Montag, 18. Dezember 2017 8:12 Uhr
Agilität ist für Unternehmen nicht nur notwendig, sie fördert auch die Wettbewerbsfähigkeit. Foto: depositphotos.com/Alphaspirit

Agilität als Katalysator

 

Transformation  Business-Transformation ist überlebenswichtig, um immer anspruchsvoller werdenden Kunden einen Mehrwert zu bieten. Alte Modelle haben ausgedient, neue, agile Methoden sind entscheidend für den Erfolg. Warum Agilität der Schlüssel zur Transformation des gesamten Geschäfts ist und Führungskräfte mit gutem Beispiel vorangehen sollten, beleuchtet Rui Martins, Country Manager der CA Technologies Switzerland.

 

Text Rui Martins

 

Wenn Unternehmen auf den schnelllebigen, modernen Märkten von heute bestehen wollen, müssen sie ihre Geschäftsstrategien ändern und den Kunden in den Mittelpunkt stellen sowie ihre Aufgaben nach anderen Priori­täten ordnen. Sie brauchen ein neues Betriebskonzept, das kleinen Teams die Zusammenarbeit ermöglicht, damit sie den Kunden fortlaufend einen Mehrwert liefern können und welches es Führungskräften ermöglicht, klare Visionen vorzugeben, an denen sich alle ausrichten können. Diese ganze Business-Transformation ist kein unnützer Schnickschnack, sie ist notwendig um zu überleben. 

 

Klingt extrem? Unternehmen müssen sich wandeln, weil sich der Markt gewandelt hat. Die Kunden fordern Funktionen, die ihnen lieb geworden sind, von Produkten, die ständig besser und intelligenter werden. Wenn sie diese nicht bekommen, dann gibt es immer ein anderes Produkt, welches auf sie wartet. Denn die Produktentwicklungszyklen verkürzen sich ständig, neue Technologien und Märkte ent­wi­ckeln sich immer schneller und Mitbewerber stellen laufend ganze Industrien auf den Kopf. Die Art und Weise, wie Kunden Produkte kennenlernen, kaufen und sich mit ihnen identifizieren ändert sich. Die Welt wird immer komplizierter. Die alten Modelle können da nicht mehr mithalten.

 

Das neue Businessmodell ist nicht einfach ein geänderter Prozess und auch nicht nur eine einfache Entwicklungsmethodik. Das neue Modell ändert von Grund auf die Art und Weise, wie Ihr Unternehmen denkt, handelt und interagiert.

 

Agilität und DevOps in Kombination

Verstärkte Zusammenarbeit kann bereits kurz vor dem Punkt beginnen, an dem den Kunden Produkte geliefert werden. Dann nämlich, wenn ein Unternehmen agile Entwicklung und DevOps kombiniert. Dabei handelt es sich um ein Vorgehen, von dem wir schon lange wissen, dass es zur Beschleunigung des Wandels beitragen kann. Der grosse Vorteil der Paarung dieser Verfahren mit den Menschen liegt darin, dass man sie so über die reine IT-Entwicklung hinausreichend in die gesamte Kultur einer Organisation einbinden kann und damit ein Umfeld schafft, das besser auf Kundenwünsche und Massnahmen von Mitbewerbern reagieren kann. 

 

In der bisherigen Praxis war es so, dass die Teams, die ein Produkt entwickeln und die operativen Teams, die es ausrollen, in ihren jeweiligen «Silos» sassen, wodurch eine unnötige Mauer zwischen diesen beiden Gruppen geschaffen wurde. Daraus resultierte, dass der Programmcode ohne wirkliche Kooperation hin- und hergeschoben wurde. Agilität und DevOps in einer symbiotischen Beziehung zeitigen bessere Resultate: DevOps erhöht die Effektivität von Agilität durch Teamwork und Kommunikation, während Agilität als Katalysator für DevOps dafür sorgt, dass die Versprechen von höherer Geschwindigkeit und Qualität eingehalten werden. Wenn man diese Teams synchronisiert, kann die Mauer niedergerissen werden: Dies führt zu verbesserter Kommunikation und Zusammenarbeit, was wiederum bessere Produkte in kürzerer Zeit zur Folge hat. 

 

Einer von CA Technologies im Jahr 2016 durchgeführten Studie zufolge stimmen 68 Prozent der Schweizer Unternehmen der Aussage zu, dass agile Methoden und DevOps entscheidend für den Erfolg der digitalen Transformation sind. Für die Studie «DevOpsAccelerating Velocity and Customer Value with Agile and DevOps» wurden 1770 höhere Führungskräfte aus Geschäftsführung und IT befragt, davon 695 aus der Region EMEA. Sie gaben Auskunft über ihre Einstellung zu agilen und DevOps-Methoden und über die Wirkungen dieser Methoden auf ihre Unternehmen.

 

Die Studie zeigt unter anderem, dass 63 Prozent der Schweizer Unternehmen, die agile Methoden einsetzen, eine Verbesserung der Kundenerfahrungen wahrnehmen und ein Ertragsplus von 34 Prozent durch neue Geschäftsabschlüsse verzeichnen. Die Nutzer von DevOps-Methoden melden bei der operativen Effizienz einen Anstieg von 31 Prozent und eine Senkung der IT-Kosten in entsprechender Höhe.

 

In der Application Economy werden Marken durch das einzigartige und sich ständig weiter entwickelnde digitale Erlebnis definiert, das sie ihren Kunden anbieten. Bei agilen Methoden fliesst das Wort des Kunden häufig und zeitig in den Entwicklungszyklus ein, sodass die Produkte auf der Basis fortlaufenden Feedbacks stetig weiterentwickelt werden. DevOps-Methoden fördern die Zusammenarbeit zwischen Entwicklung und Operation und verbessern dadurch Geschwindigkeit und Qualität der Anwendung sowie die Auslieferung des Produkts. Diese Studie belegt, dass DevOps und agile Methoden eine leistungsstarke Kombination zur Steigerung der Erträge sind.

 

Agilität als Kulturwandler

Ein nächster Schritt besteht darin, Agilität bei der Transformation des gesamten Geschäftsportfolios richtig einzusetzen, nicht nur als etwas, mit dem man technische Betriebsabläufe, Produktentwicklung und Auslieferung verbessert. Immer häufiger profitieren Unternehmen von agilen IT-Einführungen und davon, dass diese Verfahren über das gesamte Unternehmen hinweg angewendet werden, im Marketing, im Finanzbereich, dem HRM und sogar im Geschäftsleitungsteam. Ein agiles Unternehmen ist eines, das in der Lage ist, sich auf seine wichtigsten Prioritäten zu konzentrieren und das den Veränderungen des Marktes voraus ist oder schnell darauf reagieren kann.

 

Das bedeutet, dass sich die Unternehmenskultur weiterentwickeln muss. Nicht zu Unrecht besagt ein bekanntes Sprichwort, dass der Fisch am Kopf zu stinken beginnt. Ich habe viele Fälle gesehen, in denen die Umsetzung von Agilität verzögert wurde oder fehlgeschlagen ist, weil zwar die Entwickler agile Methoden angenommen hatten, die Führungskräfte sich jedoch nicht an ein neues Mindset gewöhnen konnten, welches die Kollaboration anstelle von Steuerung und Kontrolle in den Mittelpunkt stellt.

 

Ein Unternehmen wird sich nicht ändern, wenn die, die es führen, sich nicht ändern. Genauso wenig wird es sich ändern, wenn den Mitarbeitenden nicht Mechanismen zur Verfügung stehen, um ihre Verhaltensweisen zu ändern. Veränderungen sind unbequem, aber ein Unternehmen führen bedeutet, den Menschen, die in der ersten Reihe stehen, die direkt mit dem Kunden arbeiten und die die Veränderungen in den Märkten spüren, die notwendigen Mittel zu erfolgreichem Agieren zur Verfügung zu stellen. Um dies tun zu können, müssen Führungskräfte:

 

– transparent sein

In vielen Organisationen, in denen nach dem Führungsprinzip gearbeitet wird, bedeutet Wissen Macht, eine Macht, die einige Führungskräfte nur sehr zögerlich teilen. Diese Art von Haltung steht im direkten Gegensatz zu einer agilen Mentalität. Unternehmensführer müssen vollkommen ehrlich mit ihren Mitarbeitern sein, müssen ihren Teams die Informa­tionen anvertrauen, die diese für ihre Arbeit benötigen.

 

– Die Zusammenarbeit verstärken

Unternehmensführer sollten Supporter einer agilen Transformation sein und Mitarbeitende in verschiedenen Teams zusammenbringen und diese Kultur der Zusammenarbeit stärken. Manager dürfen nicht länger nur Aufgaben delegieren und sich dann zurückziehen. Im Gegenteil, sie müssen sich mit den Tools, Verfahren und der Terminologie der Agilität vertraut machen, um einen Beitrag zur Organisation und zum Aufbau von Teams und Teamwork zu leisten, wodurch Ziele vorangebracht und Baustellen beseitigt werden.

 

– Agilitäts-Botschafter identifizieren 

Jedes Unternehmen braucht Agilitäts-Botschafter, egal ob diese aus den eigenen Reihen oder von aussen kommen. Wenn sich dafür keine geeigneten Persönlichkeiten im Unternehmen selbst finden, sollten man über das Engagement von Agilitätsberatern und -trainern nachdenken. Agilitätstrainer lehren agile Verhaltensweisen und Verfahren und ermutigen dazu, diese anzuwenden. Die Unternehmensführung kann dabei behilflich sein, ein Drehbuch für neue Standards und Best Practice-Verfahren zu entwerfen, indem die beschränkten Ressourcen eines Unternehmens auf die Aktivitäten mit dem höchsten Wert fokussiert werden.

 

Agilität erlaubt es jedem, sich ins beste Licht zu stellen. Wenn Mitarbeitenden mithilfe von agilen Verfahren die Möglichkeit gegeben wird, sich frei den Gegebenheiten anzupassen und Risiken einzugehen, dann sind sie dadurch nicht nur glücklicher, sondern können auch mehr leisten, besser auf Kundenwünsche eingehen und ihren Arbeitgeber dabei unterstützen, dem Wettbewerb einen Schritt voraus zu sein.

Der Autor

 

Rui Martins ist seit Juli 2016 Country Manager des Technologieriesen CA Technologies für die Schweiz. Er war zuvor Global Account Direktor bei CA Technologies in Spanien. Martins startete seine Karriere im Unternehmen schon vor zehn Jahren als Account Manager in Portugal. Zuletzt war er bei den für CA strategischen Accounts als Global Account Director in Spanien tätig. Erfahrungen in Führungspositionen konnte er unter anderem bei Novabase, General Electrics sowie bei Fujitsu sammeln.

VZH