Donnerstag, 17. Januar 2019 20:18 Uhr
Fritz Fischer, ETH Zürich, ­Gründer AfiF und Firma Contraves in Zürich, Aufnahme etwa 1946. (Foto: Angela Blattner, Archiv Rheinmetall Air Defense AG, Zurich, image H_CZ575-2 / wikimedia) Der Eidophor-­Projektor war gut 1.50 Meter hoch und wog um die 360 Kilogramm. Das projizierte Bild mass 4 mal 5 Meter. (Foto: zVg, Zürcher Pioniergeist/Lehrmittelverlag)

Neues Format

 

Pionier des Monats  Der Elektroingenieur Fritz ­Fischer erfand den Vorläufer der heutigen ­Videoprojektoren, das Eidophor. Ein Gerät, das erstmals erlaubte, Fernsehbilder in ­Kino­leinwandgrösse zu übertragen.

 

Text Silvan Buholzer

 

Wenn das Wohnzimmer zum Kino umfunktioniert wird, ein Lehrer oder Professor sein Wissen vermitteln möchte oder ein Unternehmer mit einer Präsentation einen Kunden zu gewinnen versucht, kommt meist ein Beamer zum Einsatz. In den 1930er-Jahren träumten viele davon, zuhause mit Kino-Feeling fernsehen zu können. Der Schweizer Elektroingenieur Fritz Fischer war kein Träumer, sondern ein Macher. Dank seiner Erfindung, dem Eidophor, konnten die NASA-Ingenieure 1969 auf einer Grossleinwand «den grossen Schritt für die Menschheit» live mit­verfolgen. Insgesamt 34 Eidophor-Geräte waren Ende der 1960er-Jahre in den NASA-Raumfahrtzentren installiert. Der Name «Eidophor» stammt aus dem Griechischen und bedeutet«Bildträger».

Der Technologie verfallen

Fritz Fischer wurde am 9. Februar 1898 in Signau im Emmental geboren. Er interessierte sich früh für Technik und baute zuhause im Keller ein kleines Kraftwerk. In einer Biographie steht geschrieben: «Ein Wasserrad mit schön gelöteten Löffeln trieb einen Stromerzeuger an, der daheim Keller und Waschküche beleuchtete.» Fischer absolvierte von 1917 bis 1924 ein Studium zum Elektroingenieur an der ETH Zürich, das er mit einer Dissertation abschloss. Danach arbeitete er bei den Telefon­werken in Albisrieden und feierte einen ersten grossen Erfolg, worauf ihn die Mutterfirma Siemens & Halske zu sich ins Zentrallabor nach Berlin holte. Dort befasste er sich unter anderem mit der Fern­lenkung von Fahrzeugen. Später entwickelte Fischer auch Fernlenkungssysteme für Schiffe und Flugzeuge.

 

«Heil Minger!»

Fischer stieg bei Siemens bis zum stellvertretenden Labordirektor auf. Doch als Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde, kehrte der Schweizer an die ETH Zürich zurück. Als er später einen ehemaligen Mitarbeiter in Berlin besuchte, begrüsste dieser ihn mit den Worten: «Heil Hitler!». Fischer entgegnete: «Heil Minger!» dem Namen des damaligen Berner Bundesrats. Während der Zeit bei Siemens hatte Fischer ein Gerät entwickelt, mit dem man Tonfilme aufnehmen und wiedergeben konnte. Ausserdem wurde er mit dem Neubau der Filmstudios in Babelsberg beauftragt und studierte währenddessen die physikalischen Grundlagen des Farbfilms. An der ETH Zürich befasste er sich mit der Fernsehtechnik für die Fliegerabwehrprojekte.
1939 skizzierte Fischer während einer Zugfahrt von Bern nach Zürich auf einer Zigarettenschachtel seine Idee von einer Fernsehgrossprojektion: Ein Elektrostrahl, der mithilfe eines Magneten gesteuert wird, zeichnet das Fernsehbild Zeile für Zeile als elektrische Entladungen auf einen dünnen Ölfilm, welcher auf einen Hohlspiegel aufgebracht ist – den Bildträger Eidophor. Während dieses Prozesses entstehen auf dem Öl kleine Hügel, die den einzelnen Bildpunkten entsprechen. Beleuchtet eine starke Bogenlampe das Relief, wird das Licht unterschiedlich stark an den Ölhügelchen gebrochen. Das vom Hohlspiegel reflektierte, abgelenkte Licht wird dabei durch eine Linse auf die Leinwand projiziert. Die Bildpunkte auf dem Hohlspiegel erscheinen dadurch als helle Stellen auf der Leinwand.    

 

Eidophor in Bedrängnis

An Silvester 1943 präsentierten Fischer und seine Ingenieure erstmals ein Fernseh-Grossbild. Da dieser jedoch noch einige Mängel aufwies, bauten sie einen zweiten Prototypen. Kurz vor dessen Premiere starb Fischer an den Folgen eines Herzinfarkts, mit nur 49 Jahren. Ein Freund Fischers, Edgar Gretener, entwickelte später den Eidophor-Prototypen zur Produktionsreife weiter. Nach dem Tod Gretener 1958 übernahm die Chemiefirma Ciba die Dr. Edgar Gretener AG und taufte diese in Gretag AG um. Die Chemiefirma lancierte den Fernseh-Grossprojektor in einer Schwarz-Weiss- und Farbversion. Das Kinofernsehen setzte sich jedoch nicht so durch, wie es sich Fritz Fischer gewünscht hatte. Die Kinobesitzer zeigten kaum Interesse an dem Eidophor. Die NASA und die Universitäten hingegen kauften das Projektionsgerät, um wissenschaftliche Experimente in Hörsäle zu übertragen. Auch war die Erfindung für Sportübertragungen auf Grossleinwände wie die Fussball-Weltmeisterschaft 1966 oder Boxkämpfen von Muhammed Ali genutzt. Das teure Gerät konnte zudem auch für Kongresse und Tagungen gemietet werden. Der eigentliche Durchbruch kam mit der Montage des Geräts in etlichen Fussballstadien. Bis 1989 waren weltweit über 600 dieser Projektoren in Betrieb. Gegen Ende der 1990er-Jahre wurde die Produktion jedoch eingestellt. Geräte, die auf neueren Technologien wie zum Beispiel der Flüssigkristallanzeige, LCD, basierten, ersetzten den Eidophor – doch ohne Fischers Erfindung, hätten diese wahrscheinlich nicht so schnell entwickelt werden ­können. 

VZH