Mittwoch, 18. Oktober 2017 2:11 Uhr
Erfolg dank Erfindergeist: Heinz Düring, Verwaltungsratspräsident der Düring AG. Bild: zVg

Die Ente 
fürs Klo

Maria und Walter Düring – Haben Sie gewusst, dass die WC-Ente eine Zürcher Erfindung ist? Seit über 40 Jahren wird sie 
als eines der führenden Entkalkungsmittel 
in der Schweiz hergestellt.

 

Text Anouk Arbenz

 


1951 – in einer Garage in der Nähe des Bucheggplatzes war Maria Düring gerade dabei, Salzsäure und verschiedene Flüssigkeiten und Pulver in einem grossen Topf zu vermischen. Ihr Mann Walter hatte ihr die Rohstoffe aus seiner Drogerie mitgebracht. Woran tüftelte sie da? Maria Düring war Hausfrau und hatte regelmässig die Villa zu putzen. Dabei störte sie sich am Kalk, der sich überall in Bad und Küche ansammelte. Herkömmliche Mittel waren geruchsintensiv und wenig wirksam. Also beschloss sie, sich selbst ein Reinigungsmittel zusammenzubrauen. Sie nahm den Kessel, ging ins Bad und machte den Klo-Test – und war erfreut über das Ergebnis. Der Kalk war weg, die Toilette glänzte wie noch nie. Auf die grosse Freude folgte Frust, als sie kurz darauf feststellte, dass sie sich nicht mehr daran erinnern konnte, was sie in welcher Menge zugegeben hatte. Ein paar Tage später fand sich jedoch eine Lösung: Nach einem Anruf bei der ETH Zürich und der Analyse ihres Mittels konnte ihr ein Chemiker die genaue Zusammensetzung mitteilen. Die Marke Durgol war geschaffen.

 

Gründung der Düring AG
Im schicken Deux-Pièces und mit adrettem Hut ging Maria Düring in einem imposanten DeSoto mit ihrem Durgol auf Werbetour. So kutschierte sie durch die ganze Schweiz und besuchte Schulhäuser und Grossunternehmen, um ihnen ihr Produkt vorzuführen. Dabei schreckte sie auch nicht davor zurück, die Herren ins WC zu bitten und gleich selbst die Toilettenbürste zu schwingen, um sie von ihrem Produkt zu überzeugen. Dessen Wirksamkeit und wohl auch ihr Auftritt hinterliessen einen bleibenden Eindruck: Durgol wurde zum Renner.


1963 stieg Sohn Walter Düring in das Familienunternehmen ein. Er war – wie schon sein Vater – Drogist, hatte von seiner Mutter jedoch das Tüftler-Gen geerbt. Er entwickelte die erste profes­s­­ionelle Abfüllanlage für Durgol, die noch heute in der Produktionshalle in Dällikon in Betrieb ist. Als der Absatz immer grösser wird, wandelt er das Geschäft der Eltern in die Düring AG um.

 

Marketing rät von «WC-Ente» ab
Ein neues Giftgesetz führte dazu, dass Walter Düring eine neue Rezeptur erfinden musste. 1967 entwickelte er daher einen Flüssigreiniger ausschliesslich für das WC, das schon bald zum Marktführer in der Schweiz wurde. Das neue Reinigungsmittel wird noch heute unter dem bekannten Namen «Durgol Express» vertrieben.  Erstmals war es mit dem neuen Mittel möglich, auch metallene Gegenstände zu entkalken. Für seine Idee seiner Kunststoffverpackung mit Schräghals und Bürste erhielt er ausserdem den Erfinderpreis in Brüssel.


Als die Drogerien – inzwischen gehören sie zu den Hauptkunden der Düring AG – wegen der aufkommenden Grossverteiler immer mehr an Bedeutung verlieren, gerät auch Walter Dürings Existenz ins Wanken. Er nimmt einen Zweitjob an und macht sich daran, die Produktepalette des Unternehmens auszuweiten. Auf Anregung seiner Frau Vera hin entwickelt er eine Flasche, mit der sich die Entkalkungsflüssigkeit direkt unter den WC-Rand spritzen liess. Während sie die Rezeptur entwickelte, tüftelte Walter Düring an der idealen Flaschenform. Nach zwei Jahren war es soweit, und Walter wollte die Flasche nach ihrer Form benennen: WC-Ente. Obwohl Marketing-Experten ihm von seiner Idee, das Produkt WC-Ente zu nennen, abrieten (Assoziation mit «lahmer Ente» und Homosexuellen, die zu dieser Zeit als «Enten» betitelt wurden), hielt Walter Düring an dem Namen fest. Der Erfolg gab ihm Recht. 1981 startete die WC-Ente ihren Siegeszug um die Welt. Dabei wurde der Begriff «WC-Ente» in etliche Sprachen übernommen. So heisst das Reinigungsmittel beispielsweise im Englischen «toilet duck», im Spanischen «Pato WC», im Italienischen «Wc Anatra» oder im Schwedischen «Toalett Duck».

 

Ente gut, alles gut?
Noch heute befindet sich das Unternehmen in der Hand der Gründerfamilie: Den Verwaltungsrat bilden die drei Enkel Sven Düring, Britta Pinto-Düring und Verwaltungsratspräsident Heinz Düring. Ihre Produkte werden in rund 20 Ländern verkauft, 30 Mitarbeitende erwirtschaften einen Umsatz von 20 Millionen Franken im Jahr. Zweimal pro Woche treffen sich die Geschwister, um aktuelle Herausforderungen zu besprechen und wichtige Entscheide zu fällen. So auch 2008, als sie sich schweren Herzens dazu entschieden, die Markenrechte der WC-Ente an den langjährigen Lizenzpartner SC Johnson zu verkaufen. Angesichts der neuen Chemikaliengesetzgebung der EU, dem wachsenden Berg an Vorgaben, der Frankenstärke und dem Ablauf des Patents musste sich die Düring AG eingestehen, dass sie für die inzwischen grosse Marke «WC-Ente» zu klein geworden war. Dafür konzentrierte sich das Familienunternehmen wieder auf ihr Kerngeschäft: die Entkalkung.


Marktanteil von 30 Prozent

Ob Küche, Bad, Waschmaschine, Steamer oder Bügeleisen: Wenn’s kalkt, heisst die Schweizer Lösung Durgol. Am Entwicklungs- und Produktions-
standort Dällikon werden jährlich mehr als zehn Millionen Flaschen abgefüllt und in alle Welt versandt. Am Schweizer Unternehmenssitz wird auch in Zukunft festgehalten. Zu den grössten Absatzmärkten gehören neben der Schweiz  die beiden Nachbarn Deutschland und Österreich sowie Israel und die USA. In Zukunft setzt Düring auch auf China und asiatische Länder, da dort immer mehr Leute das Genussmittel Kaffee entdecken. Seit der Entwicklung von Spezial-Entkalkern für Kaffeemaschinen im Jahr 2000 gehört dieser Zweig zum bedeutendsten der Düring AG.

Zürcher Pioniergeist

 

Wer ist oder war ein Pionier? Der Seefahrer Christoph Kolumbus zum Beispiel? Pioniere sind Leute, die etwas erfinden oder zum ersten Mal tun. Die Wege dazu sind so unterschiedlich wie deren Herkunft und Bildung. Der neue Band beginnt mit dem Jahr 1900 und stellt 60 Persönlichkeiten vor –
Porträts von Menschen mit Ideen. Herausgeber: Beat Glogger, Fee Anabelle­ Riebeling, Lehrmittelverlag Zürich, 300 Seiten, 58 Franken. 

VZH