Donnerstag, 17. Januar 2019 19:58 Uhr
Michel Péclard bietet seinen Gästen im Rooftop Restaurant eine wunderbare Aussicht auf die beliebte Bahnhofstrasse und einen einzigartigen Service. (Bilder: zVg)

Zürich von oben

Rooftop Restaurant  Mit seinem Rooftop Restaurant im sechsten Stock des Modissa-Gebäudes an der Bahnhofstrasse hat Michel Péclard einmal mehr einen Ort geschaffen, an dem sich ein ganz anderes, ein internationaleres und modernes Zürich zeigt.

 

Text Anouk Arbenz

 

«Alle haben gesagt: Spinnst du? Wer kommt schon in den sechsten Stock rauf? Am Abend findet man denn ­Eingang ja gar nicht!» Michel Péclard wäre nicht, wer er ist, und hätte nicht das erreicht, wovon andere nur träumen, hätte er ein Nein akzeptiert. Nach einjährigem Umbau des gesamten Mo­dissa-­Ge­bäudes öffnete das Rooftop Restaurant im sechsten Stock des Modehauses im April letzten Jahres seine Türen. Das Konzept, das sich Michel Péclard und sein Geschäftspartner ­Florian Weber ausgedacht haben, beginnt bei der ­Inneneinrichtung und endet beim Teller auf dem Tisch. Das ­Restaurant ­versprüht einen inter­nationalen, modernen Geist, die Gäste sind gelassen und fröhlich. Michel Péclard ist überzeugt, so stellt man sich eine Bar vor. «Ich versuche immer, mich zu fragen: Was will der Mensch. Die Antwort ist: Der Mensch will träumen.» Hoch oben über der belebten Bahnhofstrasse, mit Blick auf die Stadt und die vielen ­Lichter, mit ausgezeichnetem Essen, das schnell auf den Tisch kommt, mit einer Liveband, die im Hintergrund spielt und einem Cocktail namens «Funky Cup», «Hermana» oder «The Life of P.» in der Hand, lässt man es sich gut gehen. An der Bar aus massivem Nussbaumholz mixt die beste Barkeeperin der Stadt dir einen weiteren Drink, während du dir zwei Kugel «gelati di zurigo» gönnst. 

 

Dumplings auf Rollen und Blauer Eistee
Der Traum geht weiter: Am Abend wird man nur noch mit dem Wagen bedient und kann sich das Essen selber aussuchen. Eine Speisekarte gibt es nicht. Für jemanden wie mich, der sich jeweils nur schwer entscheiden kann und sich unter den zum Teil hochgastronomischen Begriffen nichts unter den Gerichten vorstellen kann, ein Segen. Die Gäste kommen aus aller Welt, sind eher wohlhabend, die meisten jung und ernährungsbewusst. Sie wollen nicht in ein klassisches Restaurant wie die Kronenhalle, wo sie mindestens 1.5 Stunden für den Lunch einplanen müssen. Sie wollen die Aussicht geniessen, plaudern, schnell essen und dann wieder zurück zur Arbeit. Auf die Rechnung warten, müssen sie auch nicht, es wird ganz einfach am Schluss an der Bar bezahlt. 

 

Inspiration aus aller Welt
Am häufigsten wird der Enten­sa­lat bestellt, ein gemischter Salat mit ­
Entenstückchen, Mango und ­Gra­­nat­­­­­­- apfel. Ein erfrischendes, fruchti­ges 
und geschmacklich überzeugendes Menu. Und gesund: «Die Leute achten heute immer mehr auf ihre Ernährung. ­Darauf reagieren wir», so der auf­merksame Beobachter Péclard. Den Entensalat hat er in San Francisco entdeckt, so auch die Dumplings, die Hausspe­zialität des Rooftop Restaurants: «Zwei ­chinesische Köche machen den ganzen Tag bis spät abends nichts anderes, als Dumplings zuzubereiten. Das läuft sehr gut.» Neben den Dumplings wird auf den rollenden Take-Aways auch einmal Hackbraten oder Angus-Beef serviert.
Was ist das Geheimnis des Gastro­lokal-Matadors? «Ich versuche, die gastronomische Perspektive zu verlassen», reflektiert Péclard und ergänzt: «Und ich liebe es, zu beobachten.» Miami, Nizza, Saint-Tropez, New York – Michel Péclard lässt sich von überall inspirieren. Ist er überzeugt oder gar fasziniert von einer Idee, ist es auch schon vorgekommen, dass er seinen Küchenchef oder den Bühnendesigner hat einfliegen lassen. 
Plötzlich stoppt Péclard seine Er­zählung und schaut zu Boden. Der schmutzige Terrassenboden nervt ihn. Es soll alles wie neu aussehen. Das sei auch ­seinen Gästen wichtig. «Da bin ich schon pingelig.» Er schickt dem Geschäftsführer eine Nachricht, fragt, warum der Boden so dreckig ist. Seine acht Betriebe versucht er täglich zu besuchen. Das gehöre dazu, sonst verliere er die Kontrolle und die Geschäftsführer machten, was sie wollen. Von seinen Mitarbeitenden verlangt er viel, dafür zeigt er sich grosszügig und lässt sie bis zu neun Prozent am Gewinn teilhaben.

 

www.peclard.net 

Was das Rooftop zu bieten hat
Bahnhofstrasse 74, 8001 Zürich, sechster Stock

 

Lunch   Am Mittag bietet das Rooftop ein täglich wechselndes:
Curry-, Pasta-, Salat-, Fleisch- und Fisch-Menu. Zu jedem Hauptgang gibt es eine Suppe oder einen Salat.


Afternoon Snack   (von 14.30 bis 18 Uhr) Edamame gewürzt, Grosse Oliven, Aufschnitt-Käse-Teller, Gemüsepapaya-Salat, Crispy-duck-Salat Süsses: Dessertvariationen vom Wagen, «gelati di zurigo»


Dinner   Das Angebot wechselt täglich, ist immer frisch und richtet sich nach der Saison und nach dem, was der Küchenchef auf dem Markt entdeckt. Internationale Köstlichkeiten, asiatisch inspiriert. Die Teller sind klein und kosten je nach Gericht zwischen 6 und 22 Franken. 


Dumplings   Die asiatischen Teigtaschen (Schwein, Rind, vegetarisch, Crevetten) sind die Hausspezialität des Rooftop Restaurants. Diese können ab 11.30 Uhr den ganzen Tag über bestellt werden.


Weine   Die Weine sind die Hausweine der sechs berühmtesten Fünf-Sterne-Hotels der Schweiz: Gstaad Palace, The Chedi Andermatt, Cervo Zermatt, Tschuggen Grand Hotel Arosa, Hotel Eden Roc Ascona, Carlton Hotel, St. Moritz

 

 

VZH