Sonntag, 16. Dezember 2018 2:30 Uhr
Johanna Herbst hat mit Delygate.com eine neue digitale Plattform für Services gegründet, die in diesem Jahr ihren Betrieb aufnehmen wird. Foto: zVg

«Wir wollen tolle Tasker und Delygator haben»

Delygate  Delegieren leicht gemacht – mit nur wenigen Klicks. Mit «Delygate» geht diesen Herbst ein Start­up live, das Kleinanzeigen ins digitale Zeitalter übersetzt und uns diverse Alltagsaufgaben abnehmen soll. Warum vor allem Frauen von der digitalen Plattform profitieren, verrät uns Gründerin Johanna Herbst im Interview.

 

Interview Inès De Boel

 

 

Johanna Herbst, was hat Sie daran gereizt, einen digitalen Marktplatz aufzubauen? 

Johanna Herbst: Einerseits fasziniert mich das Thema Sharing Economy und dessen Einfluss auf die Gesellschaft. Wenn ich mir anschaue, wie sehr sich z.B. das Reisen durch Airbnb verändert hat oder wie Uber Privatleute zu Chauffeuren macht. Andererseits habe ich gemerkt, dass ich einen solchen digitalen Marktplatz für mich selber brauche. Ich gehöre zu der Sorte Mensch, die immer alles selbst erledigt und verliere über den Tag hinweg enorm viel Zeit. Ich habe mir gesagt: Wozu?

 

Teilen Sie uns kurz mit, was das Angebot für Delygate.com so attraktiv macht.

Delygate.com bringt Leute, die Aufgaben zu vergeben haben, mit den Leuten zusammen, die diese ausführen wollen. Dabei liegt der Fokus auf alltäglichen Aufgaben. Ist z.B. jemand gerade gezügelt, kann er oder sie über Delygate.com jemanden finden, der die alte Wohnung neu streicht, neue Möbel zusammenbaut, Lampen anbringt oder auch mal bei den schweren Kisten anpackt. Weil man im Privatbereich sehr viel delegieren kann, ist die Plattform nicht nur auf eine konkrete Dienstleistung ausgerichtet, sondern will verschiedene Bereiche abdecken. 

 

Hatten Sie bereits ähnliche Plattform-Angebote – etwa in den USA, in Europa – als Modell vor Augen? 

Das ist eine lustige Geschichte. Ich hatte die Idee und habe meinem Mentor davon erzählt. Am nächsten Tag schickte er mir einen Link von TaskRabbit in den USA mit dem Vermerk, dass diese Plattform meiner Idee entspräche. TaskRabbit wurde 2008 gegründet, ist also etwa zehn Jahre alt und wurde 2017 von IKEA gekauft. Sie ist sozusagen die Mutter sämtlicher Plattformen in diesem Service-Bereich. Im Endeffekt war die Plattform eine Inspiration für mich. Für mich ist es wichtig, zu vergleichen, wie die Plattform und wie delygate.com funktionieren. Es geht vielmehr um die Prozesse, die dahinter stehen.

 

Warum ist der Fokus auf Frauen für die Plattform so wichtig?

Die Plattform wendet sich an Frauen und Männer, legt jedoch einen besonderen Fokus auf Frauen. Statistisch gesehen leisten Frauen mit 28 Stunden pro Woche nach wie vor mehr unbezahlte Arbeit als Männer mit 18 Stunden. Frauen haben damit ein grösseres Potenzial, mehr abzugeben, um Zeit für andere Dinge zu haben. Im Idealfall hilft es, den Spagat zwischen Familie und Beruf besser zu schaffen. Insgesamt hat es den positiven Effekt, dass Frauen ein höheres Pensum schaffen oder mehr Gas im Job geben können.

 

Gibt es noch andere Zielgruppen? 

Wir möchten direkt mit Unternehmen zusammenarbeiten, indem wir ihnen ermöglichen, Delygate als internen Benefit anzubieten. Die Idee ist, dass Firmen ihren Mitarbeitenden unter die Arme greifen, wenn diese im Moment viel um die Ohren haben, weil sie etwa gerade für den Job umgezogen, Eltern geworden sind oder das Kind krank ist. Dadurch können Mitarbeitende entlastet, und die Mitarbeiterzufriedenheit kann gesteigert werden. Das Unternehmen wird dadurch positiv wahrgenommen.

 

Welche Projekte stehen beispielsweise an?

Ein wesentlicher Teil ist aktuell die Entwicklung der Plattform, an der ich mit meinem IT-Kollegen zusammenarbeite. Wir haben nun den ersten Teil live gestellt, der es zukünftigen Tasker erlaubt, sich zu registrieren. Ich bin zurzeit viel am Testen, um zu sehen, ob alles rund läuft. Ich muss sicherstellen, dass wir tolle Tasker auf der einen Seite und viele Delygator auf der anderen Seite haben. Wir wollen möglichst bald im Freundes- und Bekanntenkreis anfangen, um zu optimieren, bis es rund läuft. Zudem habe ich im September das erste Mal Delygate.com vor Investoren gepitcht und stand beim Impact Summit in Zug und bei den Startup Days in Bern auf der Bühne. Für mich ist es wichtig, präsent zu sein und möglichst viel Feedback zu erhalten.

 

Arbeitet Delygate.com auch mit auch anderen Selbständigen zusammen?

Die Tasker auf der Plattform sind hauptsächlich Selbständige, mit der Ausnahme von jungen Leuten oder Rentnern. Wir bieten ihnen eine Plattform, auf der sie schnell und unkompliziert Tasks finden und sich auf das konzentrieren können, was sie am besten können: Eine super Dienstleistung bieten. Ansonsten habe ich bisher auch mit einer Fotografin an den ersten Bildern für die Website gearbeitet. Was Partnernetzwerke betrifft, nehme ich ab Oktober an der be-advanced Challenge in Bern teil, einem 3-monatigen Programm, um die Geschäftsidee und das Geschäftsmodell bereits in frühen Phasen am Markt zu validieren. Zusätzlich bin ich Teil des RUNWAY Incubator in Winterthur, der vom Center for Innovation and Entrepreneurship von der ZHAW School of Management and Law geleitet wird.

 

Welche Entwicklungen, Chancen oder auch Risiken im digitalen Markt sehen Sie für Ihr Business in der Zukunft?

Toll wäre es, wenn Delygate.com einen positiven Beitrag leisten könnte, damit Nutzer ihre verschiedenen Rollen besser unter einen Hut bringen können. Die grosse Chance ist, dass wir uns technisch weiterentwickeln können. Ich denke, hier gibt es spannende Möglichkeiten, z.B. im Bereich der künstlichen Intelligenz. Ein Risiko ist, dass Delgate.com vom Markt nicht angenommen wird. Ich denke allerdings, dass die Zeit für flexible Modelle wie Delygate reif ist, bei denen der Nutzer quasi auf Knopfdruck Hilfe bekommt. Es gibt nur einen Weg, es herauszufinden: Tu es.

 

Was begeistert Sie in Ihrem Berufsalltag am meisten?

Ich schätze, dass ich meine Tage flexibel und frei gestalten kann. Das misst sich bei mir freizeitmässig am Sport (lacht). Im Sommer gehe ich morgens, im Frühjahr eher mittags laufen oder ich gehe ins Gym oder zum Bodypump. Arbeitsmässig finde ich es toll, viele spannende Leute kennenzulernen, sei es zum Lunch oder an Businessevents. Von ihnen kann ich immer etwas lernen sowie inspirierende Gespräche führen. 

 

Gibt es ein Projekt, das Ihnen am Herzen liegt und welches Sie unbedingt noch realisieren möchten?

Ich würde gerne einmal an einer Hochschule unterrichten. Ich habe angefangen, einen Blog über meine «Reise zur Unternehmerin» zu schreiben. Hier ergeben sich vielleicht durch mein Start­up Themen, die für eine Hochschule interessant sein könnten. Eventuell kann man mehr Frauen überzeugen, auch ein solches Projekt zu starten. Klar ist: Langweilig wird mir nicht (lacht).

 

Delygate.com

Delygate.com ist ein digitaler Marktplatz, über den sich Aufgaben aus dem häuslichen Bereich wie etwa kleine Reparaturen, Umzugsdienstleistungen bis zu Hausarbeiten in nur wenigen Klicks an Service-Anbieter («Tasker») delegieren lassen. Die Plattform richtet sich sowohl an Frauen wie Männer und punktet mit hohem Sicherheitsstandard. Ziel ist, dass Tasker viel Zeit sparen und Delygators viele Aufgaben an Tasker vermitteln können.

 

 

 

 

 

 

Zur Person

Seit Anfang 2018 baut Gründerin Johanna Herbst mit Delygate.com ihr eigenes Startup auf. Sie hat in New York an der NYU Stern School of Business einen MBA mit Schwerpunkt Finanzen und Marketing abgeschlossen. Sie bringt mehr als 12 Jahre Erfahrung in den Bereichen Corporate Finance, Management Consulting und Business Development mit und hat für Firmen wie Siemens, Procter & Gamble sowie Horvath & Partners gearbeitet. Mit Delygate.com möchte Johanna Herbst andere Frauen inspirieren, ihr in die Welt der Startups zu folgen. Die gebürtige Deutsche lebt seit mehr als neun Jahren in der Schweiz.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

VZH