Montag, 18. Dezember 2017 8:02 Uhr
Von links: Josef Widmer, Hans-Ulrich Bigler, Moderator Raoul Stöhlker, Schulleiter Peter Jost und Diplomand Gian Rico Steinrisser. Bild: zVg

Duale Bildung weiter stärken

Juventus – Das duale Berufsbildungssystem der Schweiz macht Schule. Viele Länder nehmen sich die Schweiz inzwischen zum Vorbild. Was macht die Lehre zum Exportschlager? Und was muss sich ändern, damit das so bleibt? Diese Fragen standen im Fokus des ersten TechLunch der Juventus Technikerschule.

 

VON ROMAN BRAUCHLI

 

Auch an den diesjährigen Berufsweltmeisterschaften in Abu Dhabi konnte die Schweiz ein hervorragendes Resultat erzielen. Sie erreichte in der Nationenwertung den zweiten Platz hinter China und war damit bestes europäisches Land. Ein schöner Erfolg – und eine Bestätigung des Erfolgsmodells duale Bildung.


Doch im Zuge der Digitalisierung steht das altbewährte Modell auch vor Herausforderungen. Der Arbeitsmarkt wird dynamischer, Berufsprofile verändern sich. Entsprechend muss sich auch die Ausbildung den neuen Gegebenheiten anpassen. Gleichzeitig müssen die Erfolgsfaktoren des Systems Lehre bewahrt werden. Wie kann das gelingen?

 

Diese Frage war Gegenstand des TechLunchs der Juventus Technikerschule. Als Höhere Fachschule ist die Juventus Technikerschule Teil eines Berufsbildungssystems, das stets den engen Kontakt zur wirtschaftlichen Praxis sucht. Das Panel mit Josef Widmer, Stellvertretender Direktor des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI), FDP-Nationalrat und Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands Hans-Ulrich Bigler, Gian Rico Steinrisser, Diplomand der Technikerschule und Schulleiter Peter Jost durften sich über ein interessiertes und zahlreich erschienenes Publikum freuen.

 

 

Duale Bildung auf stabilen Beinen

Im Grundsatz waren sich die Diskussionsteilnehmer einig. Die Arbeitsmarktorientierung ist entscheidender Erfolgsfaktor der Lehre. Die Betriebe können ihre zukünftigen Arbeitskräfte gezielt ausbilden und diese sind entsprechend auf dem Arbeitsmarkt gesucht. Im Zuge der Digitalisierung dürfte dieses Zusammenspiel noch an Bedeutung gewinnen. Auch dies wurde übereinstimmend festgehalten. Die Dynamisierung des Arbeitsmarkts werde zunehmen, was sich in veränderten Berufsprofilen bemerkbar mache. Nur eine Ausbildung, die sich im Austausch mit den Unternehmen und Berufsverbänden weiterentwickelt, kann flexibel auf die neuen Bedürfnisse reagieren. Ein verschultes oder gar akademisiertes Bildungssystem droht zu erstarren und am Arbeitsmarkt vorbei auszubilden.

 

Ein Beleg dieser Erkenntnis sind übrigens die wachsenden Studierendenzahlen an den Fachhochschulen. Immer mehr Maturabgänger entscheiden sich gegen ein Studium an der Universität und für die Fachhochschule. Letztere orientieren sich stärker an den nachgefragten Profilen auf dem Arbeitsmarkt. Ein weiterer Erfolgsfaktor sahen die Diskussionsteilnehmer im Finanzierungsmodell der Lehre. Im Gegensatz etwa zu Österreich lohnt sich für einen Betrieb die Anstellung eines Lehrlings finanziell. Darum sei die Bereitschaft, Lehrlinge auszubilden, auf Seiten der Betriebe auch nach wie vor gross, wie Hans-Ulrich Bigler festhielt.

 

 

Dynamisierung aufnehmen

Noch verbesserungsfähig sei der Prozess der Erarbeitung neuer Berufsbilder. Aktuell dauert dieser in der Regel noch bis zu sieben Jahre. Das könne man sich vor dem Hintergrund der erwähnten Dynamisierung nicht mehr leisten, so Josef Widmer. Verständlicherweise forderte Bigler den engen Einbezug der Berufsverbände, wenn neue Berufsprofile erarbeitet und definiert werden. 

 

Die Höheren Fachschulen übertragen im Grunde das Erfolgsmodell Lehre auf die höhere Berufsbildung. Leider sei dies noch zu wenig bekannt, bedauerte Schulleiter Jost. Viele Betriebe wüssten nicht genau, was der Titel «HF» bedeutet. Sei dies aber bekannt, sind die Abgänger von Höheren Fachschulen äusserst gefragte Arbeitskräfte.

 

Arbeitsmarkt und Bildungslandschaft verändern sich. Immer mehr Gymnasiasten gehen an die Fachhochschule und immer mehr Lehrabgänger studieren später noch. Diese Durchlässigkeit dürfte weiter zur Attraktivitätssteigerung der Lehre beitragen. Eine Schnittstelle dazwischen bilden die Höheren Fachschulen. Auch sie stehen im engen Austausch mit der Wirtschaft und bilden direkt auf konkrete Berufsprofile aus. In diesem Sinne sind sie die logische Fortsetzung des Erfolgsmodells Lehre. Zeit, dass das bekannter wird. 

 

 

VZH