Donnerstag, 17. Januar 2019 20:50 Uhr
Nicht nur alter Karton kann eine wertvolle Ressource darstellen und wiederverwertet werden. Bild: iStock / Bim
Karine Siegwart, Vizedirektorin des Bundesamtes für Umwelt.
Monika Rühl, Vorsitzende der Geschäftsleitung von economiesuisse.

Abfall als Ressource nutzen

Ressourcen Trialog – Die Abfallwirtschaft soll sich zu einer Ressourcenwirtschaft wandeln. Politik, Verbände und Wirtschaft haben sich beim Ressourcen Trialog auf Richtlinien geeinigt.

 


Interview Roman Brauchli

 


Abfall kann eine wertvolle Ressource darstellen. Wird schon beim Herstellungsprozess die Wiederverwertbarkeit eingeplant, ergeben sich geschlossene, nachhaltige Kreisläufe. Diese Ziele verfolgte auch der Ressourcen Trialog. Dieser soll die Ausrichtung der Schweizer Abfall- und Ressourcenwirtschaft bis 2030 vorgeben. Monika Rühl, Vorsitzende der Geschäftsleitung von economiesuisse, und Karine Siegwart, Vizedirektorin des Bundesamts für Umwelt, waren unter der Leitung des Kantons Aargau für den Aushandlungsprozess mitverantwortlich.

 

 

Das Ergebnis des Ressourcen Trialogs sind elf Leitsätze. Was ist deren gemeinsamer Nenner?


Monika Rühl Im Grundsatz geht es darum, dass Abfall nicht länger als wertloses Wegwerfprodukt, sondern als wiederverwertbare Ressource betrachtet wird. In den elf Leitsätzen ist auf sehr allgemeine Art und Weise festgehalten, wie Abfall als Ressource genutzt werden kann. Es war wichtig, dass die unterschiedlichen Stakeholder – Wirtschaft, Verbände und Umweltorganisationen – sich Zeit genommen haben, um das miteinander zu diskutieren. Wir kommen nur gemeinsam vorwärts.

 


Verschiedene Parteien haben zusammengefunden und alle haben zugestimmt. Wieso?


Karine Siegwart Der Prozess war bereits so ausgelegt. Wir sind konsensorientiert vorgegangen und hatten ein gemeinsames Ziel. Dass wir die Abfall- in eine Ressourcenwirtschaft überführen wollen, ist von der Gesetzgebung so vorgegeben, auch international. Wir wollten keine neuen Regulierungen schaffen, weil in diesem Umfeld schon genug reguliert ist. Das Ziel war, zusammen mit der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Gesellschaft eine gemeinsame Lösung zu finden, um vorwärts gehen zu können.


Rühl Wir werfen dem Bund ja generell vor, dass er zu viel reguliert. Hier hat aber der Bund erkannt, dass es keine zusätzlichen Regulierungen braucht. Umso bedeutender erschien es uns, dass wir vor diesem Hintergrund schauen, wie wir zusammenarbeiten können. Wichtig ist vor allem auch, dass wir die Umweltverbände mit im Boot hatten. Diese sind sonst keine natürlichen Alliierten der Wirtschaft.

 


Abfall als Ressource: Wo sehen Sie die Chancen für die Wirtschaft?


Siegwart Der Kerngedanke ist, dass wir in einem Kreislauf sind: Von den Produzenten, über die Konsumenten und den Detailhandel bis hin zur Entsorgung müssen alle miteinbezogen werden und Verantwortung tragen. Dabei soll der Abfall vermieden oder als wertvolle Ressource möglichst wieder in den Stoffkreislauf zurückgeführt, rezykliert oder energetisch verwertet werden. In einer nachhaltigen Ressourcen- oder Kreislaufwirtschaft und mithilfe der Digitalisierung können zudem Energie- und Materialeinsatz zur Herstellung von Produkten und Dienstleistungen minimiert werden.


Rühl Die Wirtschaft hat ein ureigenes Interesse, sorgfältig mit Ressourcen umzugehen. Denn nur wer Ressourcen bestmöglich einsetzt und versucht, diese wiederzuverwerten, spart Kosten und bleibt dadurch wettbewerbsfähig. Der Druck des harten Frankens lässt zwar etwas nach, doch die Unternehmen befinden sich nach wie vor in einem sehr kompetitiven Umfeld und müssen die Kosten im Griff haben. Der Vorwurf, die Wirtschaft verschleudere massenhaft Ressourcen, ist vor diesem Hintergrund nicht gerechtfertigt.

Ressourcen Trialog 

Am Ressourcen Trialog haben sich Institutionen, Organisationen und Verbände aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft beteiligt und gemeinsam elf Leitsätze für die Schweizer Abfall- und Ressourcenwirtschaft 2030 erarbeitet. Die Ziele: Energie- und Materialeinsatz zur Herstellung von Produkten und Dienstleistungen minimieren, Produktelebensdauer optimieren und Abfälle wo immer möglich vermeiden. Unvermeidbare Abfälle werden noch konsequenter in den Stoffkreislauf zurückgeführt oder nachhaltig verwertet. Die Leitsätze dienen den beteiligten Organisationen als Orientierungshilfe in der Gestaltung ihrer Abfall- und Ressourcenpolitik.

 

Die Leitsätze und weitere Informationen gibt es unter www.ressourcentrialog.ch

VZH