Montag, 22. Oktober 2018 21:13 Uhr
Philippe und Thierry Stern. Bild: Patek Philippe

Uhren für Feingeister 
der Haute Horologie 

Patek Philippe – Philip
pe Stern übernahm das Familien-unternehmen einst von seinem Vater. 2009 gab er die Geschäftsleitung an seinen Sohn Thierry weiter. Was für das Unternehmen gilt, hat auch für die Uhren von Patek Philippe Gültigkeit: Es geht stets um die nächste Generation.

 

 

 

 

Von Tanja Schliebe 

 

 

 

Es war ein ganz besonderes Duell. Jahrelang wetteiferten der Bankier Henry Graves jr. Und der Automobilkonstrukteur James Ward Packard um den Titel «Besitzer der kompliziertesten Uhr der Welt». Beide waren passionierte Sammler. Beiden ging es um die Ehre. Und beide kauften ihre Uhren grundsätzlich nur bei einer Manufaktur aus Genf: Patek Philippe.

 

1932 war der Wettstreit Patek gegen Patek entschieden. Nach acht Jahren Bauzeit hielt Henry Graves ein Meisterwerk mit 24 Komplikationen in Händen, die «Graves Superkomplikationen». Der Rekord seiner Uhr hielt 56 Jahre. Bis 1989 eine noch kompliziertere Uhr gebaut wurde: Das Kaliber 89 mit 33 Komplikationen. Wieder von Patek Philippe. Auch dieser Rekord blieb lange Zeit ungeschlagen, mehr als ein Vierteljahrhundert. Heute hat die komplizierteste Uhr der Welt 57 Funktionen.

 

Esse quam videri, der Wahlspruch von Henry Graves, eingraviert auf all seinen Uhren, beschreibt treffend den Eindruck, dem man von den Protagonisten des Familienunternehmens Patek Philippe haben muss: Lieber sein als scheinen. Philipe Stern und sein Sohn Thierry, der im Jahr 2009 die Geschäfte von seinem Vater übernahm, wirken authentisch, die personifizierte Tradition. Damals wie heute steht Patek Philippe in punkto Qualität, Innovation und Wertschätzung weltweit an der Spitze der Uhrmacherkunst. 

 

Die Wege der Sterns und des Uhrenherstellers Patek Philippe hatten sich schon früh gekreuzt. Philippes Grossvater, Charles Stern, besass in den 30er-Jahren die renommierte Ziffernblattfabrik «Fabrique de Cadrans Stern Freres», ein Zulieferer von Patek Philippe. Als Patek Philippe nach der Weltwirtschaftskrise ums Überleben kämpfte, nutzten Jean und Charles Stern 1932 die Gelegenheit, als Investoren einzusteigen. Seitdem liegen die Geschicke der Manufaktur in den Händen der Familie Stern.

 

Philippe Stern übernahm 1977 die Leitung des Familienunternehmens. In einer schwierigen Zeit, denn eben war das Zeitalter der Quarz-Uhr angebrochen. Der lang gehegte Traum von Uhren mit höchster Präzision war in Erfüllung gegangen. Würde dies das Aus für mechanische Uhren bedeuten? Tatsächlich galten mechanische Uhren bald als altmodisch. Philippe Stern hätte sich nun, dem Zeitgeist folgend, einfach von der Mechanik abwenden können. Doch er stellte sich der Herausforderung – und fand einen Weg aus der Krise, der noch heute das Gesicht der Manufaktur prägt. Er verband die bis dahin strenge Fokussierung auf die traditionelle Uhrmacherkunst mit den neuen Anforderungen des Marktes – ohne jedoch den Schwerpunkt der Mechanik zu vernachlässigen. Eine richtige Entscheidung. Kurze Zeit später, in den 80er-Jahren, erfuhren mechanische Uhren eine Renaissance. «Das langfristige Denken, jenseits von Moden und Dividende-Interessen von Aktionären, ist es, was einen erfolgreichen Familienbetrieb auszeichnet», so Philippe Stern.

 

 

«Denn nur die raren Dinge erwecken wirkliches Begehren»

 

Der ungeahnte Anstieg der Nachfrage nach Uhren von Patek Philippe führte nicht etwa zur Steigerung der Produktion. Stattdessen überraschte Philippe Stern den Markt mit einer Beschränkung der Fertigung besonders komplizierter und deshalb begehrter Uhren. Die konsequente Strategie der Verknappung erwies sich bis heute als richtig, ebenso wie das Festhalten an der Unabhängigkeit. Mehr als einmal erweckte das Ausnahmeunternehmen der Schweizer Uhrenindustrie das Begehren der Konkurrenz. Aber: «Wenn eine grosse Gruppe ein kleines Unternehmen aufkauft, weiss man schliesslich nie, was dabei herauskommt», sagte Philippe Stern und meint natürlich: nichts Gutes. Marktführerschaft verstehen die Sterns nicht als Frage des Umsatzvolumens, sondern vor allem des Prestiges. Ihr Business sei eben mehr als nur das «Geschäft mit irgendwelchen Luxusgütern zur Profitmaximierung».

 

Ein Besuch der Manufaktur offenbart, wie Patek Philippe sein besonderes Qualitätsniveau erreicht. Es ist die Liebe zum Detail. Hier arbeiten Uhrmacher zugleich mit modernster Robotertechnik und vorsintflutlich anmutenden Werkzeugen. Während der Fertigung werden die Bestandteile eines Uhrwerkes ungefähr 600 Stunden lang unterschiedlichster Kontrollen unterzogen. Im Anschluss daran durchläuft jede Uhr 15–30 Tage lang strenge Tests und Beobachtungen. Erst dann darf sie die Manufaktur verlassen. Insgesamt dauert die Fertigung eines Werkes deshalb neun bis zwölf Monate. Wer eine Patek Philippe bestellt, muss sich deshalb bei einzelnen Modellen auf Wartezeiten von bis zu zwei Jahren einstellen. Je grösser die Komplikation, desto länger. Perfektion verlangt eben etwas Geduld.

 

Bei Patek Philippe ist man sich sicher, dass die Menschen genug haben von Wegwerfartikeln und Massenproduktion. Sie legen wieder mehr Wert auf Tradition, Prestige und Qualität, sehnen sich nach echten Werten. Aus diesem Grund sehen die Sterns Patek-Philippe-Uhren auch nicht als Luxusgüter. «Luxus ist heute viel. Viel Austauschbares», so Philippe Stern. Eine Patek Philippe habe hingegen einen persönlichen Wert für den Einzelnen, werde zum Teil der jeweiligen Persönlichkeit. Sie werde von Generation zu Generation weitergegeben, vom Vater an den Sohn.

 

Die Familie Stern selbst lebt diesen ganz besonderen Umgang mit den wertvollen Zeitmessern schon lange in der Familientradition: An ihrem 20. Geburtstag bekommen die Kinder vom Vater ihre erste Patek Philippe-Uhr geschenkt. So wird, einem Initiationsritus gleich, ihre Leidenschaft für die Horologie entfacht. Thierry Stern führt das Unternehmen seit fast zehn Jahren erfolgreich und im Sinne der langjährigen Firmenphilosophie. Unabhängig, mit höchsten Qualitätsansprüchen. Das muss er auch. Zu seinem 20. Geburtstag hatte Thierry von seinem Vater eine sportliche Nautilus geschenkt bekommen. Und in zwei Jahren ist er an der Reihe, seinem Sohn Adrien-Philippe eine Uhr zu schenken. Eine ganz besondere – eine Patek Philippe.

 

 

 

To watch

Komplikationen bezeichnen alle Funktionen einer Uhr, die über die Anzeige von Stunden, Minuten und Sekunden hinausgehen. Sie machen die ohnehin komplexe Uhrenmechanik durch eine Vielzahl weiterer Rädchen, Triebe, Federn noch aufwändiger und schwieriger. Komplikationen sind zum Beispiel technische Finessen wie Datumsanzeige, Automatischer Aufzug, Mondphase, Wecker oder die Stoppuhr.

 

 

Patek-Philippe-Museum

 

 

Wie weit die Leidenschaft für die Horologie gehen kann, zeigt sich auch in dem 2001 von Philippe und Henri Stern eröffneten Patek-Philippe-Museum – eine Hymne an die Uhrmacherkunst, ein Vermächtnis für die Uhrmacher der Zukunft. Auf einer Reise durch fünf Jahrhunderte finden sich nicht nur seltene europäische Zeitmesser und Patek-Philippe-Uhren seit Gründung der Manufaktur – darunter auch das Kaliber 89. Das Museum beherbergt auch die umfassendste Bibliothek der Horologie.

 

 

www.patek.com

 

 

 

 

 

 

VZH