Donnerstag, 17. Januar 2019 20:32 Uhr
Die Guggenbühl Pflanzen AG bietet seit dem Neubau ganze 4000 Quadratmeter gedeckte Verkaufsfläche. Foto: zVg

Blütezeit für Energieeffizienz

ENAW – Kann man seinen Betrieb um 3000 Quadratmeter vergrössern und dabei gleichzeitig weniger Energie verbrauchen? Man kann. Die Guggenbühl Pflanzen AG ist dafür das beste Beispiel.

 

 

Von Joelle Broummana

 


Etwas oberhalb von Bonstetten liegt es: das Gartencenter mit dem wohl umfassendsten Angebot der Region. Hier, im Gartencenter Guggenbühl bietet Arthur Küng seit 2002 als Geschäftsführer und Inhaber eine eindrückliche Auswahl an Pflanzen, Töpfen, Dekorationsmaterialien und Werkzeugen an. Gegründet wurde das Gartencenter als Familienbetrieb von der Familie Guggenbühl im Jahr 1960. 1988 wurde das Unternehmen von einem Grosskonzern übernommen und Küng führte es bis 2002 als Geschäftsführer. Im Jahr 2002 übernahmen Ruth und Arthur Küng den Betrieb und führen das Unternehmen wieder als klassischen Familienbetrieb. Vier Küngs arbeiten heute zusammen mit rund 80 Mitarbeitenden als «grüne Spezialisten mit Herz».


Emotionen vermitteln
Spezialisten sind in der Guggenbühl Pflanzen AG alle – ob Zierpflanzengärtner, Landschaftsgärtner oder Floristen. Es ist deshalb keine Überraschung, dass Küng die Produktion am Herzen liegt. «Wir möchten so viel selber produzieren wie möglich. Das ist unsere Kernkompetenz», erzählt er. «Dabei sehen wir uns jedoch gewissen Herausforderungen gegenüber: Wie können wir die Produktion wirtschaftlich gestalten – sowohl energetisch als auch auf unser Personal oder die Vermarktung bezogen?» Die Produktionskosten im Ausland sind wesentlich tiefer. Dazu kommt das Onlineshopping als immer stärkere Konkurrenz. Das Gartencenter Guggenbühl rückt für die Vermarktung deswegen vermehrt das Verkaufserlebnis in den Vordergrund. Ob Ausstellungen für die ganze Familie, Motto-Parties, Modenschauen oder die Weihnachtsmesse – Arthur Küng möchte Emotionen vermitteln. Und für Energiefragen? Dafür arbeitet das Gartencenter Guggenbühl zusammen mit anderen Gärtnereien seit vielen Jahren mit der EnAW zusammen und ist Teilnehmer einer Energie-Modell-Gruppe von JardinSuisse.


Grüne Branche
«Wir sind eigentlich in einer grünen Branche tätig», erzählt Küng. Dabei spielt das Thema Energie und besonders der Bereich Heizen eine entscheidende Rolle. Die Gewächshäuser müssen ständig beheizt werden. Dabei ist die Entscheidung für den richtigen Energieträger keine einfache. «Eine Herausforderung ist die Sicherstellung einer wirtschaftlichen Produktion. Einerseits muss Energie gespart werden, andererseits sind ökologische Energieträger tendenziell teurer als das heute von uns verwendete Heizöl. Deshalb verfolgen wir die Absicht, dass wir uns vorerst aufs Energiesparen konzentrieren und einen Wechsel, zum Beispiel auf eine Holzschnitzelheizung, erst vornehmen, wenn das die Finanzen zulassen», erklärt Küng. Mit dem Energie-Management der EnAW sparen Unternehmen durch wirtschaftliche Massnahmen Energie und damit Geld. Dafür erstellte Küng zusammen mit EnAW-Berater Martin Steiger und Patrik Küttel, Projektleiter Energie-Modell-Gruppen JardinSuisse, einen individuellen Massnahmenkatalog. «Eine wichtige Massnahme waren Energieschirme», so Küng. «Wir haben alle Gewächshäuser damit ausgestattet. Sie spenden Schatten und isolieren gleichzeitig. Ausserdem wurden alle Zuleitungen von der Heizzentrale in die einzelnen Räume gegen Wärmeverluste gedämmt. Zusätzlich haben wir eine Massnahme umgesetzt, die an der Produktion der Pflanzen selbst ansetzt. Wir sind auf die sogenannte ‹Cool-morning-Strategie› umgestiegen. Dabei reduzierten wir die Heizleistung etwas, sodass wir Heizenergie für zwei Grad einsparen. Für die Saisonpflanzen war dies von Vorteil – sie blühen jetzt teilweise sogar früher.» Seit Beginn der Teilnahme bei der EnAW konnte das Gartencenter Guggenbühl seine Energiekosten dank solcher Massnahmen bereits um 30 Prozent senken.


Tabula rasa für Effizienz
50 bis 60 Prozent des Umsatzes werden mit Pflanzen generiert. «Früher haben wir die Hälfte unserer Eigenproduktion selbst verkauft und die andere Hälfte ging an die Blumenbörse Zürich. Heute, durch die Erweiterung des Verkaufsbereichs, können wir rund 80 Prozent unserer Produktion selber verkaufen», erklärt Küng. 2014 fand die grosse Eröffnungsfeier des neuen Anbaus der Guggenbühl Pflanzen AG statt. Um ganze 3000 Quadratmeter Holzbau und damit gedeckte Verkaufsfläche wurde der Betrieb erweitert. «Unser Fokus lag dabei stets auf der Energieeffizienz», erklärt Küng. Bei diesem Projekt stand Küttel dem Unternehmen stets mit Rat und Tat zur Seite.


Zwei Argumente waren für den Entscheid für einen Holzbau relevant. Einerseits war für Küng klar, dass er so bauen möchte, dass sein Anbau zur Umgebung passt. «Es ist ein Privileg, dass wir überhaupt auf diesem Gebiet bauen durften. Da müssen wir nicht noch mit einem Stahlbau unangenehm auffallen», präzisiert er. «Holzbauten sind zwar etwas teurer als Stahlbauten, aber da wir davon ausgehen, dass der Massivbau mindestens 40 Jahre hält, haben wir langfristig investiert.» Zweitens lässt sich ein Holzbau hervorragend dämmen. «Unser Betrieb ist heute beinahe wie ein Wohnbau isoliert. Überall haben wir mit Doppel- oder sogar Dreifachverglasungen gearbeitet. Auch die Böden und natürlich das Dach sind erstklassig isoliert, sodass unsere Warmluftgeräte an einem kalten Wintertag nur etwa zwei Stunden in Betrieb sind. Die damit erzeugte Energie bleibt im Gebäude», so Küng stolz. Das Gartencenter Guggenbühl konnte seine Energiekosten dadurch um weitere zehn Prozent senken. Und das bei fast dem Doppelten an Verkaufsfläche. Auf den Quadratmeter gerechnet ist der Energieverbrauch seit 2002 um etwa 40 Prozent gesunken.

Energie und Kosten sparen

Die EnAW bietet ihren Teilnehmern einen Rundumservice im Energie-Management. Bei der Umsetzung setzt sie auf wirtschaftliche Effizienzmassnahmen, die den Energieverbrauch und den CO2-Ausstoss jedes Unternehmens senken. Die EnAW ist eine Non-Profit Organisation von der Wirtschaft für die Wirtschaft.


+41 44 421 34 45 /  info@enaw.ch

Arthur Küng, Geschäftsführer und Inhaber, Guggenbühl Pflanzen AG.

«Wir ziehen alle am gleichen Strang»

 

Herr Küng, seit 2002 sind Sie Teilnehmer der EnAW. Wie kam es dazu?

Wir sind schon lange Mitglied von JardinSuisse, dem Unternehmerverband der Gärtner in der Schweiz. Über den Verband sind wir, zusammen mit anderen Gärtnereien, einer eigenen Energie-Modell-Gruppe der EnAW beigetreten und haben gemeinsam eine Zielvereinbarung mit dem Bund unterzeichnet. Wir treffen uns nach wie vor einmal im Jahr zum Erfahrungsaustausch, der sehr wertvoll ist.


Inwiefern profitieren Sie von dem Austausch und welche Rolle spielt der Konkurrenzgedanke dabei?
Die Dichte von grösseren Gartenbaubetrieben ist heute nicht mehr so gross. Wir sitzen alle im gleichen Boot. Wir tauschen uns über umgesetzte Massnahmen aus und lernen aus den Erfahrungen. Wir müssen am gleichen Strang ziehen, da die Gruppe das Gesamtziel erreichen muss und nicht jedes Unternehmen alleine. In den vergangenen zwei Jahren hat die Guggenbühl Pflanzen AG ihre Jahresziele trotz 3000 Quadratmeter grösserer Verkaufsfläche erreicht. Mit weiteren geplanten Massnahmen sind wir überzeugt, dass wir unsere CO2-Ziele auch in Zukunft erreichen können. Jedes Unternehmen der Gruppe muss etwas für das Erreichen des Gesamtziels tun. Deshalb unterstützt man sich wo immer möglich.


Der Erfahrungsaustausch wird von Patrik Küttel von der EnAW moderiert. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen Ihnen?
Wir treffen uns jährlich für das Monitoring. In der Zeit vor dem Bau hatten wir häufigeren Kontakt. Jetzt, wo wir den Neubau beziehen konnten, machen wir uns schon weitere Gedanken darüber, in welche Richtung sich unser Energieträger in den nächsten Jahren entwickeln könnte. Im Rahmen dieser Frage werden wir uns sicherlich wieder vermehrt mit ihm in Kontakt setzen. Ich schätze an Herrn Küttel, dass er ein absoluter Praktiker ist und genau weiss, was betriebswirtschaftlich Sinn macht.

VZH