Freitag, 17. August 2018 3:27 Uhr
Mit Vielfalt und Inspirationen einen Garten ökologischer gestalten: im Bild ein Ga-La-Bauprojekt von Spross in Oberrieden.
Ga-La-Bauprojekt in Pfäffikon
Ga-La-Bauprojekt in Oberrieden
Spross Garten-Forum
Spross präsentiert sich an der Gartenmesse Giardina in Zürich (Fotos: © Spross)

Es grünt so grün

Spross-Gruppe  Vor 125 Jahren als Handelsgärtnerei in Zürich gegründet, wird die heutige Spross Holding AG in fünfter Generation von Natalie Spross Döbeli geführt. Ein Grundstein für den Erfolg des Familienbetriebs liegt für die Unternehmerin auf der Hand: Ob Kunde, Lieferant oder Mitarbeiter – der Mensch steht im Mittelpunkt. 

 

Text und Interview Inès De Boel

 

Der Garten ist die Seele des Menschen, sagt ein Sprichwort. Dies trifft seit 125 Jahren auf das Kerngeschäft des Garten- und Landschaftsbauunternehmens Spross zu. Schon beim Betreten des Hauptsitzes in Zürich-Wiedikon wähnt sich der Besucher in einem kleinen Birkenwald. Die Farben Grün und Braun dominieren, sie wirken sofort beruhigend und bodenständig. Natalie Spross Döbeli, seit bald fünf Jahren CEO der Spross-Gruppe und Nachfolgerin ihres Vaters Heinz Spross, bringt im Gespräch sofort einen wesentlichen Erfolgsbaustein des traditionellen Familienunternehmens auf den Punkt: «Was mich mit meinem Vater verbindet, ist die menschliche Komponente.» Für sie steht seit jeher der Mensch im Mittel­punkt. Gerade im Hinblick auf die Digitalisierung gelte es, sich intensiv mit dem Gegenüber zu beschäftigen, begründet die Unternehmerin ihre Aussage. «Ob es sich dabei um Kunden, Lieferanten oder Mitarbeiter handelt, ist egal. Wir wollen, dass sich jeder wahrgenommen fühlt».

 

Klares Rollenverständnis

Natalie Spross Döbeli ist nicht der Typ der einsamen Geschäftsführerin an der Spitze. Vielmehr versteht sich die Unternehmerin als Teamplayerin. Sie gibt offen zu, dass es einige Zeit in Anspruch genommen hat, bis sie ihr Rollenverständnis fand. «Ich bin zwar nicht von gewissen Themen im Betrieb überrascht worden, musste mir aber über meine Funktion klar werden», schildert sie. Spross Döbeli war sich bereits früh bewusst, dass das Familienunternehmen sehr viel Chancen bieten , aber ihr auch reichlich Pflichten auferlegen würde. Oft habe sie sich anfangs selbstkritisch gefragt, ob sie den Anforderungen auch genüge. 

 

Keine Frage: Natalie Spross Döbeli ist mit und im Unternehmen aufgewachsen. Als kleines Mädchen schob sie damals die Garette, pflanzte als Kantischülerin Setzlinge oder räumte das Archiv auf, während des Wirtschaftsstudiums arbeitete sie als Sachbearbeiterin in der Buchhaltung. «Aber dennoch kenne ich meine Firma nicht bis ins kleinste Detail, weil ich das Fachwissen in einzelnen Bereichen nicht habe», betont Spross Döbeli und stellt klar: «Ich bin fachlich auf mein Kaderteam angewiesen und sie für den Gesamtblick auf mich.» Natalie Spross Döbeli freut sich, dass sie heute ein eingespieltes Team seien, wo jeder genau vom anderen wisse, woran er sei.

 

Glaubwürdigkeit als Führungsstil

Die Spross-Gruppe, die neben dem Gartenbaubereich noch im Mulden- und Entsorgungsbereich sowie im Immobi­lien­sektor aktiv ist, versteht sich durch und durch als Familienunternehmen. Inhaberin Natalie Spross Döbeli meint damit vor allem die gesellschaftliche Verantwortung ihren Mitarbeitern und deren Familien gegenüber. So hat sie im Zuge des Übernahmeprozesses dafür gesorgt, dass das Unternehmen für die Zukunft weiterhin gut aufgestellt ist und effizient wirtschaftet. Im Gesamtunternehmen gibt es nun endlich eine einheitliche Software, die der Unternehmerin beispielsweise die kontinuierliche übergreifende Planung deutlich erleichtert. «Das bedeutet auch, dass alle Verantwortlichen in wichtige Entscheide eingebunden werden», definiert die Chefin ihren Führungsstil.

 

Dass das Gartenbauunternehmen sich vom alten patriarchalischen Füh­rungs­stil – wie ihn noch Spross Döbelis Grossonkel Werner H. Spross pflegte – schon unter der Ägide ihres Vaters Heinz verabschiedete, war kein Zufall, sondern der Zeit geschuldet. Die Unternehmerin fasst den Prozess zum neuen Führungsstil bildlich zusammen: «Wir sind von einem Hochhaus in eine Gartenwohnung gezogen. Es hat sich gelohnt.» Gartenarchitekt Heinz Spross lege wie sie selbst grossen Wert auf Teamarbeit – und auf Authentizität. Hier komme wiederum der gesellschaftliche Aspekt mit hinein, verweist Natalie Spross Döbeli auf die menschliche Komponente, die ihr so wichtig ist: «Ich kann nicht auf den Tisch hauen und den Macho machen. Das wäre nicht authentisch». Sie könne ihre Leute nur motivieren, wenn sie glaubwürdig sei.

 

Engagement für Wildbienen

Auch zum Thema Nachhaltigkeit hat Natalie Spross Döbeli eine klare Haltung. Mit dem Begriff selbst geht sie vorsichtig um, da er mittlerweile für alles herhalten müsse. Viel lieber macht sie sich konkret Gedanken, wie sich ökonomisches und ökologisches Handeln auf die Zukunft der kommenden Generation auswirkt. Da kam ihr ein Weihnachtsgeschenk einer befreundeten Architektin gerade recht: Diese vermachte ihr vor ein paar Jahren ein Häuschen für Wildbienen, welches sie im Garten aufstellte und für das sie sich eine Startpopulation zulegte. «Ich finde das sehr spannend. Vor allem meine Kinder können hierbei viel beobachten und lernen», schwärmt Spross Döbeli. 

 

Sie sei dann etwas später direkt von Wildbienenunternehmern, die ein grös­seres Wildbienenprojekt anstossen wollten, angesprochen worden. Da die Baumschule des Spross-Unternehmens aus wirtschaftlichen Gründen deutlich verkleinert werden musste, werden die freigewordenen Flächen nun für den kommenden Frühling zum Paradies für mehrere Bienenvölker parat gemacht. Natalie Spross Döbeli ist von der Idee überzeugt: «Wir wollen Interessierten die Natur mit ihrer Insektenvielfalt näherbringen und zeigen, dass man auch mit kleinen Veränderungen wie etwa mit Altholzstämmen einen Garten ökologischer gestalten kann.» 

 

Branche im Wandel der Jahreszeiten 

Mit Blick auf zukünftige Herausforderungen in der Gartenbaubranche zeigt sich Unternehmerin Natalie Spross Döbeli grundsätzlich zuversichtlich. «Angesichts der Digitalisierung kommen wir mit Rasenmäher-Robotern eigentlich recht gut weg», sagt sie etwas verschmitzt. Dennoch bereite dem Unternehmen der sich rasant entwickelnde Onlinehandel Probleme, da die Beratung ein wichtiger Bestandteil der von Spross angebotenen Dienstleistung sei, so Spross Döbeli. Sorgen macht der aufgeweckten Inhaberin auch die Situation auf dem Lehrstellenmarkt. «Dieses Jahr konnten wir im Gartenbau keinen neu startenden Lernenden finden», bedauert Spross Döbeli, «Ebenso ist es schwierig, gute Bauleiter und Vorarbeiter zu finden.» Dennoch sieht sie eine wichtige Aufgabe ihres Unternehmens darin, Lehrlinge für die Branche auszubilden. «Erstens möchte ich gut ausgebildete Fachleute, andererseits fordert der Kunde hohe Qualität», erläutert sie. Und auch hier steht bei Natalie Spross Döbeli die menschliche Komponente im Vordergrund: «Es geht immer um Lebensgeschichten» schliesst sie.

 

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Natalie Spross Döbeli, CEO der familieneigenen Spross-Gruppe. (Foto: © Spross)

«Ich kämpfe für die ­Anerkennung des Handwerks»

 

Hatten Sie ein Highlight im Jubiläumsjahr?

Einerseits erhielten wir auf unser Spross-Tram, das während sechs Monaten durch Zürich fuhr, sehr viel positive Rückmeldungen. Andererseits war mir persönlich unser Mitarbeiteranlass im Juni sehr wertvoll. An diesem Anlass genossen wir mit etwa 350 Leuten – alle Mitarbeiter samt Familie – die tolle und entspannte Stimmung. Wir konnten uns einfach mal feiern. 

Wie nehmen Sie die aktuelle ­Gartenbaubranche wahr?

Die Branchenmitglieder gehen fair miteinander um, denn wir kämpfen für die gleiche Richtung. Wir haben allerdings auch Pflichten: Da wir eher tiefe Löhne haben, müssen wir unsere Leute unterstützen. 

 

Wie geschieht das?

Wir kämpfen auf zwei Seiten. Es gibt Firmen, die nicht im Verband sind und deren Mitarbeiter einfach mit Rasenmäher und Gartenschere antreten. Hier sind die Preise natürlich sehr umkämpft. Auf der anderen Seite geht es um die Anerkennung durch die Gesellschaft. Ein Anwalt mit einem Stundenlohn von 400 Franken wird zähne­knirschend hingenommen. Bei einem gelernten Gärtner, der einen Maschinenpark bedient, wundern sich die Leute über die Kosten. Aber die Dienstleistung beinhaltet neben dem Anfahrtsweg auch die Kosten für den Bauleiter und die Dienstleistung selbst. Bei einem gelernten Gärtner mit einer drei- bis vierjährigen Lehre steckt viel Fachwissen dahinter. Unsere Gärtner lieben ihren Beruf und führen diesen mit viel Herzblut aus. Hier kämpfe ich für die Anerkennung des Handwerks. 

 

Gibt es einen Kunden, den Sie ­unbedingt mal beliefern wollen?

Jeder Gartenbesitzer ist uns willkommen. Ein Garten ist sehr individuell, und es ist oft überraschend wie ein Besitzer zu seinem Garten kommt.

Optimaler Garten- und Landschaftsbauprofi für ­Planung, Bau und Pflege: der Hauptsitz der Spross-Gruppe in ­Zürich-Wiedkon. (Foto: © Spross)

Spross-Gruppe 

Die Spross Holding AG mit Hauptsitz in Zürich-Wiedikon feiert dieses Jahr ihr 125-Jahr-Jubiläum. Das Unternehmen ist in mehreren Geschäftsbereichen tätig. Neben dem Garten- und Landschaftsbau, für welchen es in der Region bekannt ist, bietet es einen Mulden- und Entsorgungsservice.

 

Daneben betreut die Spross-Gruppe eine firmeneigene Immobiliensparte. Seit 2013 verantwortet Natalie Spross Döbeli als CEO die operative Gesamtleitung des in fünfter Generation geführten Familienunternehmens. Sie ist auch Delegierte des Verwaltungsrates. Das Zürcher KMU beschäftigt zurzeit etwa 175 Mitarbeiter inklusive zehn Lehrlinge und machte im Jahr 2015 einen Umsatz von 75 Millionen Franken.

VZH