Donnerstag, 17. Januar 2019 20:19 Uhr
Freddy Burger: «Nur die Abgeklärtesten und Seriösen überleben langfristig in dieser Glamourwelt.» (Bild: Willy Kracher)

Leben am Bühnenrand

Freddy Burger  Vor 46 Jahren machte sich der junge Freddy ­Burger selbständig und gründete die Rent-a-Show AG. ­Heute ­beschäftigt der Showkönig und langjährige Manager von Udo Jürgens in seiner Gruppe «Freddy Burger Management» über 250 Mitarbeitende in rund 30 Betrieben.

 

Text Anouk Arbenz


«Ich bin als Macher auf die Welt gekommen. Das hatte ich schon früh begriffen», sagt Freddy Burger mit Rückblick auf seine Karriere. Nun versuche er aber, zurückzutreten und andere machen zu lassen. Seit seinem 60. Geburtstag hat sich Burger mehr und mehr aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Doch so ganz loslassen kann der mittlerweile 71-Jährige dann doch nicht. Verständlich, wenn man praktisch sein ganzes Leben lang im Gastro-, Show- und Eventbusiness tätig war und gar nichts anderes kennt . . .


Vom Hochbauzeichner zum Manager

Schon als Teenager organisierte Freddy Burger im Rahmen des Zürcher Jugend-Tanzklubs Parties. Wenig später vermittelte er dem legendären Nachtclub Mascotte ein Spitzenorchester nach dem anderen. Er kaufte sich in das Lokal ein und übernahm dieses schliesslich. Im Alter von 19 Jahren organisierte Burger sein erstes Konzert und sorgte persönlich dafür, dass Cliff Richard im Zürcher Hallenstadion auftrat. Das Konzert kostete ihn viel Geld – zu viel. Doch es war ihm auch eine wertvolle Lehre: «Ich habe für die Zukunft gelernt, Risiken sorgfältig und realistisch einzuschätzen.» Als ihm Sänger und Gitarrist Toni Vescolis anbot, Manager von «Les Sauterelles» zu werden, zögerte der damals 20-Jährige nicht lange und hing dafür seinen Beruf als Hochbauzeichner an den Nagel – zum grossen Ärger des Vaters. Durch das Studieren anderer Betriebe bekam er langsam ein Gefühl dafür, was das Publikum wollte. 
Danach stieg Burger bei der Konzertagentur Schläpfer ein, wo er als Künstleragent tätig war. «Es waren im wesentlichen organisatorische Aufgaben: Terminpläne erarbeiten und überwachen, Bewilligungen einholen, Abrechnungen erstellen und die Künstler betreuen», erinnert sich Burger. 1967 brachte er den Jus-Studenten Pepe Lienhard dazu, sich professionell von ihm managen zu lassen. Noch heute betreut Burger den Orchestermusiker. «Meine grosse Stärke war schon damals die Akquisition. Ohne Verkauf läuft im Agenturbusiness gar nichts», so Burger. «Durch meine Seriosität und Professionalität konnte ich mir Vorteile verschaffen und hob mich von anderen Amateuren und Hasardeuren ab.»


Aufstehen und weitermachen
Neben einem guten Händchen bewies er auch flinke Beine: Als Hockeyspieler schaffte er es als Jugendlicher in die Nationalliga B – bis ein Selbstunfall seine Sportkarriere jäh beendete. Freddy Burger liess sich davon nicht unterkriegen. Seine Eishockey-Zeit und der Unfall haben ihn gelehrt, auf die Zähne zu beissen und nie den Mut zu verlieren. «Nach einem Sturz oder einer Niederlage muss man sich halt wieder aufrappeln und weitermachen», sagt Burger und denkt dabei wohl nicht nur an seine sportliche Karriere zurück. Rückschläge gab es so einige im Leben von Freddy Burger. Beispielsweise machte er mit dem ersten Musical «Wilhelm Tell», das er 1977 organisierte, Verluste in sechsstelliger Höhe. Als Veranstalter und Produzent müsse man immer wieder grosse finanzielle Risiken eingehen, gesteht Burger: «Bei Adaptionen von Musicals werden Investitionen in Millionenhöhe verlangt.» So auch beim aktuell laufenden Musical «Mary Poppins», das seit Anfang Februar im Theater 11 gezeigt wird. 
In wirtschaftlichen Krisenzeiten wie im Jahr 2008 oder während des «Frankenschocks» leidet auch das Showgeschäft mit. Da die Unterhaltungsbranche von der Konsumlust der Bevölkerung abhängt, ist die konjunkturelle Situation in der Region von grosser Bedeutung für das Geschäft: «Wir sind direkt abhängig vom Wohlstand der Menschen. Wenn Lebenshaltungskosten und Verunsicherung steigen oder der Beschäftigungsgrad sinkt, verkaufen wir weniger Karten», erläutert Burger die wirtschaftlichen Herausforderungen. Hinzu komme, dass auch im Showbusiness eine Globalisierung stattfinde: «Immer mehr Finanzgesellschaften möchten sich ein Stück vom vermeintlich lukrativen Showbiz-Kuchen abschneiden. Herzblut wird sukzessive durch Shareholder-Value abgelöst.»


Eine befruchtende Symbiose
Zu seinen grössten Erfolgen zählt zweifelsohne die Zusammenarbeit mit Udo Jürgens, dessen Life Entertainment Award er 2007 entgegennehmen durfte. 40 Jahre lang war Burger der Mann an Udo Jürgens Seite. Noch im Alter von 80 Jahren füllte Udo Jürgens ganze Konzerthallen – Das ist auch der Verdienst seines Managers. Obwohl sehr verschieden, oder gerade weil sie so verschieden waren, funktionierte das Team so gut. Der Realismus und die Vernunft von Freddy Burger kontrastierte mit der künstlerischen, ideellen Persönlichkeit Jürgens. «Der Gegensatz zwischen realistischen Ma­­nagern und zuweilen etwas weltfremden Künstlern ist wahrscheinlich der beste Nährboden für den gemeinsamen Erfolg», ist Burger überzeugt. 
Die Aufgaben waren klar verteilt: Burger kümmerte sich um das Tagesgeschäft, plante und organisierte, damit Jürgens sich ganz auf seine kreative Arbeit konzentrieren konnte. Keiner mischte sich in die Arbeit des anderen ein. «Beruflich gab es wenig Anlass zu Meinungsverschiedenheiten», kommentiert Burger die Zusammenarbeit. Wenn es zu Problemen gekommen sei, dann aufgrund Jürgens privater Eskapaden und «naiven Offenheit» gegenüber den Medien, wie Burger äussert: «Er hat mit seiner Meinung nie hinter dem Berg gehalten und sein Herz buchstäblich auf der Zunge getragen.» Das habe bisweilen für fette Schlagzeilen, lange Krisensitzungen und heisse Köpfe gesorgt. Bei allem Kontrast: Freddy Burger und Udo Jürgens vereinte der gegenseitige Respekt, die Leistungsbereitschaft und die Liebe zur Sache. Und eine enge Freundschaft, die beinahe ein halbes Jahrhundert andauerte.


Mehr als der Mann im Hintergrund
Das dunkelste Kapitel erlebte Burger Mitte 30. Kurz nachdem er bei der Konzertagentur Good News ausgestiegen und seine Ehe in die Brüche gegangen war, erlitt er zwei Nervenzusammenbrüche. Existenzängste plagten ihn, er konnte kein Flugzeug mehr betreten, durch keinen Tunnel fahren und war in psychiatrischer Behandlung. Erst als er realisierte, dass die Rolle als «Macher» seine Bestimmung war, fand er den Halt wieder. Heute ist er sichtlich stolz auf das Geleistete – zu Recht: Während fast 50 Jahren hat er das Show- und Eventbusiness in der Schweiz geprägt wie kein anderer. The Who, Pink Floyd, Paul McCartney, Cat Stevens, Genesis, Santana, Shirley MacLaine, Queen, Tina Turner, Boney M. und Frank Zappa sind nur die grössten Namen, die er als Veranstalter und Mitinhaber von Good News in die Schweiz holte. Als Manager betreute er neben Udo Jürgens und Pepe Lienhard unter anderem Les Sauterelles, The Renegades, Rolf Knie und Nana Mouskouri. 
Seit der Gründung von Rent-a-Show im Jahr 1969 hat Freddy Burger sein Unternehmen kontinuierlich ausgebaut. Heute basiert die Freddy Burger Management Gruppe auf drei Profitcentern – Entertainment, Communications und Gastronomie. Darüber hinaus bietet das Unternehmen Dienstleistungen in den Bereichen Public Relations, TV-Produktion, Projektplanung und -Management, Buchhaltung und Treuhand an. Seine Firmen sind eigenfinanziert, einen Kredit musste er nie beantragen. «Das habe ich alles ganz alleine geschafft, ohne mich unvernünftig zu verschulden oder mich von Geldgebern abhängig zu machen. Ja, darauf bin ich schon stolz.»

 

Erstmals ist in der Schweiz das preisgekrönte Musical «Mary Poppins» zu sehen. Dies Dank Freddy Burger und seinem Team, welche es schafften, den Welterfolg ins Theater 11 nach Zürich zu holen. Bild: Johan Persson

Premiere des Broadway Musical Hits «Mary Poppins»

Disneys und Cameron Mackintoshs «Mary Poppins» entführt Jung und Alt in eine einzigartige Welt voller Magie und Fantasie. Das weltbekannte Stück erzählt die Geschichte des Kindermädchens Mary Poppins, die mit ungewöhnlichen Methoden für die Kinder Jane und Michael der Familie Banks sorgt. Weltweit verzauberte «Mary Poppins» bereits ­Millionen von Zuschauern und begeisterte das Publikum mit einem sensationellen Bühnenbild, mitreissenden Tanzszenen und zeitlosen Melodien.

 

 

Datum: 1. Februar bis 19. März
Wo: Theater 11, Thurgauerstrasse 7, 8050 Zürich
Vorstellungen: Di und Mi,18.30 Uhr, Do und Fr, 19.30 Uhr
Sa, 14.30 Uhr + 19.30 Uhr
So, 13.30 Uhr + 18.30 Uhr 
Preise: Zwischen 58 (5. Kategorie) und 148 Franken (1. Kategorie). 20 Prozent Ermässigung für Kinder.

VZH