Donnerstag, 17. Januar 2019 19:55 Uhr
Schonungslos heisst nicht brutal – aber mit klarer Ansage. Bild: iStock / Ridofranz

Generation Y – dank schonungs
loser Führung zum Erfolg

Leadership – Kein Tag vergeht, ohne dass ich Führungskräfte über die Genera­tion Y jammern höre. Die Millennials seien unmotiviert, faul und fordernd. Bei ­genauerem Hinschauen ergibt sich meist ein anderes Bild: Die Führungskräfte ­haben ihre Generation Y-Mitarbeitenden schlichtweg nicht im Griff.

 

 

Von Pascal Scherrer

 


Wo liegt die Ursache für das Führungsversagen? Zu oft führen Vorgesetzte eindimensional. Entweder leben sie die «harte Schule». Oder aber sie führen wie Therapeuten und sind nicht in der Lage, ihren Mitarbeitenden Grenzen zu setzen. Wie muss die wirksame und zielführende Führung von Millennials beschaffen sein?

 


Reflektieren Sie sich und Ihr Selbstbild

Führen heisst dienen. In meinem Selbstbild als Millennial-Führungskraft bin ich Dienstleister. Meine Aufgabe ist es, eine Plattform aufzubauen, auf welcher meine Y-er möglichst zielgerichtet gute Leistung erbringen. Es reicht nicht, dass ich nur nach unten gebe, was von oben kommt, und nach oben gebe, was von unten kommt. Als Führungskraft muss ich Transaktionskosten senken und durch Einordnungs-, Verortungs- und Übersetzungsleistung einen Mehrwert erbringen. In jedem meiner Arbeitsbereiche gibt es Kollegen, die vom jeweiligen Geschäft mehr verstehen als ich. Was ich hingegen besser als jeder andere schaffe, ist es, die Leistungen aller zu einer Gesamtleistung zu integrieren.


Führen Sie schonungslos
Achtung: Schonungslos heisst nicht brutal. Schonungslos heisst, dass Sie Ihren Millennials so begegnen, wie sie es als erwachsene Menschen einfordern. Denn die Generation Y will am Arbeitsplatz vor allem eines: ernst genommen werden. Das ist das genaue Gegenteil von schonen. Wenn ich jemanden permanent schone, traue ich ihm nicht die volle Leistung zu. Nicht schonen heisst, die Millennials in die Pflicht und in die Verantwortung zu nehmen. Und den Mitarbeitenden Tag für Tag erklären, dass es Würde ohne Bürde nicht gibt.


Stiften Sie Sinn
Die Generation Y will einen Unterschied machen. Deshalb gilt für jede Führungskraft: Wer Leistung will, muss Sinn stiften. Denn wenn Millennials Sinn erkennen, sind sie die motiviertesten und leistungsstärksten Mitarbeitenden. Beispiel: Früher konnte man einer Assistentin ohne Erklärung sagen, dass sie das Telefon nach dreimaligem Läuten abnehmen soll. Die Generation Y-Telefonistin jedoch stellt die Rückfrage: Weshalb? Nun haben Sie zwei Möglichkeiten. Entweder Sie ordnen an. Oder aber Sie ordnen ein: Sie erklären der Kollegin, dass ihre Arbeit wichtige Kundenpflege sei. Die Telefonistin wird Ihnen Ihr kleines Investment doppelt zurückzahlen.


Lernen Sie, besser zu argumentieren
Die Millennials sind starke Verhandler, Argumentierer, Debattierer. Die Generation Y ist aufgewachsen im Bewusstsein, dass alles verhandelbar ist: zu Hause mit den Eltern, in der Schule mit den Lehrern, im Sportclub mit den Trainern. Der Anspruch auf Nachvollziehbarkeit ist stark ausgeprägt. Sie als Führungs­kraft sollten Anwei-
sungen nicht nur aussprechen, sondern knapp und klar begründen. Jedoch: Wenn es um die Beurteilung von Leistung geht, müssen Sie messerscharfe Kriterien und Währungen definieren, dies umso mehr, wenn damit finanzielle Aspekte verbunden sind.

Der Autor

 

Pascal Scherrer verantwortet seit 2011 SRF 3, den grössten Info- und Pop-Radiosender der Schweiz. Dreiviertel seiner rund 50 Mitarbeitenden gehören der Generation Y an. Er verfügt über einen Executive MBA-Abschluss der Universität St. Gallen und engagiert sich im Coachingprogramm der HSG. Scherrer hilft Unternehmen in Workshops ihre Führungsleistung bei der Generation Y zu steigern.

 

 

Vom 5. bis 6. Juli 2018 am Zentrum für Unternehmensführung ZfU: www.zfu.ch

 

 

VZH