Montag, 22. Oktober 2018 20:53 Uhr
Detlef Brose, CEO GRand Casino Baden, setzt auf Innovationen – beim klassischen Tischspiel wie auch im digitalen Bereich.
Ein Hauch von Las Vegas: im Grand Casino Baden warten über 310 Automaten darauf, von Glücksjägern geknackt zu werden.
Die Spielbank befindet sich seit 2002 im eleganten Badener Kursaal. (Fotos: zVg)

Auf gut Glück

Spielkasino  Die klassische Casinobranche steht unter Druck. Mit innovativen Spielen will das Grand Casino Baden der Konkurrenz aus Zürich und Online-Glücksspielen trotzen. Die grösste Spielbank der Schweiz glänzt neben Nervenkitzel rund ums Zocken mit einem attraktiven Rahmenprogramm und zahlreichen Events.

Interview Inès De Boel

«Baden im Glück» – Der Slogan, mit welchem das Grand Casino Baden seit ein paar Jahren um Besucher wirbt, verspricht eine Glitzerwelt mit Spiel, Spass und Spannung. Viele erhoffen sich, ihr Stück vom Glück zu holen. Dies gelang in diesem Jahr schon zwei Glückspilzen, die noch dazu richtig abräumten.

Ihre Innovationslust bewies die Spielbank diesen September mit der Einführung eines neuen Tischspiels namens «Black James», einem weltweit neuen Kartenspiel, das mit einem speziellen Tableau an einem klassischen Kartenspieltisch gespielt wird. Wie stark sich die Branche verändert hat und welche Herausforderungen es heute und in Zukunft zu meistern gilt, verrät uns CEO Detlef Brose im Interview.

 

Detlef Brose, das Grand Casino Baden ist eine Institution mit grossem Bekanntheitsgrad weit über die Stadt und Region hinaus. Was sind Ihre Erfolgsfaktoren?

Es gibt mehrere Gründe, die das Grand Casino Baden auszeichnen. Sicher ist ein Punkt der Charme des historischen Gebäudes sowie dessen innenarchitektonische Gestaltung. Aber ein noch grösserer Erfolgsfaktor ist unsere strategische Ausrichtung «House of Entertainment». Unsere Gäste schätzen neben dem Ambiente und dem Spielangebot auch die vielseitige Unterhaltung. Dies sind Promotionen im Spielsaal oder Veranstaltungen, in der mit dem Casino direkt verbundenen Eventlocation «Club Joy». Vom klassischen Entertainment wie z.B. Konzerte, Musikfestivals, Talkshows und Comedy über Partys oder spezielle Angebote wie Seniorenlotto und Entertainment-Dinner ist für jeden Geschmack etwas dabei. Abgerundet wird dieses Unterhaltungsangebot von unserer Gastronomie. Im Spielbereich setzten wir neben dem vergleichsweise recht homogenen Automatenangebot auf eine vielfältige und spannende Produktpalette im Grand Jeu. Dafür entwickeln wir auch selbst Spiele, wie zuletzt das Würfelspiel «Big Shot» oder die Black Jack-Variante «Black James». Zudem ist unser Pokerangebot mit über 350 jährlichen Turnieren das weitaus grösste in der Schweiz. Und nicht zuletzt können wir auf sehr gute und motivierte Mitarbeitende zählen, die Tag für Tag mit hoher Service- und Fachqualität im Grand Casino Baden präsent sind.

 

Sie sind seit über 30 Jahren in der Spielbankenbranche tätig. Wie hat sich die Branche in dieser Zeit verändert?

Als ich in der Branche meine Tätigkeit als Croupier begann, wurde der Hauptumsatz mit dem klassischen Spiel, also an den Spieltischen, Roulette und Kartenspielen, erzielt. Das änderte sich zunehmend ab den 1990er Jahren mit immer attraktiveren Automaten- angeboten und zugehörigen Jackpots. Heutzutage erwirtschaften die Schweizer Casinos ca. 80 Prozent mit den sogenannten Slot-Machines. Die Slots haben aufgrund der kurzen Spieldauer, hohen Gewinnmöglichkeiten bei gleichzeitig niedrigen Einsatzmöglichkeiten bzw. Hemmschwellen und permanenten Innovationen einen Vorteil gegenüber den klassischen Spielen. Dennoch glaube ich an die Zukunft des Tischspiels und dessen generelle Attraktivität. In den 80er Jahren bestanden auch die meisten grossen Casinos aus einem Spielbereich mit Bar, maximal ergänzt mit einem Restaurant. Heute gehören Events und weitere Unterhaltungsan- gebote aus meiner Sicht zwingend zu einem attraktiven und damit erfolgreichen Casino.

 

Wie nehmen Sie die aktuelle Marktsituation in der Casino-Branche wahr?

Die Branche hat zuletzt in zahlreichen europäischen Ländern erhebliche Umsatzverluste hinnehmen müssen. Auch in der Schweiz ging der Bruttospielertrag seit 2007 um einen Drittel zurück. Die Ursachen hierfür sind vielfältig: Neben Rauchverboten, Eurokrise und teilweise unsinnigen aufsichts- rechtlichen Verschärfungen sind die Hauptgründe die immer weiter fort- schreitende Ausdehnung des Online-Gaming und besonders in der Schweiz die Ausuferung des illegalen Spiels. Grotesk ist dabei, dass der Konzessionsgeber zur besseren Kontrolle und Steuermaximierung Oligopole schafft, diese mit hohen Spielbankenabgaben belegt und gegen die zum Teil mafiösen Betreiber der illegalen Etablissements viel zu wenig unternimmt. Immerhin wird nun mit dem neuen Geldspielgesetz das Online-Gaming auch in unserem Land endlich legalisiert. Somit ergibt sich die Schweizer Umsatzkrise nicht aus Gründen einer Marktsättigung, sondern ist vor allem auf regulatorische Eingriffe, zu späte Legalisierung des Online-Gaming und zunehmende Konkurrenz zurückzuführen.

 

Welche Auswirkungen hatte der Frankenschock von 2015 auf Ihr Unternehmen bzw. ihre Branche?

Da wir uns nicht in einer Region mit hohem Tourismusanteil befinden, traf uns die Aufwertung des Franken in Baden nicht so hart wie z.B. die Tessiner Casinos mit ihren zahlreichen italienischen Gästen. In unserem Bergcasino in Davos, an dem unsere Gruppe 90 Prozent der Aktien hält, verzeichneten wir jedoch Umsatzrückgänge von schätzungsweise 20 Prozent.

 

Mit welchen Innovationen stellen Sie sich der zunehmenden, rasanten Digitalisierung?

Die Entwicklungen der letzten Jahre zeigen, dass sich auch unsere Branche diesem Trend stellen, ja ihn sogar nutzen muss. Daher haben wir für das Grand Casino Baden im April dieses Jahres das Online Casino «Jackpots.ch» lanciert. Dies mit einer «Free-to-play»- Version, also einem Social-Casino, da das bestehende Spielbankengesetz derartige Geldspiele verbietet. Ob und wann wir in den Cash-Game-Bereich wechseln, hängt natürlich vom weiteren Verlauf des neuen Geldspielgesetzes ab. In jedem Fall werden wir uns für eine Schweizer Online-Konzession bewerben. Bis zum voraussichtlichen Inkraft- treten des neuen Geldspielgesetzes im Jahre 2019 werden wir unser neues Social-Casino als Marketinginstrument nutzen und von den Synergien zwischen den «On-» und «Offline»-Angeboten profitieren. Zudem möchten wir unser Know-how im Internet-Gaming weiter ausbauen, betriebsbezogene Erfahrungen sammeln und uns bestmöglichst auf die bevorstehende Konzessionierung vorbereiten.

 

Das Gebiet von Zürich bis Baden entwickelt sich seit einem Jahrzehnt äussert dynamisch. Vor ein paar Wochen starteten die Bauarbeiten zur Limmattalbahn in Schlieren ZH. Obwohl noch Zukunftsmusik, wird bereits über eine Weiterführung der Trasse bis nach Baden diskutiert. Ein starkes, wirtschaftliches Signal für das Grand Casino Baden?

Das ist richtig. Jede Stärkung unseres Einzugsgebietes, sei es mit verbesserter Infrastruktur, Wirtschaftswachstum oder Bevölkerungszuwachs ist für uns logischerweise positiv. Wie wichtig die verkehrstechnische Lage eines Casinos ist, zeigen die sehr negativen Auswirkungen auf unsere Umsätze seit Beginn des Umbaus der Badener Hauptkreuzung, dem Schulhausplatz, vor zwei Jahren. Wir sind froh, dass die dortigen Arbeiten in diesem Jahr endlich fertig werden.

 

Seit Kurzem gibt es eine Weltneuheit im Grand Casino Baden: Das Kartenspiel «Black James». Wie schaffen Sie es, immer wieder auf die richtigen Trends zu setzen?

In diesem Fall haben wir den Vorschlag eines Gastes angehört und zusammen diese Weltneuheit entwickelt. Wir besuchen aber auch regelmässig Casinomessen und schauen uns zudem die Angebote anderer Casinos in der ganzen Welt an. Manchmal bringt eine völlig andere Innovation eine zündende Idee. Zudem setzen wir auf die Innovationskraft unserer Mitarbeitenden.

 

Das Grand Casino Baden beschäftigt zurzeit 357 Mitarbeitern, es ist sozusagen ein typisches Schweizer KMU. Welche Eigenschaften Ihrer Mitarbeitenden schätzen Sie als besonders wertvoll ein?

Neben der generell vorhanden fachlichen Qualifikation loben unsere Gäste immer wieder die Servicequalität und damit Freundlichkeit unserer Mitarbeitenden. Als wir beim Esprix 2011 einen Preis im Bereich Kundennutzen gewannen, war dieser Punkt der Erfolgsgarant. Ich bin zudem stolz auf die Innovationskraft und den Ideenreichtum unserer Belegschaft.

 

Welche drei Eigenschaften beschreiben Sie als Unternehmer-Persönlichkeit am besten?

Zielstrebigkeit, Innovation und Menschlichkeit.

 

Was war Ihr bisheriges Highlight als Casino-Betreiber?

Das war die Eröffnung des Grand Casino Baden im Juli 2002.

 

Was macht Ihnen bei Ihrer Arbeit als Geschäftsführer besonders Freude? 

Spielentwicklungen und Gästeevents.

 

Was war die grösste Herausforderung, die Sie meistern mussten?

Als wir aus nicht nachvollziehbaren Gründen die Konzession Zürich im Jahr 2011 trotz der beiden besten Projekte nicht erhielten, mussten wir uns strategisch neu ausrichten. So modernisierten wir das Grand Casino Baden mit einem Budget von 8 Mio. Franken und stellten uns auf die nicht zu verhindernden Umsatzrückgänge in Höhe von 30 Prozent mit Kostenreduzierungen ein.

 

Wenn Sie die Wahl hätten: Automatenspiel oder klassisches Tischspiel? Welchem Spiel in Ihrem Haus können Sie nicht widerstehen?

Zurzeit wäre mein Favorit klar das neu lancierte Kartenspiel «Black James». Die von mir entwickelte Mathematik dieses Spiels würde ich zu gerne selbst testen.

 

Gibt es ein Projekt, das Ihnen am Herzen liegt und welches Sie unbedingt noch realisieren möchten?

Ich freue mich auf die Realisierung unseres Online-Casinos «jackpots.ch» auch als Cash-Game. Im klassischen Bereich würde ich mich gerne der Herausforderung stellen, diesmal in einer Weltstadt ein Casino zu planen und zu eröffnen.

Grand Casino Baden

Der Spielbetrieb des Grand Casino Baden erfolgte am 4. Juli 2002 im historischen Kursaal. Die Spielbank ist eine von derzeit sieben in der Schweiz, die von der Eidgenössischen Spielbankenkommission eine A-Konzession erhalten haben und somit eine unbeschränkte Anzahl von Tischspielen und Glücksspielautomaten angeboten werden darf. Die Höchsteinsätze sind unbegrenzt. 

Das Grand Casino Baden beschäftigt 357 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – die aus 30 verschiedenen  Ländern  stammen. Was das Spielangebot betrifft, liegt das Grand Casino  Baden mit 23 Tischen auf dem zweiten Platz. In Sachen Slotmachines nimmt es mit aktuell 331 Automaten den fünften Platz ein. Im Jahr 2016 konnte die Spielbank rund 332 000 Besucher begrüssen. Seit 2002 führt Detlef Brose Das Grand Casino Baden als CEO.

VZH