Freitag, 17. August 2018 3:26 Uhr
Beat Pahud ist Gesamtprojektleiter The Circle bei der Flughafen Zürich AG.
Die Zukunft des Flanierens: The Circle vereint Gastronomie, Hotellerie, Events, Kultur und Erholung direkt beim Flughafen Zürich.
Auch am Abend wird das neue Quartier belebt sein und seinen Besuchern Unterhaltung der Superlative bieten.
Die Besucher können im angrenzenden Park spazierengehen.
Auch die geplante Kongresshalle von Stararchitekt Riken Yamamoto besticht durch spektakuläre Architektur.
Es wird emsig gebaut: Am Flughafen Zürich entsteht bis 2020 eine neue Stadt. (Fotos: zVg)

«Wir wollen zur Attraktivität der Flughafenregion beitragen»

The Circle Der Flughafen Zürich bekommt ­Zuwachs, aber nicht in Form von Flugzeugen oder einer neuen Startbahn. Die Region erhält mit The Circle ihre eigene Stadt. The Circle ist ein ­Bauvorhaben der Superlative. Der Komplex will architektonisch aufsehenerregend, innovativ und visionär sein.

 

Interview Inès De Boel

 

Sie wächst und wächst – jeden Tag ein bisschen mehr. Es wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Noch gleicht sie einer gewöhnlichen Grossbaustelle, wie es sie überall gibt. Noch ist nicht zu erkennen, dass an dieser Stelle 2020 Zürichs neue Dienstleistungsdestination The Circle in den Himmel ragen und Reisende und Besucher aus aller Welt empfangen wird. Am Flughafen Zürich wird zwar schon seit zwei Jahren ausgehoben, seit diesem Frühling sind die Tiefbauarbeiten beendet und es wird nun in die Höhe gebaut. Der Bau wird von der Flughafen AG, einem Team um den japanischen Stararchitekten Riken Yamamoto und der HRS Real Estate AG realisiert. Ein Blick auf Zürichs kommende Destination mit Gesamtprojektleiter Beat Pahud. 

 

Beat Pahud, im März erfolgte die Grundsteinlegung der grössten Baustelle der Schweiz. Welche Gedanken gingen Ihnen in diesem Moment durch den Kopf?
Ich war stolz auf unser ganzes Team – für uns ein wunderbarer Meilenstein … und Basis für ganz viel Arbeit, die noch vor uns liegt.

 

Bei The Circle geht es nicht nur um einen profanen Ausbau des Flug­hafens Zürich, sondern vielmehr um eine Vision einer Stadt, wie Architekt Riken Yamamoto erläuterte. Warum braucht es mit The Circle neben der Shopping-Destination Flughafen noch zusätzlich ein riesiges Dienstleistungszentrum?

The Circle steht für eine konsequente Weiterentwicklung der kommerziellen Zentren am Flughafen. Über 150 000 Passagiere, Pendler, Besucher und Mitarbeitende bewegen sich täglich am Flughafen Zürich. Wir bauen kein Shopping-Center, sondern ergänzen das bestehende Angebot mit spannenden neuen Inhalten – am besterschlossenen Ort der Schweiz.

 

In vielen Städten in Europa und Asien gibt es bereits oder entstehen momentan sogenannte «Airport-Cities». Was unterscheidet The Circle von anderen Businesskomplexen an Flughäfen?

Der Flughafen Zürich ist ein mittelgrosser Flughafen, aber ein grosser Premium-City-Airport. Die Nähe zu Zürich und die perfekte Erschliessung mit praktisch allen Verkehrsmitteln gibt uns die Chance, einen perfekt erschlossenen Stadtteil zu bauen. Die Nutzungen sind fein aufeinander abgestimmt und bieten gegenseitig Synergien. Die beiden Hyatt-Hotels, das grosse Convention Centre, das medizinische Kompetenzzentrum, diverse Markenwelten sowie Kunst, Kultur, Gastronomie und Bildung sowie die Unternehmen auf den Büroflächen werden sich gegenseitig bereichern und den Kunden eine einmalige Atmosphäre bieten. Zusätzlich schaffen wir 80 000m2  Parkfläche für Erholung, Kultur, Events und Natur direkt beim Flughafen Zürich – das hat kein anderer Flughafen zu bieten.

 

Welche Zielgruppen wollen Sie mit The Circle ansprechen?

The Circle bietet Platz für 6500 Arbeitsplätze. Der Flughafen selber wird täglich von 150 000 Personen frequentiert. Wir gehen von sehr vielen Besuchern aus der Region, interessierten Reisenden und Mitarbeitenden aus, die The Circle gezielt aufsuchen. Die Besucher aus der Region werden für uns ganz wichtig sein.

 

Das Glattal sowie die drei Standortgemeinden Kloten, Opfikon und Rümlang sind auf dem Weg zum Trendquartier – mit The Circle als Zugpferd. Schafft die Flughafenregion aufgrund dieser Entwicklung, sich endgültig von der Stadt Zürich zu emanzipieren?

Emanzipation ist ein guter Ausdruck. Es geht nicht um Konkurrenz, es geht darum, der Region und dem gesamten Wirtschaftsstandort Impulse zu verleihen. Es geht darum, der Flug­hafenregion ein Gesicht zu geben. Und The Circle wird prägnanter Teil dieses Gesichtes der Region sein. Wir wollen ein Ort sein, den man besucht, wegen dem, was angeboten wird – und wir ­wollen zur Attraktivität der Region beitragen.

 

Sogenannte Retortenstädte haben allgemein eher einen schlechten Ruf. Die Europaallee neben dem Hauptbahnhof in Zürich ist ein solches Beispiel. Der Ort lädt nicht gerade zum Verweilen ein. Besteht diese Gefahr bei The Circle auch?

Ich denke, dass die Europaallee genügend Zeit braucht, um als Lebensraum akzeptiert zu werden. Ein grosser Vorteil von The Circle ist sicherlich, dass wir das Angebot aus einer Hand steuern können. Wir entwickeln mit unseren Partnern ein attraktives Programm und treten als eine Destination am Markt auf. Das wird uns helfen, schnell als attraktiver Ort mit spannenden Angeboten akzeptiert zu werden.

 

Mit den beiden Hotels der Hyatt-Gruppe samt Kongresszentrum, dem Universitätsspital Zürich und weiteren Mietern ist etwa die Hälfte der Gesamtfläche vermietet. Bei der Vermietung der Büroflächen hapert es noch. Wie ist der Stand der Dinge?

Wir sind immer noch über zwei Jahre vor Fertigstellung. Der Büromarkt zeichnet sich hingegen durch immer kürzere Entscheidungsspannen zwischen Vertragsunterzeichnung und Einzug auf die Mietfläche aus. Wir können seit einigen Monaten ein stark ansteigendes konkretes Interesse an Mietflächen feststellen. Der Bürobereich ist aufgrund der vorhandenen Überkapazitäten sicherlich der schwierigste Markt, unser Produkt wird aber auch in diesem Umfeld sehr gut bestehen können.

 

Verdichtetes Bauen und Wachstum nach innen sind bereits seit Jahren die Schlüsselwörter bei aktuellen Raumplanungsdiskussionen. The Circle ist ein gutes Beispiel für eine verdichtete Bauweise. Warum war eine solche Bauweise bei diesem Projekt wichtig?

Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten kam nur eine verdichtete Bauweise in Frage. Wir schaffen 180 000 m2 Nutzfläche auf rund 30 000 m2 Grundfläche. Auch im Bereich Nachhaltigkeit setzt The Circle neue Massstäbe. Die Versorgung mit Wärme und Kälte erfolgt über die Erde als Speicher – der Bedarf an Energie und Wasser wird durch Rückgewinnung stark reduziert. Zudem wird auf dem Dach des Gebäudeareals mit der Photovoltaikanlage eine weitere erneuerbare Energiequelle installiert.

 

Mit der Konzeptionierung von Räumen setzt The Circle auch hinsichtlich der Digitalisierung neue Massstäbe: Es entstehen sogenannte modulare Stores, Showrooms und auch Smart Workplaces. Ist es damit auch das innovativste Gebäude in der Region Zürich?

Die Digitalisierung verändert die Art, wie Menschen einkaufen, arbeiten und kommunizieren. Wir verstehen The Circle als hochmoderne Plattform für Unternehmen, die sich der Digitalisierung stellen oder diese sogar treiben. Mit den flexiblen Showrooms schaffen wir die Bühne für starke Marken, die ihren Online-Handel mit physischer Präsenz unterstützen. Unsere 6500 Mitarbeitenden und auch alle Besucherinnen und Besucher werden ein flächendeckendes WLAN nutzen. Sie arbeiten dort, wo es für ihre aktuelle Aufgabe am besten ist, im Büro, im Konferenzzentrum, im Café oder auf einer Sitzbank in unserem grünen Park. Sie werden zu einer Community, die sich physisch oder digital trifft – wie es gerade am besten passt. So gesehen sind wir das innovativste «Gebäude» – nicht einfach nur technologisch, sondern in seiner Konzeption.

 

Bisher verliefen die Bauarbeiten unterirdisch, jetzt ist die Hochbauphase in vollem Gange. Welchen speziellen Herausforderungen müssen sich die Ingenieure und Arbeiter stellen?

Eine grosse Herausforderung ist die Grösse des Projekts – es gilt, unglaublich viele verschiedene Fachorganisationen aufeinander abzustimmen. Gleichzeitig ist die Baustelle sehr eng und die Logistik der Baustelle ist stark gefordert. Wir freuen uns, mit der HRS Real Estate AG eine erfahrene Totalunternehmerin für die Ausführung gefunden zu haben, welche die besten Fachkräfte – von Lausanne bis Rheineck – zusammengeführt hat.

 

Was treibt Sie bei Ihrer Arbeit am Projekt am meisten an?

Etwas Sinnvolles zu schaffen – und das in einem extrem engagierten Team.

 

Wie gefällt Ihnen persönlich die Gesamtarchitektur von The Circle? Und haben Sie bereits einen zukünftigen Lieblingsort auserkoren?

Die Architektur gefällt mir unglaublich gut und ich bewundere die Art, wie virtuos der Architekt Riken Yamamoto mit den räumlichen Volumen umgeht. Von aussen vermittelt The Circle ein einheitliches Erscheinungsbild, das auf die übergeordneten Formen des Flughafens Bezug nimmt. Im Innern aber wird das Erlebnis einer Innenstadt im Kleinformat erzeugt. Da ich ein Mensch bin, der gerne in Gesellschaft ist, werde ich wohl öfters im Rooftop-Restaurant anzutreffen sein oder in den belebten Gassen und Plätzen bei einem Kaffee. Gleichzeitig mache ich so oft wie möglich Sport – THE PARK ist dafür wie für mich geschaffen.

 

Zu guter Letzt wollen wir natürlich auch die Gelegenheit nutzen, um nach vorne zu blicken: Wenn The Circle 2020 (hoffentlich) plangemäss eröffnet werden wird, werden Sie freudig sagen, dass ...?

… wir gemeinsam etwas Grossartiges geschaffen haben!

René Huber, Stadtpräsident von Kloten 

The Circle bringt eine klare Aufwertung des «Gesamtsystems Flughafen» und wird zu einem Anziehungspunkt, auch für Nicht-Flugreisende. Es entsteht in Kloten eine zweite Stadt mit einem breiten Angebot und vielen interessanten Arbeitsplätzen. Von der Aufwertung des dahinterliegenden Parks werden weitere Kreise profitieren. Wenn es uns gelingt, diesen an unsere Wohngebiete anzuschliessen, bringt dies einen deutlichen Mehrwert für ganz Kloten.

 

Ich freue mich, die moderne Architektur aus der Nähe zu bestaunen und natürlich auf viele neue Arbeitsplätze, attraktive, lebende Räume mit hoher Aufenthaltsqualität, hochstehende Gastronomie und vor allem auf die vielen Besucherinnen und Besucher aus Nah und Fern. Auch der Park, das Universitätsspital, die Konferenzräume, das erstklassige Hotelangebot werden ein Gewinn für die ganze Region sein. Und wenn ich dann einige Jahre später mit der Glattalbahn vom Stadtzentrum Klotens direkt vor das Eingangsportal von The Circle fahren oder über eine Brücke zu Fuss oder mit dem Velo hinfahren kann, stimmt alles.

Franco Savastano, CEO Jelmoli – The House of Brands, Zürich

Jelmoli hatte verschiedene Standorte für potentielle Expansionspläne evaluiert, um Skalen- und Synergieeffekte besser zu nutzen. Am Projekt The Circle  haben uns die Vision und der Standort überzeugt. Der Flughafen Zürich wächst rasant und ist bereits heute ein wichtiger Retail-Standort. Jelmoli wird nicht nur im The Circle präsent sein, sondern auch mit je einem Shop im Airport- und Airside-Center. 

Die Positionierung von The Circle, das Markenumfeld und der Mix von Business und Leisure hat uns überzeugt. Mutige Entscheidungen in Bezug auf Standorte haben bei Jelmoli Tradition: Als 1899 der Glaspalast an der Bahnhofstrasse eröffnet wurde, war die Bahnhofstrasse noch keine Einkaufsstrasse, sondern wurde unter anderem auch dank Jelmoli erst dazu. 

 

Wir versprechen uns einen Mehrwert: Wir können unsere Marke an diesem Standort neuen Zielgruppen – sowohl lokalen als auch internationalen Besuchern – bekannt machen, die nicht in der Zürcher Innenstadt unterwegs sind. The Circle ist für uns ein Innovationstreiber. In den neuen Stores können wir neue Ideen und Konzepte realisieren und Jelmoli so nachhaltig weiterentwickeln.

 

Das ganze Jelmoli-Team freut sich besonders darauf, dass wir mit und dank dem neuen Standort am Flughafen unsere Marke Jelmoli stärken und positiv weiterentwickeln können und unseren Gästen in den drei Brand Houses aber auch im Airport-Center und Airside-Center ein einzigartiges Einkaufserlebnis anbieten werden.

Peter Fulton, Group President, Hyatt International (Europe Africa Middle East) LLC

Der Flughafen Zürich ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte in Europa mit jährlich rund 27 Millionen Reisenden. Für Hyatt bietet sich mit diesem Standort eine grosse Chance, unsere Präsenz in der Schweiz zu erhöhen und bei den Reisenden deutlich bekannter zu werden.

The Circle wird Zürichs zweites Stadtzentrum – eine lebhaftes neues Dienstleistungs- und Geschäftszentrum. Wir sind glücklich, dass wir darüber hinaus auf den Erfolg unseres berühmten Park Hyatt Zürich aufbauen sowie auf den Bekanntheitsgrad der Marke Hyatt in der Schweiz Nutzen ziehen können.

Hyatt hat gerade seinen 60. Geburtstag gefeiert. Wachstum ist ein wichtiges Thema für uns. Dass wir ein Teil des wachsenden und dynamischen Airports wie hier in Zürich sein dürfen, ist unglaublich aufregend. Ausserdem werden wir nicht nur unsere beiden Hotels, Hyatt Place und Hyatt Regency Zurich Airport hier eröffnen, sondern auch Zürichs grösstes Convention Center mit 5000 Quadratmetern Gesamtfläche. Das macht uns sehr stolz.

Nach der Fertigstellung des Hyatt Regency, Hyatt Place Zurich Airport sowie des Convention Centers 2020, freuen wir uns, damit einen weiteren Ort für grosse Events zusätzlich zum Hyatt Regency Paris Etoile bieten zu können. The Circle wird für die Schweiz und für die Stadt Zürich ein Gewinn sein. Wir sind froh, ein Teil dieses Projekts zu sein.

Prof. Dr. med. Gregor Zünd, Vorsitzender der Spitaldirektion und CEO Universitätsspital Zürich

Das USZ hat sich für den Standort entschieden, weil die Flughafen­region seit Jahren das dynamischste Wachstumsgebiet im Wirtschaftsraum Zürich ist. Der Flughafen bildet die Verkehrsdrehscheibe dieser Region und ist hervorragend an das schweizweite Bahn- und Strassennetz angebunden. Von Zürichs Zentrum aus ist der Flughafen in wenigen Minuten erreichbar.

Das USZ behandelt Jahr für Jahr mehr Patientinnen und Patienten. Gleichzeitig steht dafür seit über 30 Jahren die gleiche Fläche zur Verfügung. Mit der Eröffnung des neuen Standorts USZ Flughafen im Jahr 2020 schafft das Spital den notwendigen Raum für seine Entwicklung: Auf rund 11000 Quadratmetern entsteht im Gebäudekomplex The Circle ein Gesundheitszentrum für ambulante Medizin – mit diversen Tageskliniken, Spezialsprechstunden, einer klinischen Forschungs­abteilung sowie einer Permanence für leichte, aber dringliche Gesundheitsprobleme.

Dank des Fortschritts der Medizin können immer mehr Patienten ambulant behandelt werden. An unserem zusätzlichen Standort USZ Flughafen haben wir die Chance, die ambulante Medizin neu zu gestalten. Wir freuen uns sehr darauf, im Frühjahr 2020 die ersten Patienten zu behandeln.

Christoph Lang, Geschäftsführer Flughafenregion Zürich

The Circle ist ein Ort der Begegnung, der jeden Tag Tausende von Leuten anziehen wird, Arbeitnehmer wie auch Kunden und Gäste. Die Flughafenregion profitiert von diesem Leuchtturm-Projekt in vielerlei Hinsicht. Sei es der neue Kongress-Standort mit Hotels und erstklassigen Restaurants oder auch die hochmodernen Arbeitsplätze, innovativen Geschäftsflächen und das Gesundheitszentrum des Unispitals. Die Kombination von The Circle ist einzigartig und strahlt weit über die Flughafenregion hinaus. Wir hoffen, im Jahr nach der Eröffnung unser Jahreshighlight, das Wirtschaftsforum, mit mehr als 500 Gästen im The Circle durchführen zu können. Auf diesen Höhepunkt freuen wir uns alle schon jetzt.

The Circle – Zürichs neue Adresse am Airport

Die Grundsteinlegung des Grossbauprojekts The Circle erfolgte am 24. März 2017 in Anwesendenheit des renommierten Architekten Riken Yamamoto. Er skizzierte die architektonische Vision von The Circle einst auf eine gewöhnliche Papierserviette. 2020 soll Zürichs neue Destination dann als Ort mit neuem Nutzungsmix und zahlreichen Dienstleistungen auf einer Gesamtfläche von 180 000 m2 eröffnet werden.

 

 

VZH