Samstag, 16. Dezember 2017 9:53 Uhr
Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz wirkt sich nicht nur auf die Mitarbeitenden, sondern auf das ganze Unternehmen positiv aus. Foto: iStock/andresr

Alle gesund, Unternehmen gesund

 

Gesundheit im Betrieb  Der berufliche Alltag ist anspruchsvoll, der Arbeitsdruck auf Mitarbeitende steigt stetig. Um so wichtiger ist es, gesund zu bleiben. Ein gutes betrieb­liches Gesundheitsmanagement ist ­gewinnbringend für alle.

 

Text Inès De Boel

 

Dass motivierte Mitarbeitende der Schlüssel für einen andauernden Unternehmenserfolg sind, ist nicht neu. Wer die Leistungsfähigkeit seiner Belegschaft langfristig erhalten will, wird allerdings noch einen weiteren Faktor ins betriebswirtschaftliche Kalkül einbeziehen müssen: die Gesundheit seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie zu fördern wirkt sich im Idealfall nicht nur unmittelbar auf den Krankenstand aus, sondern im End­effekt auch auf die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens. Das gilt für alle Betriebsgrössen und Organisationsformen hinweg.

 

Gesundheit als strategischer Faktor

Unternehmen, die ein professionell geführtes Gesundheitsmanagement im Betrieb verankert haben, haben gute Chancen die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden zu fördern und deren Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz im positiven Sinne zu steigern. Die Arbeits- und Organisationspsychologin Corinne Baumgartner, geschäftsführende Partnerin der Conaptis AG, einem auf betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) spezialisiertes Beratungsunternehmen mit Sitz in Zürich erläutert: «Ein betriebliches Gesundheitsmanagement ist das geeignete Managementinstrument, um Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit, Motivation und Qualifikation von Mitarbeitenden durch altersdifferenzierte Massnahmen zu erhalten und zu fördern. Dabei wird die Gesundheit der Beschäftigten als strategischer Faktor in das Leitbild, die Kultur sowie die Strukturen und Prozesse der Organisation integriert.» 

 

Es geht hauptsächlich darum, gezielte Massnahmen der Gesundheitsförderung zu ergreifen, weil sie einen wesentlichen Beitrag leisten, die Stärken und Potenziale aller Mitarbeitenden gezielt zu fördern. Man darf nicht vergessen: Auch und gerade ältere Mitarbeitende profitieren von gesundheitsfördernden Massnahmen am Arbeitsplatz. Diese können wie folgt aussehen: Mit einer ergonomischen Gestaltung eines Arbeitsplatzes und der Arbeitsausführung ist schon viel gewonnen. Systematische Arbeitsplatzwechsel begünstigen eine Minimierung einseitiger Beanspruchung. Auch die mitarbeiterfreundliche Ausgestaltung von Arbeitszeitmodellen fördert die Gesundheit.

 

Gerade für KMU sinnvoll

In der Regel ist immer nur von grösseren Unternehmen die Rede, wenn es um die Frage des betrieblichen Gesundheitsmanagements geht. Es ist aber auch bei KMU möglich und sinnvoll. Denn gerade bei KMU wiegen Ausfälle und verminderte Arbeitsfähigkeit schwer. Das weiss auch Joe Studer, Geschäftsleitungsmitglied der Max Schweizer AG, die 2006 mit dem Preis für «Gesundheitsförderung im Betrieb» des Kantons Zürich ausgezeichnet wurde: «Betriebliche Gesundheitsförderung ist gerade in ökonomisch schwierigen Zeiten eine erfolgreiche Unternehmensstrategie, um die Konkurrenzfähigkeit von KMU zu fördern und zu verbessern.» 

 

Mittlerweile dürfen sich viele Schweizer Unternehmen über das Label «Friendly Work Space» freuen. Es zeichnet Betriebe aus, die ein systematisches und nachhaltiges betriebliches Gesundheitsmanagement betreiben, und signalisiert Beschäftigten wie Kunden, dass diese Unternehmen sich für ein gesundes Arbeitsumfeld und gesunde Mitarbeitende einsetzen. Dazu gehören etwa die Migros, PostAuto, die SV Group oder Kuhn Rikon usw. Aktuell sind 71 Organisationen erfolgreich geprüft und mit dem Label «Friendly Work Space» ausgezeichnet worden. Mit anderen Worten: Bereits mehr als 221 000 Angestellte profitieren vom systematischen Gesundheits­management und entsprechend optimierten Arbeitsbedingungen. 

VZH