Donnerstag, 19. Oktober 2017 16:19 Uhr
Jugendliche, die mit ausreichender Schlafzeit versorgt sind, zeigen ein höheres Leistungsvermögen. (Bild: depositphotos.com)

Jugendliche brauchen mehr Schlaf

Schulunterricht sollte erst um 8.30 Uhr beginnen. Zu dieser Auffassung kommen Forscher der amerikanischen Schlafakademie. Frühes Aufstehen bringt Jugendliche um den gesunden Nachtschlaf, den sie für ihre Entwicklung dringend benötigen.

 

Text Elke Bunge

 

Forderungen, dass Jugendliche mehr Schlaf brauchen und deswegen ein späterer täglicher Schulbeginn angeraten sei, sind nicht zum ersten Mal erhoben worden. Doch die in der jüngsten Ausgabe des Journal of Clinicle Sleep Medicine veröffentlichte Studie stützt sich auf eine derart breite Wissenschaftlerbasis, dass ihre Erkenntnisse als gesichert angesehen werden können.

 

Rund 10000 Forscher beteiligt

Mehr als 10000 Forscher von Schlafzentren aller renommierten US-amerikanischen Universitäten und Kliniken haben Untersuchungsergebnisse über das Schlafverhalten und dessen mögliche Folgen im Alltag vorgelegt. Im Ergebnis kommen die Wissenschaftler zum Schluss, dass Heranwachsende im Alter von 13 bis 18 Jahren durchschnittlich einen Nachtschlaf von acht bis zehn Stunden benötigen. Deshalb empfiehlt die American Academy of Sleep Medicine (AASM), die Schirmherrin der US-weiten Studie ist, einen Schulbeginn nicht vor 8.30 Uhr.

 

Hormonhaushalt verzögert Einschlafen

Den späteren Schulbeginn ermittelten die Forscher durch einfaches Zurückrechnen der benötigten Schlafzeit. Sie erkannten, dass bei pubertierenden Heranwachsenden sich der Hormonhaushalt stark verändert, wobei sich ein neuer Pegel des Schlaf initiierenden Hormons Melatonin einstellt. Die Folge für die Teenager ist, dass sie nicht vor 23.00 Uhr einschlafen können. Addiert man zu dieser Zeit die benötigte Schlafzeit, so kommt man zu einem Weckpunkt von 7.30 Uhr morgens. Eine Stunde später könnte, so die Wissenschaftler, dann Ausbildung und Unterricht beginnen.

Jugendliche, die mit ausreichender Schlafzeit versorgt sind, zeigen ein höheres Leistungsvermögen. Die meisten Schulen indes, so die Studie, beginnen ihren Unterricht bereits vor acht Uhr. Statistische Erhebungen der AASM-Studie geben an, dass etwa 70 Prozent der amerikanischen Oberschüler lediglich sieben Stunden oder gar weniger schlafen.

 

Schlaflosigkeit mit Folgen

Unausgeschlafene Jugendliche sind weniger leistungsfähig, so die Studie. Zudem wurde vermerkt, dass Schüler und Studenten mit Schlafmangel zu höheren Unfallraten auf dem Weg zu den Bildungseinrichtungen neigen. Unausgeschlafene Schüler neigen zu riskanterem Verhalten.  Bereits eine Stunde Zeitverschiebung könnte ausreichen, das Unfallrisiko um 16.5 Prozent zu mindern.

Die beteiligten Forschungseinrichtungen wiesen zudem auch auf erhebliche gesundheitliche Risiken aufgrund von Schlafmangel hin. Metabolische Probleme bis hin zur Fettleibigkeit, Herz-Kreislauf-Probleme, Depressionen bis hin zur Suizidgefahr können Folge von zu wenig Schlaf sein, erklären die Akademiker.

 

Appell an Verantwortliche

Dr. Nathaniel Watson, Chefautor der AASM-Studie und Professor für Neurologie an der Universität von Washington, zeigte sich zufrieden mit dem Forschungsergebnis. Er denke, alle Verantwortlichen, Mediziner, Schulbehörden und Eltern sowie die politischen Administrationen hätten die Aufgabe verstanden. «Wir wollen doch alle dasselbe für: Gesunde, lebhafte und gebildete Kinder, die jede gute Chance haben, in dieser Welt bestehen zu können», sagt Watson.

VZH