Donnerstag, 17. Januar 2019 5:29 Uhr
Axel Martens, Der erste Porsche 2, Baujahr 1950, Hamburg, 2009. (Fotos: zVg, Fotostiftung Schweiz)

Drive in

Bildhalle Längst sind Automobile für uns zur Selbstverständlichkeit geworden. Manche sehen sie als alltägliche Notwendigkeit, für andere sind sie Luxusobjekte und Liebhaberei. In Kilchberg werden sie kommenden März zum Zentrum der Aufmerksamkeit.

 

Text Annina Haller

 

Ein Auto ist viel mehr als ein blosses Fortbewegungsmittel. Es ist Leidenschaft, Rückzugsort, Liebesnest, ein Zeichen von Wohlstand und Unabhängigkeit. Dass es auch ein attraktives Fotomodell ist, zeigt die kommende Ausstellung «Drive In», die die Bildhalle in Kilchberg in Kooperation mit der Galerie Esther Woerdehoff in Paris kuratiert.

 


Gruppenausstellung

Esther Woerdehoff und Mirjam Cavegn haben mit «Drive In» eine bildgewaltige Ausstellung zahlreicher Fotografen zusammengestellt. Nachdem sie im Oktober letzten Jahres in der Galerie Esther Woerdehoff startete, wird die Ausstellung nun vom 5. März bis zum 30. April 2015 in der Bildhalle in Kilchberg zu sehen sein. Gezeigt werden Werke von namhaften Künstlern, darunter auch von einigen, die Mitglied der unabhängigen Foto- und Fotografenagentur Magnum Photos sind oder waren: René Burri, Chien-Chi Chang, Elliott Erwitt, Leonard Freed, Inge Morath und Buzz Uzzle. Neben diesen stehen Werke von Michael von Graffenried, Claudia Imbert, Simone Kappeler, Jason Langer, Xavier Lambours, Tobias Madörin, Bruno Augsburger, Axel Martens, Emil Schulthess, Louis Stettner, Sam Shaw, Arthur Tress und Raffael Waldner im Zentrum.

 


Magnum

Magnum Photos wurde 1947 in Paris gegründet. Die Nachkriegszeit erwies sich als guter Nährboden für die Gründung und Verwirklichung dieses Fotografenkollektivs. Die Kriegsfotografie war zu dieser Zeit mit Prestige behaftet und neue Illustrierte wie das «Life Magazine» oder die «Time» trieben den Bedarf an guten und spektakulären Bildern in die Höhe. Berichte über Krisengebiete waren ebenso gerne gesehen wie Reportagen über fotografisch unerschlossene Gebiete der Welt. Die Fotografen von Magnum hatten dabei das Ziel, als eine Mischung von Künstler und Reporter zu dienen. Die Freiheit, immer auch eigene Projekte zu realisieren, war jedoch stets eine Prämisse der Fotografen.

Der zweite Weltkrieg brachte der Welt nicht viel mehr als Zerstörung. Umso mehr wurden die Fotografen von Magnum davon angetrieben, dass die Welt trotzdem noch irgendwie überlebt hat. Sie liessen die Gedanken über die Dinge, die nicht mehr existierten, hinter sich und konzentrierten sich mit viel Neugierde auf diejenigen, die es noch taten. Bild­motive waren daher ganz alltägliche, realitätsnahe, aber auch ungeschönte Objekte, Themen und Menschen. Themen, die Magnum interessierten, waren beispielsweise das familiäre Leben, Drogen, Religion, Armut, Verbrechen und die Strasse. Doch alles soll fotografisch ansprechend inszeniert sein.

 


The American Dream

Nach dem Fall kommt der Aufstieg. Auch nach dem Krieg musste es so sein. Das Auto spielt dabei eine nicht unwichtige Rolle, was sich auch in den Inszenierungen der Ausstellung «Drive In» zeigt. Als Symbol des amerikanischen Traums und dem damit verbundenen Aufstieg der Mittelklasse im 20. Jahrhundert ist das Auto seit den Fünfzigerjahren in der Fotografie allgegenwärtig. In Amerika, aber auch anderen Teilen der Welt, ist das Auto nicht mehr wegzudenken. So erstaunt es nicht, dass die Fotografen der in Kilchberg ausgestellten Bilder zwar aus verschiedenen Ländern stammen, sich aber alle mit ein und demselben Objekt auseinandersetzen. So stehen sich also beispielsweise Werke vom Zürcher René Burri, dem Amerikaner Eliott Erwitt und von Chien-Chi Chang aus Taiwan gegenüber. So verschieden die Auseinandersetzungen mit diesem Fahrzeug in der Ausstellung «Drive In» sind, so unterschiedlich werden auch die Assoziationen sein, die jede Besucherin und jeder Besucher mit dem Auto verbindet. Denken auch Sie darüber nach, was dieses Fahrzeug, das für uns zum Alltag geworden ist, für Sie bedeutet, wenn Sie die Ausstellung besuchen.


www.bildhalle.ch

VZH