Donnerstag, 21. September 2017 16:05 Uhr
Das Messer-Set «Colori» und der Dampfkochtopf «Duromatic» der neueren Generation. Bilder: zVg

Rikons Hit

Kuhn Rikon AG Seit 1926 produziert das Unternehmen Pfannen und Kochtöpfe im zürcherischen Tösstal. Viele verbinden die Erfindung des Dampfkochtopfs mit dem Namen der Firma. Dieser bleibt auch nach über 
60 Jahren ein Erfolgsprodukt.

 

Text Roman Brauchli

 

 

Ein richtiger Hit, der dem Bedürfnis der Zeit entsprach. Das schafft man nicht jedes Jahr. Darum ist der bereits 1949 lancierte Schnellkochtopf «Duromatic» noch immer eines der erfolgreichsten Produkte der Kuhn Rikon AG. 20 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes erzielt das Unternehmen nach wie vor mit dem bereits über 60-jährigen Klassiker. Dessen Markteinführung war denn auch der Startschuss für die erfolgreiche Exporttätigkeit des Tösstaler Unternehmens. Doch man setzt weiterhin auf die Marke und den Produktionsstandort Schweiz: Noch immer werden sämtliche Dampfkochtöpfe im zürcherischen Rikon gefertigt.


Damals, 1949, als Firmeninhaber Jaques Kuhn den «Duromatic» auf den Markt brachte, traf er den Nerv der Zeit. Die Wirtschaft brummte in den Nachkriegsjahren, Familien konnten es sich vermehrt leisten, dass jemand – meist die Frau! – zu Hause blieb und sich um Haushalt und Küche kümmerte. Der Stellenwert von guter Hausmannskost stieg und damit auch das Bewusstsein für Gesundheit und eine ausgewogene Ernährung. Das Schongarverfahren im Dampfkochtopf entsprach der Nachfrage der Zeit. Schnell wurde der «Duromatic» zum Renner und der Name zum Inbegriff für Dampfkochtöpfe überhaupt.

 

Innovativ bleiben
Inzwischen hat sich die Produktepalette merklich erweitert: Rüst- und Brotmesser,  Haushaltsscheren, Salatbesteck, Brat- und Wok-Pfannen, farbiges Kochgeschirr, Teigwarentöpfe und viele weitere Kochutensilien und Küchenhelfer. Dabei ging es natürlich immer auch darum, mit der Zeit und den sich verändernden Kochtrends Schritt zu halten. 1975 konnte Kuhn Rikon mit dem «Durotherm» eine weitere Innovation präsentieren. Das erste doppelwandige Kochgeschirr erfüllte einen dreifachen Zweck: Als Kochtopf, Serviergeschirr und zum Warmhalten. Auch diese Neuentwicklung  hat die veränderten Lebensgewohnheiten aufgenommen.


Mit dem 2016 lancierten «Duromatic Comfort» hat man den Kochtopf ins digitale Zeitalter geholt. Der Dampfkochtopf der nächsten Generation verfügt über Temperatursensoren, Blue-
tooth und informiert per App-Mitteilung über den Garzustand des Garguts. Doch womöglich zählen beim Kochen und gemeinsamen Essen andere Werte. Zement zum Beispiel. Geschäftsführer Tobias Gerfin glaubt jedenfalls, dass man mit dem «Hotpan Monument» wiederum im Trend liegt. «Neue Materialien können grosse Begeisterung auslösen», sagt er. Das Kochgeschirr aus Beton entspreche dem Zeitgeist. Ein Indiz dafür, dass er damit nicht Unrecht haben könnte, sind die zahlreichen Design Awards, die Kuhn Rikon für seine Produkte schon gewonnen hat.

 

Stabilität zählt doch
Doch auch das Familienunternehmen aus dem Tösstal kennt schwierigere Zeiten. Nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die SNB musste die Wochenarbeitszeit von 40 auf 42 Stunden erhöht werden. Zum Glück nahm die Belegschaft dies mit viel Verständnis auf, wie Daniel Obrist, Leiter Dienste, erklärt. «Unsere Mitarbeitenden zeigten eine überdurchschnittliche Loyalität und Identifikation mit der Firma. Während eines Jahres mussten wir die Arbeitszeit erhöhen – ohne finanzielle Vergütung.» Die Mitarbeiterzufriedenheit kommt nicht von ungefähr. Die Personalstrategie setzt konsequent auf eine gute Vereinbarkeit von Beruf- und Privatleben.


Für CEO Tobias Gerfin, ist auch die Stabilität ein Trumpf, wie sie ein inhabergeführtes Unternehmen mit sich bringt. Dies, und natürlich qualifizierte Mitarbeitende, garantiere, dass man künftige Herausforderungen meistern werde.

Tobias Gerfin, seit 2013 CEO der Kuhn Rikon AG.

«Der Dampfkochtopf 
bleibt ein tolles Produkt»

 

Tobias Gerfin, CEO der Kuhn Rikon AG, leitet das Zürcher KMU seit 2013. Für ihn ist klar: 
Der Erfolg verdankt sich den hochwertigen funktionalen Produkten. Der erste Duromatic begründete das Wachstum der Kuhn Rikon. Wie wichtig ist der Dampfkochtopf immer noch für Kuhn Rikon?

Seit 1949 ist der Dampfkochtopf ein sehr wichtiges Produkt von Kuhn Rikon. Heute erzielen wir damit knapp 20 Prozent unseres globalen Jahresumsatzes. Die Dampfkochtöpfe werden alle in der eigenen Produktion mit mehr als 40 Mitarbeitenden in Rikon hergestellt. Auch wenn sich die Welt des Kochens immer weiterentwickelt, bleibt der Dampfkochtopf dank seiner Effizienz und der gesunden, schonenden Zubereitungsart ein tolles Produkt für die Küche.

 

Der Duromatic Comfort, Gewinner des iF Design Awards 2016,  hat Temperatursensoren, Bluetooth und informiert per App über 
den Garzustand. Welche Entwicklungen im Produktebereich stehen an?

Seit über 90 Jahren ist es das Ziel von Kuhn Rikon, Produkte zu entwickeln, die einem das Leben und den Alltag in der Küche vereinfachen und 
dazu noch Freude machen. Dabei spielten digitale Elemente bisher eher eine untergeordnete Rolle. Neue Materialien können dagegen grosse Begeisterung auslösen. So lancieren wir dieses Jahr den «Hot Pan Monument» – eine starke Kombination 
von Softgar-Geschirr, hergestellt aus dem modernen Werkstoff Zement.

 

Die Kuhn Rikon stand auch schon in der Kritik wegen ihres angeblich irreführenden Labels «Swiss Design». Das Schweizer Kreuz führt Kuhn Rikon im Firmenlogo. Wie schweizerisch sind die Produkte tatsächlich?

Kuhn Rikon ist seit 1926 im Töss-
tal zu Hause. 75 Prozent der 240 Mit­arbeitenden arbeiten in der Schweiz. Deshalb sind wir stolz auf das Schweizer Kreuz im Firmenlogo. 
In den letzten 15 Jahren haben wir eine eigene Design- und ­Entwicklungsabteilung mit zehn ­Mitarbeitenden in Rikon aufgebaut. Diese kreieren neue Produkte 
und legen unsere Qualitätsniveaus 
fest – unabhängig davon, wo 
die Produkte gefertigt werden. Dadurch gewährleisten wir, 
dass alle unsere Produkte hohen An­forderungen genügen. Insgesamt erzielen wir knapp ein Drittel unseres Umsatzes mit Produkten, die in der Schweiz hergestellt werden. Diese – und nur diese – weisen wir gemäss der neuen Swissness-Gesetzgebung mit dem Schweizer Kreuz aus.

 

Lokal verankert, global tätig. 
Wohin steuert die Kuhn Rikon AG?

Wir vermarkten in über 40 Ländern weltweit Kochgeschirr und Küchenhelfer. Unsere Produkte und Innovationen werden in allen Weltregionen sehr geschätzt und wir erhalten regelmässig Auszeichnungen für unsere Arbeit. Gleichzeitig investieren wir mehrere Millionen Franken in den Standort Rikon, um auch in Zukunft im Tösstal erfolgreich produzieren zu können. Diese vielfältigen Aufgaben sind für ein KMU in einem wirtschaftlichen Umfeld mit starken und schnellen Veränderungen eine tägliche Herausforderung. Dank der Stabilität einer Familiengesellschaft und qualifizierter Mitarbeitenden sind wir sehr gut aufgestellt, um die kommenden Jahre erfolgreich zu gestalten.

VZH