie in Ihrem Unternehmen um?
Ich gebe mir Mühe, Ziele vorzugeben, die man auch erreichen kann. Ich lobe nicht für jede positive Leistung, aber ich lobe, und das wird geschätzt. Ich nehme am Leben der Mitarbeitenden teil – als kleines Beispiel vergesse ich keine ihrer Geburtstage. Ich möchte die Wünsche meiner Mitarbeitenden nach Möglichkeit erfüllen und sie zu Beteiligten machen. Bei uns gibt es jeden Morgen einen gemeinsamen Znüni. Es ist mir wichtig, sich einmal am Tag zu einer offiziellen Zusammenkunft zu treffen.


Welche Führungsqualitäten vermissen Sie häufig?
Konsequenz. Ganz einfach Konsequenz. Konsequent sein heisst, in Aussicht gestellte Handlungen umzusetzen – aber das verlangt Führungsstärke.

 

 

 

Zur Person

Anna Katharina Laederach ist Managing Partner und Mitglied des Verwaltungsrats der Leaders Solutions AG. Sie bietet ihren Kunden in erster Linie Dienstleistungen in den Bereichen Executive Search, Coaching und Change-Management. Vor der Gründung der Leaders Solutions AG 2005 war sie unter anderem HR-Leiterin der Ammann Group, bei Burckhardt Compression sowie bei HR Stadt Zürich.

 

 

VZH