Dienstag, 26. September 2017 9:23 Uhr

Gut ist, was Sinn macht

Karem Albash Der Schlüssel zum Erfolg liegt im Kopf, ist Mindset-Experte ­Karem Albash überzeugt. Der Initiator des Schweizer Querdenkertags setzt sich für eine Business-Mentalität ein, die Menschen weiterbringt, und berät Führungskräfte bei der Entscheidungsfindung sowie der Umsetzung ihres ­Potentials.

 

Interview Anouk Arbenz


Wie oft fällt Ihnen eine neue Geschäftsidee ein oder denken Sie daran, ihren Traum vom eigenen Unternehmen zu verwirklichen, schieben den Gedanken dann aber wieder beiseite, weil Ihnen der Mut fehlt? Was ist es wirklich, was Sie zurückhält; Angst, Unsicherheit, Bequemlichkeit? Für Karem Albash handelt es sich dabei um eine Einstellungssache, um das «richtige Mindset». Mit dem Schweizer Querdenkertag zeigt er auf, dass ein Perspektivenwechsel in den unterschiedlichsten Situationen Gold wert sein kann. Im Interview bietet er einen Einblick in seine Arbeit und gibt Führungskräften Tipps, wie sie ihre Ziele erreichen können.


Der vierte Schweizer Querdenkertag liegt vor der Tür. Ist der Anlass für dich ­persönlich immer noch gleich aufregend wie zu Beginn?

Karem Albash  Auf jeden Fall. Ich versuche das jedes Jahr wieder neu zu denken von den Inhalten her, lade jedes Jahr neue Referenten ein, die mich persönlich inspirieren.


Nach welchen Kriterien wählst du die ­Referenten aus?

Das Wichtigste ist: Alle Referenten müssen etwas erschaffen haben in ihrem Leben, das ausserhalb der Norm liegt und worüber sie gut sprechen können. Zudem sollen sie authentisch sein, das Herz am rechten Fleck haben und mit klaren Resultaten überzeugen.


Welche Feedbacks hast du in den letzten Jahren von den Besuchern des Querdenkertags erhalten?

Sehr gute, was für mich als Veranstalter natürlich das Wichtigste ist. Ich habe mich gefreut, dass das Konzept «Fokus auf gute Inhalte, dafür Buffet und Extras streichen» so positiv aufgenommen worden ist. Der Querdenkertag soll kein Anlass sein, an dem Referenten ihre Dienstleistungen auf der Bühne anpreisen und man sich am Schluss nur noch an das gute Essen erinnert. Der Kongress soll allen die Möglichkeit geben, sich in einem inspirierenden Umfeld weiterzubilden.


Deine berufliche Laufbahn startetest du als Leiter Qualitätssicherung bei der Deliciel AG. Wie kam es, dass du nun diese komplett andere ­Richtung eingeschlagen hast?

Ich habe jene immer bewundert, welche ganz klar wussten, welchen Weg sie einschlagen wollen. Das war bei mir noch nie der Fall. Ich wusste immer, dass ich sinnstiftend etwas bewegen möchte. So diente ich schon als Student im Kosovo als Offizier bei der KFOR. Ich wollte etwas sinnvolles machen, für Stabilität sorgen. Was mich schon immer fasziniert hat, ist Unternehmertum. Mich begeistern Menschen,  denen es gelingt, Probleme zu lösen und dabei die Welt ein Stück besser zu machen. Heute kann ich anderen helfen, genau dies zu erreichen. Die gelernten Ressourcen kann ich aber trotzdem noch nutzen, beispielsweise wenn es darum geht, Situa­tionen oder Problemstellungen genau zu evaluieren oder unterschiedliche Mindsets zu verstehen.


Wie bist du persönlich zum «Querdenken» gekommen? Was hat dich dazu inspiriert?

Ich bin inspiriert worden von Menschen, die etwas anders gemacht haben, weil es für sie sinnvoller war. Das ist für mich der Kern- gedanke des Querdenkens. Nicht einfach Querulant und gegen Bewährtes sein, son- dern präsent sein, «radikal wohlwollend» in Frage stellen. Mir wurde klar, dass Men- schen ein und dieselbe Situation unter- schiedlich betrachten. Beispielsweise bei der Frage: Wie führe ich ein Unternehmen? Oder: Wie mache ich gutes Marketing? Da gibt es unterschiedliche Ansichten. Mich haben dabei die Weltbilder, Ansichten und Hintergründe von Menschen mit starken Meinungen interessiert. Ich habe viel gelesen, um mich weiterzubilden und die Genia­lität von Querdenkern zu verstehen – Unter anderem das Buch: «different thinking!» von Fördert und Kreuz zu diesem Thema.


Soll man denn alles in Frage stellen?

Von Zeit zu Zeit sollte man sich den Luxus gönnen, komplett alles in Frage zu stellen, ja.


Kommt man überhaupt vorwärts, wenn man anfängt, alles in Frage zu ­stellen?

Kurzfristig scheint es nicht so, aber langfristig ist man wesentlich schneller. Wenn man sich die Zeit nimmt, sich bereits Grundlegendes zu fragen, beispielsweise: «Bin ich mit dem richtigen (Geschäfts-)Partner zusammen? Ist das, was ich mache, noch sinnvoll? Wehre ich mich gegen den Wandel der Zeit oder erkenne ich die neuen Chancen am Markt?», merkt man viel eher, ob man seine Ziele noch verfolgt oder mit viel Tempo daran vorbeizieht. Das eigene Denken ist unglaublich abhängig vom Umfeld, in dem man sich befindet. Daher ist es wichtig, sein Umfeld regelmässig in Frage zu stellen.


Hilft es, wenn man sich bewusst in unterschiedlichen Umfeldern bewegt?

Ich finde es wertvoll, verschiedene Perspektiven zu kennen, ja. Ich erlebe es teilweise mit Unternehmern, die in einem Club sind. Dort gibt es zwar einen hervorragenden Austausch, aber man ist unter ­Gleichgesinnten und oftmals auch ­Gleichaltrigen. Angenommen es handelt sich um einen Service-Club, dessen Durschnittsalter bei über 50 Jahren liegt, und es wird über Social Media diskutiert. Die Mitglieder haben teilweise gar keinen Zugang zu diesem Thema. Wenn man sich mal in einem anderen Umfeld bewegt, sieht man, wie Menschen anders leben, weil sie andere Werte haben. Es braucht aber auch das Interesse und die Offenheit, um andere Umfel- der überhaupt wahrzunehmen und sich die Zeit für sie zu nehmen.


Verfolgt der Mensch seine Wünsche nicht, weil er ein ­Gewohnheitstier ist, oder liegt es vielleicht auch daran, dass in der Schweiz eine Fehler­kultur fehlt?

Gewohnheit und Kultur sind beides Denkstrukturen, in denen wir uns bewegen, beides Resultate des Umfeldes. Wir halten uns gerne dort auf,  wo wir uns gedanklich auskennen. Viele verwechseln die Komfortzone mit dem
Bequemen, dem An­­genehmen. Sie ist «das Gewohnte». Alles, was wir kennen, gibt ­Stabilität. Das ist schon verrückt. Man bräuchte nur die Hand auszustrecken, um seinen Traum zu leben, aber man tut es nicht, weil man nicht weiss, wie es ist, seinen Traum zu leben. Aber es gibt einen Weg, da herauszukommen: Indem man lernt,  in die eigenen Fähigkeiten und das Leben zu vertrauen. Es gibt ja den Satz: Scheitere schnell und oft. Damit ist nicht Scheitern im Sinne von etwas an die Wand fahren gemeint, sondern es meint das Ausprobieren.


Ein typischer Querdenker ist Elon Musk. 
Er hat eine eindrückliche Karriere hingelegt und konsequent seine Ziele verfolgt. 
Ein Vorbild für dich?

Elon Musk ist ein hervorragender Querdenker. Er betrachtet viele Sachen aus einer ganz anderen Perspektive. Beispielsweise hat er die Patente seiner Elektroautos freigegeben. Für ihn bedeutete dies, die Elektroauto-Bewegung nochmals zu beschleunigen. Er hat ein komplett anderes Denkmuster und bereitet sich bereits heute auf die Zeit in zehn Jahren vor. Er hat sehr kühne Ziele und Absichten. Und er ist einiger der Wenigen, die auch die nötige Power haben, um das alles zu verwirklichen.


Dich nervt Mittelmass. Hast du den Eindruck, es geht eine Tendenz in diese Richtung?

Was mich nervt am Mittelmass, sind die Menschen, die sagen: Es ist schon gut so, wie es ist. Man weiss, man müsste sich bewegen, müsste über den eigenen Schatten springen, sich einmal mehr bücken, etwas neues lernen, tut es aber nicht. Sie verzichten bewusst darauf, weiter zu kommen. Ich finde es viel inspirierender, sich auf die eigene Passion zu konzentrieren und das beste daraus zu machen. Da gibt es nie  ein Mittelmass.


Welche Fehler siehst du immer wieder?

Im unternehmerischen Kontext sowie bei Mindset-Techniken ist das sehr ähnlich: Fehler #1: Wenn man glaubt, etwas verstanden zu haben, wenn man es einmal gemacht hat. Tipp: Viele kennen den Spruch: «Übung macht der Meister.» Ich bin ein Fan von «Der Meister übt.» Das gilt insbesondere für Mindset-Techniken, da erst die Wiederholung zu Tiefe, Klarheit und Einsicht führt. Fehler #2: Der Überzeugung sein, dass man keine Hilfe mehr braucht, weil man glaubt, schon alles zu wissen. Es kann sehr sinnvoll sein, sich auch in Bereichen weiterbilden, die branchenfremd sind. Fehler #3: Fehlender Fokus auf das Wesentliche. Meistens verliert man in der Alltagshektik das grosse Ganze aus den Augen. Tipp: Immer wieder Abstand schaffen, indem man sich aus dem Tagesgeschäft rausnimmt, eine Runde meditiert und dann mit mehr Klarheit zurück ins Geschäft geht.


Gibt es Tipps, wie man sich und andere besser motivieren kann?

Ich glaube, der Mensch ist dann motiviert, wenn er den Sinn sieht in dem, was er macht. Fehlt der Sinn, bleibt auch die Motivation und der Erfolg aus. Der Mensch ist grundsätzlich so veranlagt, dass er einen Beitrag leisten möchte. Jeder erfährt dann viel Glück, wenn er etwas bewirken kann, und das das führt automatisch zu einer besseren Performance. Wenn man sich immer wieder die Zeit nimmt, um sich zu fragen, was einen glücklich macht und wie die grundlegenden Werte aussehen sollten, spart man sich enorm viel Zeit und Leid. Das führt zu mehr Klarheit und damit zu besseren Entscheiden. Damn kommt man wirklich weiter.    

 


www.karemalbash.com

www.der-querdenker-tag.ch

VZH