Montag, 18. Dezember 2017 8:02 Uhr
Yvonne Seitz, Diversity Manager bei der AXA Winterthur. Bild: zVg

«Auch wir sind noch nicht am Ziel»

Diversity  Yvonne Seitz ist Diversity Manager bei der AXA Winterthur, die schon vielfach für ihr Engagement im Bereich der Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben ausgezeichneten wurde – unter anderem mit dem Prix Egalité des Kaufmännischen Verbands. Wir haben Yvonne Seitz gefragt, wie die AXA Winterthur konkret für eine gute Vereinbarkeit sorgt.

 

Interview Roman Brauchli

 

 

Die AXA Winterthur ist unter anderem Preisträger des Prix Egalité. Wieso haben Sie den Preis erhalten?

Den Preis haben wir für unser generelles Engagement im Bereich Diversity erhalten, ebenso wie für unsere Flexwork-Kampagne, die flexibles Arbeiten anhand authentischer Geschichten diverser AXA-Mitarbeitenden gegen innen und aussen sichtbar macht. Unter Flexwork verstehen wir verschiedene Formen flexiblen Arbeitens wie Teilzeit, Homeoffice, Jobsharing oder Arbeiten im Co-Working-Space. Für uns sind diese flexiblen Arbeitsmodelle sehr wichtig. Nicht nur weil wir damit als Arbeitgeber attraktiv sind, sondern weil wir dadurch Mitarbeitende auch dann behalten können, wenn sich private Veränderungen ergeben wie Elternschaft, Ausbildung oder gar ein Wohnortswechsel. Hinzu kommt, dass nicht nur  junge Mitarbeitende mehr zeitliche und örtliche Autonomie fordern, auch immer mehr erfahrene Mitarbeitenden schätzen es, wenn sie eine Pensionierung sukzessive angehen können. Wichtig dabei ist allerdings, dass bei der Lösungsfindung individuelle Wünsche stets mit den betriebliche Anforderungen bestmöglichst kombiniert werden.

 

Welche konkreten Massnahmen sorgen für Gleichstellung bei der AXA Winterthur?

Wichtig ist, dass das Thema Diversity sowohl in der Strategie als auch in Struktur und Kultur eingebettet ist. In der Geschäftsleitung hat beispielsweise eine Person während zwei Jahren das Mandat des sogenannten Diversity-Champions inne und lässt somit das Gedankengut von Diversity in unterschiedlichste Entscheidungen auf höchster Ebene einfliessen. Gleichzeitig gibt es eine Vielzahl von Programmen. So führen wir seit über fünf Jahren während der Sommerferien eine sogenannte Kidsferienwoche durch. In dieser Woche werden die Kinder der Mitarbeitenden auf dem AXA-Gelände betreut, während die Eltern entlastet werden. Daneben gibt es diverse andere Programme wie Mittagsveranstaltungen, Lunch-Lottey, Diversity-Sponsoring, Mentoring-Programme oder ein breites Child- und Elder Care-Angebot.

 

Wie profitiert das Unternehmen konkret von einer egalitären Personalpolitik? 

Den Erfolg kann man an vielen einzelnen Geschichten zeigen, ebenso anhand diverser Fakten: So ist die Anzahl Frauen im Senior Management seit der Implementierung von Diversity im 2008 um 90 Prozent gestiegen. Zudem nehmen mittlerweile drei Frauen im Verwaltungsrat und zwei in der Geschäftsleitung Einsitz. Beachtlich ist, dass in der selben Zeit die Zahl der teilzeitarbeitenden Männer um über 50 Prozent gestiegen ist und mittlerweile 18 Prozent des Senior Managements Teilzeit arbeitet. Gleichzeitig nutzen 13 Prozent der Mitarbeitenden die Möglichkeit von Homeoffice. Dadurch können sie den Arbeitsweg einsparen und die AXA kann – weil alternative Arbeitsorte genutzt werden – einen Teil der Büroflächen abgeben. Die AXA wird dadurch aber auch als attraktive Arbeitgeberin wahrgenommen. Und durch langjährige Mitarbeitende bleibt das Know-how in der Firma. Zudem ist die AXA davon überzeugt, dass durch eine vielfältige Belegschaft mit unterschiedlichen Blickwinkeln bessere, weil umfassender durchdachtere Lösungen entstehen. 

 

Wieso ist es wichtig, dass noch mehr Frauen Karriere machen und Chefsessel besetzen?

Die Gesellschaft ist männlich und weiblich, und weil wir Produkte für eine heterogene Kundschaft – also für Frauen und Männer, junge und ältere Menschen anbieten – ist es wichtig, dass die unterschiedlichen Blickwinkel im Unternehmen vertreten sind.  Es geht um Synergien verschiedener Fähigkeiten, Erfahrungen und Betrachtungsweisen. Ganz ehrlich: Auch wir sind noch nicht am Ziel. Auch wenn wir bereits einiges erreicht haben, es gibt noch immer viel zu tun! Gerade hinsichtlich eines ausgewogenen Geschlechterverhältnis im Management.

VZH