Mittwoch, 18. Oktober 2017 2:18 Uhr
Mit Stil und Eleganz in See stechen: Kapitänin Carmen Wili am Steuer der MS Zürihorn, einem ihrer beiden liebevoll restaurierten Holzboote. Foto: zVg

Nimm mich mit, Kapitänin

 

Taxiboot Zürich  Auch oder gerade in unserem technisierten Zeitalter gibt es Dinge und Werte, die nicht an Bedeutung verlieren. Wer dem Alltag von Zeit zu Zeit ein Schnippchen schlagen will, kann den Zürichsee auf den herrlich nostalgischen Holzbooten von Kapitänin Carmen Wili auf beschauliche Weise erleben.

 

Interview Inès De Boel

 

Welche drei Eigenschaften beschreiben Ihre Unternehmer-Persönlichkeit am besten?

Das ist mal sicher eine gute Portion Leidenschaft, ohne Begeisterung könnte man so ein Geschäft kaum betreiben. Zweitens die persönliche Erreichbarkeit, heutzutage wird man je länger je mehr mit Computer-Stimmen verbunden. Drittens Verlass, nicht nur in der Beziehung mit den Kunden sondern auch in der Beziehung mit Mitarbeitern oder anderen Geschäftspartnern.

 

Teilen Sie uns in ein, zwei Sätzen mit, was Ihr Angebot einzigartig macht?

Romantik und Nostalgie sind einzig­artig bei uns an Bord. Beide Boote sind vollständig aus einheimischem Holz gebaut  und bieten somit eine gefällige Gemütlichkeit. Die Gäste nehmen den See direkt und nahe wahr, was immer wieder sehr geschätzt wird.

 

Erzählen Sie uns kurz etwas zu Ihrer Tätigkeit als Inhaberin. Wie kamen Sie auf die Idee, Ihr Hobby zum Beruf zu machen?

Angefangen hat meine nautische Karriere mit der Mitgliedschaft beim ­Oldtimer Boot Club Zürichsee. Ich wollte damals unbedingt mit dem Club-Schiff, einer wunderschönen Holz-Yacht aus dem Jahre 1936, fahren können. Später kam ich mit der Berufs-Schifffahrt als Matrosin auf der MS Etzel in Berührung. So ergab sich, dass ich die Taxiboot Zürich AG übernehmen konnte. 

 

Was begeistert Sie in Ihrem Berufsalltag am meisten?

Das Schönste ist eindeutig, dass ich an Bord meiner Boote Freude bereiten kann. Die meisten Gäste kommen  in feier­licher Laune zu uns. Sie wollen geniessen, zelebrieren und sich gemeinsam freuen. Dann ist eine Rundfahrt auf dem Zürichsee oft das «Pünktlein auf dem i». Es macht Freude, die vielen lachenden Gesichter an Bord zu sehen.

 

Was war das bisher grösste Highlight, das Sie als Kapitänin und Eignerin erleben durften?

Das war klar die Renovierung und Inbetriebnahme des zweiten Bootes MS Bellevue, das während sechs Jahren auf einem offenen Parkplatz der Witterung zum Opfer fiel. Mit Hilfe aus privatem Umfeld wurde das Schiff in einer Werkstatt überholt, wieder flott gemacht und auch den aktuellen Sicherheitsvorschriften angepasst. Es kostete viel Nerven, aber auch Tränen der Freude als die MS Bellevue dann endlich erfolgreich auf Kurs war.

 

Welche weiteren Pläne haben Sie für die Zukunft?

Das Taxiboot-Geschäft auf dem Zürichsee ist und bleibt ein gewerbliches Hobby. Die Unkosten sind zu gross, um davon leben zu können und die geschäftlichen Bestimmungen zu aufwändig. Ich verdiene mein Geld vor allem im Aussendienst in der Optik-Branche. Ich bin viel unterwegs und habe glücklicherweise zwei tolle Mitarbeiter, die mit Freude meine Boote bewegen. Für die Zukunft wünsche ich mir noch zusätzlich unkomplizierte, begeisterungsfähige Kapitäne zu engagieren. Natürlich habe ich auch meine Zukunftsträume. Einer davon ist, die Limmatstrecke bis zum Landesmuseum befahren zu können. Da läge bestimmt weiteres geschäftliches wie auch gefreutes Potenzial drin.

 

Taxiboot Zürich AG

 

Das Unternehmen bietet neben Transfer- und Taxibootfahrten spezielle Rundfahrten für 12 bis 24 Personen auf dem Zürichsee an. Kapitänin Carmen Wili hat 2013 die 2004 gegründete Firma als dritte Inhaberin übernommen und führt mit Ihrer Crew auf Anfrage Apéro-, Hochzeits- und Polterfahrten sowie Firmenfeiern und Bade-Pläusche durch. Die kleinen nostalgischen Holzboote MS Zürihorn und MS Bellevue sind im Hafen Riesbach stationiert.

VZH